AUA-Bord: Offener Brief an den Vorstand

Der Brief im Wortlaut

Wien (HTV/ÖGB). Der Betriebsrat Bord der AUA wendet sich in einem offenen Brief an den Vorstand und fordert von diesem seine Verantwortung für das Personal und die Zukunft der AUA wahrzunehmen. Der Brief im Wortlaut:++++

Sehr geehrte Herren!

Seit nunmehr eineinhalb Jahren führen Sie die Geschicke der AUSTRIAN AIRLINES GROUP. Diese Periode war von massiven Einsparungs-und Restrukturierungsmaßnahmen geprägt. Während dieser äußerst schwierigen Zeit hat das gesamte Personal stets auch einschneidende Schritte zur wirtschaftlichen Konsolidierung als notwendig erkannt und mitgetragen. Im Gegensatz zu den Eigentümern und Geldgebern haben wir darüber hinaus im Jahr 2002 in - für Österreich einzigartig -beispielgebender Form, durch Verzicht auf 8% unseres Jahreseinkommens, den wirtschaftlichen Turnaround eingeleitet. Erst dadurch wurde es möglich, entgegen allen Erwartungen bereits 2002 das zweitbeste operative Ergebnis der Firmengeschichte zu erwirtschaften.

Aus Ihrer Sicht stand einer uneingeschränkten Konzernentwicklung die Betriebsvereinbarung C.33 (Beschäftigungsschutz) im Wege. Der Ersatz durch eine gemeinsam entwickelte klare Geschäftsfeldtrennung scheiterte schlussendlich an Ihrer Verweigerung einer rechtlich verbindlichen Absicherung derselben.

Was dann folgte, stößt jedoch auf absolutes Unverständnis:

Sie setzten mit der einseitigen Kündigung der Betriebsvereinbarung C.33 einen aggressiven und feindlichen Akt, obwohl wir wiederholt und eindringlich auf die zu erwartenden Folgen für diesen Fall hingewiesen haben. Doch damit nicht genug, konfrontieren Sie uns mit immer unverschämter werdenden Forderungen: Ein Two-Tier-System mit massiv abgesenkten Gehaltstabellen sowie gekürzten Pensionsleistungen für neu eintretende Mitarbeiter und verschlechterte Arbeitsbedingungen für das bestehende Flugpersonal werden zusätzlich gefordert.

Das fliegende Personal der Austrian Airlines hat kein Verständnis für weitere Sparmaßnahmen, nur damit die gigantischen persönlichen Gewinne der Geschäftsleitung aus dem eigens implementierten Stock-Options-Programm realisiert werden können.

Die Eigentümer und die Geldgeber müssen die vom fliegenden Personal erbrachten Leistungen anerkennen und nun auch ihren Beitrag zur Verbesserung der von Ihnen als miserabel bezeichneten Finanzsituation des Unternehmens leisten. Sie haben lange genug das Missmanagement geduldet und diverse Kapitalausschüttungen kassiert oder zumindest mitverantwortet.

Sie prognostizieren Rekordergebnisse und schrecken gleichzeitig nicht davor zurück, weitere massive Einsparungsmaßnahmen zu fordern. Wir haben bereits unseren Teil zur Sanierung des Unternehmens beigetragen! (Ein 15%iger Gehaltsverzicht im Jahr 1994 mit Einschleifregelung, moderateste Gehaltsabschlüsse in den letzten 10 Jahren, das 8%-Sparpaket im Vorjahr).
Wir sind im europäischen Vergleich der Linienflugunternehmen konkurrenzlos günstig bei höchster Produktivität.
Sie wissen es.
Bedenken Sie: Bei dem von Ihnen selbst veröffentlichten Unternehmensplan bringt ein Two-Tier-System nichts. Selbst bei Expansion hätte ein solches System nach 15 Jahren die minimale Auswirkung von 0,3% auf den Ticketpreis.

Rechnen Sie nach: Ein erfahrener Airbus A-320-Flugkapitän in seinem fünfzehnten Jahr bei Austrian Airlines bekommt von jedem seiner Passagiere rund 1€ pro Flug. Gleichviel kostet eine gute Tageszeitung, die jedem Passagier an Bord gratis angeboten wird. Während sich dieser entspannt über das Tagesgeschehen informiert, garantiert der Kapitän gemeinsam mit seiner Crew den Top-Sicherheits-und Qualitätsstandard von Austrian Airlines.

Wir fordern einen Mantelkollektivvertrag, um geordnete Verhältnisse und uneingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten für alle Geschäftsfelder der Austrian Airlines Group zu erreichen und vor weiterer Unterwanderung im Zuge der EU-Osterweiterung geschützt zu sein:
Wo Austrian Airlines draufsteht, muss auch Austrian Airlines drin sein!
Im Interesse der Kunden, des Unternehmens und der Belegschaft.

Das fliegende Personal der Austrian Airlines hat den Betriebsrat Bord mit überwältigender Mehrheit aufgefordert, seine Interessen notfalls mit Kampfmaßnahmen zu wahren. Leben Sie den von Ihnen propagierten "New Spirit" und hören Sie auf, uns zu bedrohen und das Personal aufzuhetzen.

Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und handeln Sie dementsprechend:
Für das Unternehmen, für die Eigentümer und für das Personal! Kurz gesagt: Für die Zukunft von Austrian Airlines.

Für das Fliegende Personal der Austrian Airlines
Der Betriebsrat Bord BRB

ÖGB, 29. Jänner 2003
Nr. 048

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