Neues Buch: Erstaunliche Begriffsgeschichte des Museums

Wien (OTS) - Einem Museum kann man sich heute auf unterschiedliche Art und Weise nähern. Ob als Ausstellungsbesucher, Clubbing-Gast, Zuhörer eines wissenschaftlichen Vortrages oder VIP-Gast einer Produktpräsentation: Die eigentliche Hülle Museum bleibt davon scheinbar unberührt. Es gilt: Ein Museum ist ein Ort, wo diverse wertvolle Sammlungen zu sehen sind. Dieser Unverrückbarkeit nähert sich nun das Duo Melanie Blank und Julia Debelts in ihrem scheinbar naiv daher kommenden Buch "Was ist ein Museum?" subversiv. Mit Hilfe diverser lexikalischer Begriffsbestimmungen zum "Museum" spannen die beiden Kulturwissenschaftlerinnen einen Bogen vom frühen 18. Jahrhundert bis ins ausgehende 20. Jahrhundert und machen klar, dass sich unsere aktuelle Vorstellung vom Museum vorwiegend einer Idee des 19. Jahrhunderts verdankt. Davor verstand man unter diesem Begriff keineswegs nur einen Ort des Sammelns, sondern vor allem eine Adresse des "gelehrten Gespräches". Unter Museum konnte man etwa 1740 ein Kaffeehaus, eine Salon, eine Akademie oder eine Leihbibliothek verstehen. Einen wesentlichen Schritt setzte hierbei die Französische Revolution, die in ihren neuen Museen erstmals massiv das "interessante Objekt" in den Mittepunkt stellte. Später folgten in den lexikalischen Begriffsbestimmungen noch das Publikum, der Bildungsauftrag und zuletzt die Pädagogik, mit derer Hilfe vor allem junge Museumsbesucher adäquat angesprochen werden sollten.

"Was ist ein Museum?" ist so betrachtet eine interessante, kurzweilige Lektüre über die changierenden Auffassungen einer Institution, die aus dem heutigen Kulturleben schlichtweg nicht mehr wegzudenken ist. Ob das Wiener Museumsquartier mit seiner Mixtur an Sammlungen, Kunstgruppen, Flaniermeilen und Restaurants in späterer Zeit einmal als Weiterentwicklung des klassischen Museumsbegriffes aufgefasst wird, bleibt noch abzuwarten.

Melanie Blank, Julia Debelts: "Was ist ein Museum?", Verlag Turia + Kant ( http://www.turia.at/ ) , Wien 2002, 216 Seiten, EUR 18 (Schluss) hch

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