Fleischkontroll-System in Österreich löchrig wie Schweizer Käse

VIER PFOTEN: Rückverfolgen von Rindfleisch verläuft im Sande

Wien (OTS) - Die EU-Generaldirektion für Verbraucherschutz (Sanco) hat wesentliche Mängel im österreichische Fleischkontrollsystem aufgezeigt. Ein Manko, auf das die VIER PFOTEN schon seit Jahren vehement hinweisen.

"Das Kontrollsystem ist löchrig wie Schweizer Käse! Die von den Politikern häufig strapazierte 'Gläserne Produktion' hat deutliche Sprünge - und zwar nicht erst seit gestern! Das Problem taucht aber nicht erst am Schlachthof auf, sondern zieht sich wie roter Faden durch die gesamte Produktionskette. Wenn Produktion und Kontrolle in ein und der selben Hand liegen, bleiben die Fleischqualität und damit letztlich auch der Konsument auf der Strecke!" nennt VIER PFOTEN Nutztierreferent Michael Buchner ein Problem beim Namen.

Der Konsument muss davon ausgehen können, dass drinnen ist was außen draufsteht. Das dem aber nicht so ist, hat die aktuelle Sanco-Studie belegt. Es wurden mehrfach Verwechslungen bei der Etikettierung beanstandet. Vor allem zwischen Schlachthof und Handel tun sich erhebliche Lücken auf. In manchen Einzelbetrieben ist die Rückverfolgbarkeit der Rinder - vor allem auf Grund mangelhafter Registrierungssysteme -beeinträchtigt bzw. gar nicht gegeben!

Ein Grundübel liegt in der Verteilung der Kontrollkompetenzen, die einerseits im Landwirtschafts- andererseits im Sozialministerium liegen. Und nicht zu vergessen: Die neun Bundesländer, deren unterschiedliche Kompetenzen abschließend bei der Fleischbeschau am Schlachthof ins Spiel kommen.

"Viele Köche verderben den Brei. Die Minister Molterer und Haupt spielen sich, wenn etwas schief läuft, immer nur gegenseitig den Ball zu. Nach jedem Fleischskandal versichern uns die Politiker den Ursachen auf den Grund zu gehen und alles unter Kontrolle zu bringen. Aber dabei handelt es sich lediglich um leere Versprechungen. Selbst das Rinder-Kontroll-System, das bisher als am weitesten entwickelt gegolten hat, hat dem Sanco-Testverfahren nicht stand gehalten. Berücksichtig man, dass vergleichbare Kontrollsysteme bei Schwein und Pute noch in den Kinderschuhen stecken, kann ich nur den Rückschluss ziehen, dass um die Fleischkontrolle in Österreich schlecht bestellt ist" analysiert Michael Buchner.

Slogans wie Rückmeldesysteme. Warenfluss, Vorsorgeprinzip und Kennzeichnung werden nur angedacht, liegen aber hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzung nach wie vor in der politischen Warteschleife.

Ein Weg aus der Misere wären strengere Kontrollen der Kontrolleure. Aber die Veterinärbehörden sind nach wie vor dem Agrarressort unterstellt. Es kommt zu massiven Interessenskonflikten. Denn durch den Ausschluss der Produzenten aus der Kontrolle wäre ein strengeres Kontrollsystem gegeben, das wiederum ein unabhängiges, nachvollziehbares Qualitätsmanagement gewährleistet. "Zur Zeit überprüfen sich die Kontrolleure immer noch selbst. Und melden ihre Kontrollbesuche vorab auch noch an. Die Kontrolle an sich wird damit ad absurdum geführt" so die Kritik der VIER PFOTEN.

Aus Sicht der VIER PFOTEN gebührt auch der AMA (Agrarmarkt Austria) der 'Schwarze Peter'. "Die AMA hat bereits im Herbst eine Reform angekündigt. Raus gekommen ist nicht einmal ein Reförmchen. Von wegen 'Was drin ist steht drauf'. Die transparente Information, für die Unsummen Geld in die AMA-Werbung gebuttert wurden, ist bis heute ein frommer Wunsch, wie der Sanco Test eindrucksvoll beweist. Das hohe Werbebudget hat die Produkte um kein Gramm sicherer und den Tierschutz um keinen Deut besser gemacht" macht Michael Buchner seinem Unmut Luft.

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