"Steiermark-Bahn" gefährdet Sicherheit im Bahnverkehr

GdE-Vorsitzender Haberzettl: Arbeitsbedingungen bei Privatbahn führten Montag früh fast zu "Crash" auf der Südbahn

Wien (GdE/ÖGB). Die unzumutbaren Arbeitsbedingungen bei der "Steiermark-Bahn", einem Tochter-Unternehmen der Steiermärkischen Landesbahn, führten Montag früh fast zu einem "Crash": Nach mehr als neun Arbeits- und Fahrstunden überfuhr ein Lokführer der Privatbahn um 4 Uhr früh bei Feldbach in der Steiermark ein Ausfahrsignal und setzte die Fahrt gegen alle Verkehrs- und Sicherheitsregeln
11 Kilometer weit fort. Nur die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt kein Verkehr auf der Bahnstrecke war, verhinderte ein schweres Zugsunglück.++++

Die "Steiermark-Bahn", eine Tochter der Steiermärkischen Landesbahn, die sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes Steiermark befindet, führt derzeit für die Magna-Werke Güterverkehrstransporte durch, bei der KfZ-Teile von Fladnitz nach Wiener Neustadt und weiter nach Bratislava überstellt werden. Für die Transport- bzw. Verschubarbeiten war Sonntag um 18.30 Uhr Dienstbeginn, wobei der Gütertransport der "Steiermark-Bahn" zunächst um 23.37 Uhr in Wr.Neustadt eintraf und nach Verschubarbeiten um 1.30 Uhr zur Rückfahrt nach Fladnitz abfuhr. Um 4 Uhr früh, also in der 10. Arbeits- und Fahrstunde, überfuhr der Triebfahrzeugführer der Privatbahn in Feldbach ein Ausfahrsignal und setzte seine Fahrt 11 Kilometer weit fort. Er passierte dabei auch eine Eisenbahnkreuzung, wo nur durch die Aufmerksamkeit eines Bahnbediensteten, der die Bahnschranken händisch bediente, eine mögliche Kollision mit dem querenden Straßenverkehr verhindert wurde. Der Lokführer der "Steiermark-Bahn" verstieß damit nicht nur gegen die Sicherheitsbestimmungen und Eisenbahn-Verkehrsregeln, sondern war auch bereits in der 10. Arbeits- und Fahrstunde im Einsatz.

Der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, machte in diesem Zusammenhang neuerlich darauf aufmerksam, dass die Lokführer der "Steiermark-Bahn", wie auch der Steiermärkischen Landesbahn (und anderer
Privatbahnen) auf Grund eines eigenen Kollektivvertrags nicht der für die ÖBB geltenden Arbeitszeitregelung unterstehen, wonach ein ÖBB-Lokführer maximal 6 Stunden ohne Pause fahren darf. Dementsprechend sind auch die Dienstpläne gestaltet. Bei der "Steiermark-Bahn" müssen die Lokführer bis zu 15 Stunden fahren -theoretisch unterbrochen von einer halbstündigen Pause, deren Einhaltung auf Grund fehlender Kontroll- und Sanktionsbestimmungen nicht überwacht wird.

"Was muss alles noch passieren, bis der Verkehrsminister aufwacht und endlich jene gesetzlichen Regelungen schafft, die die Gewerkschaft und alle Experten seit Jahren fordern", kritisierte GdE-Vorsitzender Wilhelm Haberzettl. Der Vorfall von Montag früh im Güterverkehr der "Steiermark-Bahn" sei der neuerliche Beweis dafür, dass bereits 47 Tage vor der endgültigen Liberalisierung des Schienengüterverkehrs per 15. März 2003 durch die Versäumnisse des Verkehrsministers grobe Sicherheitsmängel auf der Schiene bestünden. Minister Reichhold sei ja nicht nur säumig bei der gesetzlichen Regelung über einheitliche Lenk- und Ruhezeiten der EisenbahnerInnen, sondern es fehlten darüber hinaus alle Kontroll- und Sanktionsbestimmungen für einen geordneten Verlauf der Bahnliberalisierung. Haberzettl: "Wie das jüngste Beispiel zeigt, gefährden private Bahnunternehmen schon jetzt die Sicherheit im österreichischen Schienenverkehr - dort haben wir Zustände, wie wir sie mit Recht in ganz Europa bei den Fernfahrern auf der Straße bekämpfen."

ÖGB, 27 Jänner 2003 Nr. 040

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