Erstmals seit 1986 Handelsbilanzüberschuss mit den USA

Starke Exportzuwächse bei Pharmazeutika, Holz und Dieselmotoren

Wien (PWK059) - Trotz der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung im vergangenen Jahr in den USA und trotz des starken Euros und der Krise im Nahen Osten, sehen österreichische Unternehmer heuer den Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten zuversichtlich entgegen. Das ist das Ergebnis einer im Jänner 2003 durchgeführten Blitzumfrage der österreichischen Außenhandelstellen in den USA (New York, Chicago, Los Angeles) unter heimischen Wirtschaftstreibenden. "Bei Lieferungen aus Österreich gelte es jetzt aber umso mehr, sich durch Qualität von den US-Mitbewerbern abzusetzen und nach Nischen zu suchen", sagt Bruno Freytag, Österreichs Handelsdelegierter in New York. Denn wegen der Krise in anderen Wirtschaftsregionen versuchen immer mehr Produzenten ihre Waren am weltweit wichtigsten Exportmarkt, den USA, anzubieten. Insgesamt sind bei den drei Außenhandelsstellen rund 400 Niederlassungen und Repräsentanzen österreichischer Unternehmen registriert.

Im Rückblick auf 2002 erwartet Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ, dass "Österreich erstmals seit 1986 wieder einen Handelsbilanzüberschuss mit den USA erzielen wird. Und die USA werden auch 2003 weiterhin unser wichtigster Überseemarkt bleiben." Alleine in den ersten zehn Monaten des Jahres 2002 konnte bei den Exporten in die USA ein Plus von 2,8 Prozent eingefahren werden. Das Gesamtvolumen der heimischen Ausfuhren belief sich auf 3,4 Mrd Euro. Im Vergleich dazu sind die Exporte Deutschlands in die USA im Vergleichszeitraum um 15 Prozent zurückgegangen. Die österreichischen Importe aus den USA nahmen um 6,6 Prozent auf 3,2 Mrd Euro ab. Bei den Ausfuhren gab es überdurchschnittliche Zuwächse bei Pharmazeutika (499,6 Mio Euro, + 97,6%), Holz und Holzwaren (81,1 Mio Euro, +41,1%), Dieselmotoren (77,3 Mio Euro, + 132%) und zahnärztlichen Instrumenten (46,4 Mio Euro, + 184,1%).

"Für jene Unternehmen, die die Gründung einer US-Niederlassung oder von Investitionen erwägen, könnte jetzt angesichts des schwachen Dollars der richtige Zeitpunkt gekommen sein", rät die österreichische Handelsdelegierte in Chicago, Gudrun Hager. Diesen Umstand nutzte etwa die Fa. Plansee Mitte Jänner 2003 durch die Übernahme eines US-Unternehmens und den Bau eines neuen Werkes für Zulieferung zur Automobilindustrie. "Weiters sind US-Technologiefirmen bislang von den Gerüchten um einen Irak-Krieg wenig beeindruckt", berichtet Hans-Christian Kügerl, Handelsdelegierter in Los Angeles über die Stimmung an der Westküste. Für österreichische Firmen im High-Tech-Bereich bestehen daher auch während der derzeit gedämpften Wirtschaftsstimmung gute Chancen. Relativ günstig sind derzeit die Aussichten für in den USA etablierte österreichische Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Ein Teil des gestiegenen US-Verteidigungshaushaltes landet trotz "Buy USA"-Kaufparolen in den Kassen ausländischer Lieferanten. Sollten sich die politischen Verhältnisse im Nahen Osten durch eine US-Intervention verändern, hoffen Unternehmer auch auf bessere Liefermöglichkeiten aus ihren US-Produktions- und Vertriebsstätten.

Ein Wermutstropfen für Exporteure ist gemäß der Umfrage - abgesehen von der unklaren und unsicheren Situation im Nahen Osten und ihrer Auswirkungen auf die US-Wirtschaft - aber die Wechselkursentwicklung US-Dollar versus Euro. Freytag: "Den starke Euro spüren vor allem die Exporteure von Konsumgütern." Per Jahresende 2002 befand sich der Euro mit einem Kurs von 1,05 gegenüber dem US-Dollar auf einem Dreijahreshoch und notierte um 16 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Die meisten Lieferverträge mit US-Unternehmen lauten noch immer auf Dollar und werden auf einen längeren Zeitraum abgeschlossen. Der rasante Euro-Kursanstieg ist daher nicht ohne weiteres auf die Dollar-Verkaufspreise in den USA umzulegen und schmälert daher die Exportgewinne. AWO-Chef Koren: "Die Ausnahme sind Maschinenbaufirmen. Ihnen kommt zugute, dass ein Teil ihres US-Umsatzes auch durch Service und Instandhaltung zustande kommt, dessen Nachfrage relativ wechselkursunabhängig ist." Schwieriger ist die Situation in jenen Industriesektoren, in welchen es in den USA selbst ausreichend Produzenten gibt, wie etwa im Stahl- und Papierbereich. Hier spüren einige Unternehmen bereits, dass sie durch die gestiegenen Importpreise bei Massenprodukten aus dem Markt gedrängt werden. Die Krise im Nahen Osten und die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung bekommen vor allem Unternehmen der Investitionsgüterbranche zu spüren. US-Betriebe schieben derzeit Investitions- und Technologieentscheidungen hinaus. Je schneller die Krise vorbei ist, desto besser für das Geschäft, so der Tenor der österreichischen Unternehmen in den USA.

Zu den generellen US-Wirtschaftsaussichten äußert sich Handelsdelegierter Freytag verhalten optimistisch. Das BIP sollte heuer um die 2,4 Prozent und 2004 bei soliden 3,5 Prozent liegen. 2002 lag die Wachstumsrate bei rund 2,3 Prozent und damit immer noch deutlich über der der anderen OECD Staaten und dem Euro-Raum. Der Privatkonsum, auf den über 2/3 des BNP entfallen, war für die dennoch passable Wirtschaftsentwicklung verantwortlich. Das persönliche verfügbare Einkommen der Privathaushalte ist 2002 gestiegen. Eine durchschnittliche Lohnerhöhung von drei Prozent, eine geringe Inflationsrate von zwei Prozent und günstige Finanzierungsangebote für langlebige Konsumgüter trugen dazu bei, dass die Konsumenten die US-Wirtschaft im Gang halten konnten. Durch Investitionen in langlebige Konsumgüter, vor allem in Autos, legten die Einzelhandelsumsätze zum Jahresende nochmals kräftig zu. Erhöhte Ausgaben für die Landesverteidigung und die Terrorismusbekämpfung ließen auch den öffentlichen Konsum in der ersten Jahreshälfte kräftig ansteigen (+7%).

Bemerkenswert war auch ein weiterer Zuwachs der Arbeitsproduktivität um vier Prozent. Eine unerwartete Steigerung der Nachfrage, vor allem im dritten Quartal, wurde von den Unternehmen durch das Anheben der Produktivität ausgeglichen. Indes führte ein starkes Plus bei Importen - vor allem von Konsumgütern - zu einer weiteren Erhöhung des US-Handelsbilanzdefizits (480 Mrd. US-Dollar gegenüber 394 Mrd USD 2001). (BS)

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