Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Unerträgliches Pathos (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 30. Jan. 2003

Klagenfurt (OTS) - George Bushs angeblich "wichtigste" Rede seines Lebens war von drei Markierungen gekennzeichnet: Erstens der behaupteten Verbindung zwischen Saddam und El Kaida, zweitens der angekündigten Vorlage von "Beweisen" im Sicherheitsrat und drittens einem durch nichts mehr überbietbaren Pathos.

Mit der ersten Behauptung hat Bush die belegte Nichtteilnahme des Irak am Geschehen des 11. September für die ohnehin eher desorientierten US-Bürger weiter vernebelt und damit größere Zustimmung für einen Präventivkrieg erwirkt. Denn nach der neuen Doktrin "schlägt das Imperium nicht zurück, sondern zuerst" (New York Times). Mit der Beweis-Ankündigung hat der US-Präsident den Sicherheitsrat vorerst ruhig gestellt. Sollten es wirklich Beweise sein, wäre ihre späte Vorlage nur durch möglichen Überläuferschutz erklärbar. Collin Powell wird es uns sagen.

Hoffentlich mit weniger Pathos. Denn was Bush an Pathos vorlegte, war für mitteleuropäische Ohren nahezu unerträglich. Pathos schafft im Gegensatz zu den USA hierzulande nur massives Unbehagen. Wir assoziieren Pathos, unsere eigene Geschichte erinnernd, mit Kriegshetze. Pathos stand vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Pathos ist für uns immer das Omen des Untergangs. Und dieses Pathos hören wir, wenn Bush spricht.

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