Kimmo Sasi: Finnland Vorreiter im IT- und Telekommunikationssektor

Handelsbeziehungen mit Finnland laufen gut - Exportzuwächse bei elektrischen Maschinen, EDV-Geräten und pharmazeutischen Produkten

Wien (PWK 50) - Im Rahmen seines Österreich-Besuchs referierte der finnische Verkehrs- und Kommunikationsminister Kimmo Sasi gestern (Montag) über die Erfolgsstory Finnlands in der IT- und Telekommunikationsbranche im Club Internationale Wirtschaft der WKÖ. Finnland hat auf diesem Gebiet international eine Vorreiterrolle übernommen. Sasi: "Unser Vorteil ist, dass wir bereits in den 80er Jahren begonnen hatten, den Telekom-Markt zu liberalisieren. Das führte zu niedrigen Preisen, einer großen Anzahl von Nutzern und letztendlich auch zu hoher Qualität." Der staatliche Einfluss auf diesen Sektor wurde auf einen gesetzlichen Rahmen, der Sicherheit und die Basis für die Nutzung der Services bieten sollte, minimiert. Sasi: "Es liegt in erster Linie am privaten Sektor die Entwicklung der IT- und Telekommunikationsbranche voranzutreiben." Ein weiterer Schwerpunkt des finnischen Weges war ein starkes Engagement bei Investitionen in Bildung und Forschung. Diese sind mit 3,6 Prozent des BIP die zweithöchsten weltweit.

Die Entscheidung der Europäischen Union am Gipfel von Lissabon 2000, Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen, ist diesbezüglich ein ambitioniertes aber umso wichtigeres Ziel, das von allen Staaten umgesetzt werden muss, so Sasi. Finnland sei unter den EU-Mitgliedern die Nummer Eins am Weg dorthin. Sasi:
"Mittlerweile machen IT- und Telekommunikationsprodukte auch schon ein Drittel der finnischen Exporte aus." Die rasante Entwicklung dieses Sektors war auch bedingt durch die schwere Rezession, die Finnland zu Beginn der 90er Jahre durchmachte. Damals musste sich die gesamte finnische Wirtschaft umstrukturieren. Zwischen 1991 und 1993, auch bedingt durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, einem der bis dato wichtigsten finnischen Wirtschaftspartner, brach das BIP im zweistelligen Prozentbereich ein.

Heute kann Finnland stolz auf eine der höchsten Vernetzungsraten im Internetbereich weltweit sein. Sasi: "Mittlerweile hängen alle finnischen Schulen am Internet und die Kooperation zwischen IT- und Telekommunikationsunternehmen mit Schulen und Universitäten im Forschungsbereich läuft hervorragend." Schon Ende der 80er Jahre war das Internet fixer Bestandteil der Infrastruktur an den finnischen Universitäten. Heute haben weit über zwei Millionen Finnen einen privaten Zugang zum Internet. "Bei einer Gesamtpopulation von fünf Millionen ein gehöriger Anteil", meint Sasi.

Weiters ist der Anteil an Mobiltelefonen stetig im Steigen begriffen und verdrängt die Festnetztelefone zusehends. Über 80 Prozent der Finnen telefonieren schnurlos und es gibt bereits mehr Mobiltelefonnutzer als Festnetztelefonierer. Sasi: "Ich selbst habe zwei Wohnsitze und in meiner Wohnung in Helsinki habe ich keinen Festnetzanschluss mehr."

Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die kommende österreichische Bundesregierung Finnland zum Vorbild nehmen sollte, um im Bereich von IT- und Telekommunikation nicht nachzuhinken.

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Finnland liefen im vergangenen Jahr durchaus positiv. In den ersten zehn Monaten legten die österreichischen Exporte nach Finnland um 2,4 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 356 Mllionen Euro zu. Die wichtigsten Ausfuhrprodukte waren elektrische Maschinen und Geräte (+23,3 %), chemische Erzeugnisse (+16,1 %) Kraftmaschinen und -ausrüstungen (+34,5 %) sowie Büro- und EDV-Maschinen (+263,7 %).

Die Importe aus Finnland gingen um 9,3 Prozent auf ein Volumen von 604 Millionen Euro zurück und verringerten somit das österreichische Außenhandelsbilanzdefizit ein wenig. "Wobei anzumerken ist, dass der Anteil an finnischen Importen im Bereich von Mobiltelefonen ziemlich genau der Höhe des Defizits entspricht", merkt AWO-Chef Koren an. Finnische Lieferungen in den Sektoren Papier und Mobiltelefone (Nokia) machen insgesamt 54 Prozent aller Exporte nach Österreich aus.

Koren weist darauf hin, dass es für österreichische Unternehmen besonders gute Chancen bei Investitionsgütern gibt - vor allem in den Bereichen Umweltschutz, Bioenergie, Papier, Zellstoff und für die Holzindustrie. Im September 2003 veranstaltet die AWO eine Wirtschaftsmission nach Finnland mit dem Schwerpunkt "Zulieferungen für die Zellstoff-, Papier- und Holzindustrie". (BS)

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