"BOB - Best of Biotech" geht zum zweiten Mal ins Finale - Weiterhin ausgezeichnete Business-Ideen - Hoher Bedarf an Förderung in der Vorgründungsphase

Wien (OTS) - Die Neuauflage des bereits 2001 von Life Science Austria, einem Programm der Innovationsagentur, veranstalteten Wettbewerbes "BOB - Best of Biotech" brachte auch dieses Mal viel versprechende Geschäftsideen aus dem Bereich der medizinischen Biotechnologie hervor. Anstatt den Hauptpreis zu vergeben, zeichnete die Jury drei Business-Konzepte mit je EUR 3.000 aus: Die Wiener Projektgruppe "Vienna Biotech" plant die Entwicklung neuer Therapeutika für Infektionskrankheiten, das Grazer Team der "Eccocell Cardiosafe" befasst sich mit Methoden zur Stammzellenvermehrung und -aufbewahrung, und das "Ugichem"-Team aus Innsbruck entwickelt innovative Behandlungsmethoden gegen verschiedene Krankheitstypen wie HIV oder Hepatitis. Alle drei Teams planen bereits die Gründung von Start-up-Unternehmen. Zusätzlich wurden zwei Sonderpreise von je EUR 1.000 für hervorragende wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet koronarer Herzerkrankungen und für besondere Fortschritte im Bereich E-Health vergeben. Die Jury sprach sich besonders für eine verstärkte Förderung der Vorgründungsphase aus und empfahl ein höheres Augenmerk auf die wirtschaftliche Umsetzbarkeit von Life-Science-Projekten im universitären Bereich zu legen. Hauptsponsor war auch dieses Mal Baxter, die Sonderpreise wurden von Biogen gestiftet.

Anders als beim ersten "BOB", bei dem in drei Phasen aus "Ideen fürs Leben" markttaugliche Businesspläne entwickelt wurden, lag der Schwerpunkt dieses Mal auf der Evaluierung innovativer Business-Ideen, die von Life Science Austria im Anschluss an den Wettbewerb gezielt gefördert und weiterentwickelt werden. Sonja Hammerschmid, Initiatorin von "Best of Biotech", freute sich bei der Abschluss-Gala im Wiener Media Tower über die hohe Beteiligung: "Wir haben beim ersten Wettbewerb viele reife Projekte abgeschöpft, weil es hier einen großen Nachholbedarf gegeben hat. Damals wurden 97 Geschäftsideen eingereicht, daraus konnten 25 Businesspläne entwickelt werden. Es hat zehn Unternehmensgründungen gegeben, vier weitere Teams sind auf dem Weg zur eigenen Biotech-Company. Und nun haben wir nach so kurzer Zeit schon wieder 24 neue Business-Ideen. Das beweist, dass Österreich über eine dynamische Life-Science-Szene verfügt."

Förderung in der Vorgründungsphase verstärken

Johann Jurenitsch, Vizerektor der Universität Wien und Jury-Sprecher, begründete die Entscheidung, statt des vorgesehenen Hauptpreises drei gleich hoch dotierte Auszeichnungen zu vergeben, wie folgt: "Die vorgelegten Projekte waren für die Jury alle wissenschaftlich sehr interessant und viel versprechend. Allerdings entsprach die Darstellung der Möglichkeiten für die wirtschaftliche Nutzung noch nicht den Erwartungen." Biotech-Projekte benötigen aufgrund ihrer Komplexität einen langen Reifeprozess. Die Förderung der Vorgründungsphase und die Schulung des wirtschaftlichen Denkens sei deshalb laut Jurenitsch im universitären Bereich besonders wichtig. "Den Juroren war es ein Anliegen, Forscher mit Mut zum Risiko zu motivieren. Deshalb wurden drei hervorragende Projekte ausgezeichnet und darüber hinaus Sonderpreise vergeben", so Jurenitsch weiter, der die Auszeichnungen vor allem als Ermutigung für die zukünftigen Unternehmer verstanden wissen will.

Ins selbe Horn stieß auch Ulrike Unterer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, die die Auszeichnungen gemeinsam mit Hans-Peter Schwarz von Baxter überreichte. "Der Ausbau der Start-up-Szene ist uns seit langem ein großes Anliegen. Wir haben daher schon im Vorjahr das erfolgreiche Impulsprogramm Biotechnologie der Innovationsagentur ausgeweitet und Life Science Austria (LISA) ins Leben gerufen. Gegenüber dem Vorläuferprogramm wurde das Angebot an Beratung und Ausbildung erweitert und der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten in der Vorgründungsphase verbessert. Mit LISA und BOB wird die Positionierung des Life-Science-Standortes Österreich weiter vorangetrieben", so Unterer. Die Aufwertung des Standortes ist auch Hans-Peter Schwarz ein Anliegen. Er zeigte sich mit der Qualität der eingereichten Konzepte zufrieden: "Die Ergebnisse von BOB geben Anlass zur Hoffnung, dass das Potenzial an marktfähigen Ideen noch lange nicht ausgeschöpft ist und wir mit weiteren Start-ups rechnen können."

Medizinische Biotechnologie an der Spitze

Die drei ausgezeichneten Projekte stammen aus dem Bereich der roten (medizinischen) Biotechnologie, die schon 2001 am stärksten vertreten war.

Die Wiener Projektgruppe "Vienna Biotec - Information driven drug design" um Dr. Uwe von Ahsen plant die Entwicklung neuer Therapeutika für Infektionskrankheiten, wie etwa jener des Atmungstraktes. Hierfür wird eine neue Plattform zur Identifizierung geeigneter Wirkstoffkandidaten eingesetzt. Basis ist die Identifizierung von therapiezugänglichen Antigenen an der Oberfläche von Krankheitserregern. Diese Antigene werden dann in silico (im Computer) mit Wirkstoffkandidaten in Verbindung gebracht, um so passende Wirkstoffe zu identifizieren. Von entscheidendem Vorteil ist die anschließende experimentelle Bestätigung der angenommenen Strukturen mithilfe der Kernspinresonanz-Technologie. In einem weiteren Schritt werden die Wirkstoffkandidaten genauer untersucht, um so neue Medikamente zu entwickeln.

Prof. Karl-Heinz Preisegger aus Graz und das Team der "Eccocell Cardiosafe", geplant als Spin-off-Gründung des jungen Grazer Unternehmens Lifecord, entwickeln Methoden zur Stammzellenzüchtung aus Knochenmark und deren Aufbewahrung. Körpereigene Stammzellen können nach einem Herzinfarkt die Herzfunktion in einem bisher nicht gekannten Ausmaß wiederherstellen. Sie lassen sich sowohl in der Therapie von akuten Herzinfarkten als auch präventiv bei Personen mit hohem Risiko einsetzen. Schwerpunktmäßig befasst sich das Team von Prof. Preisegger mit der Optimierung der Funktionalität von angereicherten Stammzellen sowie der Erforschung der Therapiemöglichkeiten bei Herzinfarkten.

Das "Ugichem"-Team entwickelt innovative Therapeutika gegen Viruserkrankungen wie HIV und andere Infektionskrankheiten. Das ursprünglich aus München stammende Team um Dr. Holger Bock wird sein Start-up-Unternehmen in Innsbruck ansiedeln. Basis der Entwicklungen der "Ugichem" ist eine völlig neue Plattformtechnologie zur chemischen Synthese von so genannten Antisense-Wirkstoffen. Diese Wirkstoffe greifen in den Krankheitsprozess bereits vor der Entstehung von pathogenen Proteinen ein und blockieren die für die Proteinsynthese maßgebliche RNA. Auf Basis dieses Prinzips plant das Team zunächst die Entwicklung von Medikamenten gegen HIV und später gegen andere virale und entzündliche Erkrankungen.

Sonderpreise für zwei weitere Projekte

Die Regionalpreise wurden dieses Mal ausgesetzt, da es aus den Bundesländern zu wenig Einreichungen gegeben hat. Dafür wurden von der Jury Sonderpreise für besonders interessante Projekte vergeben, die im Rahmen der Wettbewerbskriterien nicht berücksichtigt werden konnten.

Dr. Christoph Strehblow und sein Team (Universitätsklinik für Innere Medizin II der Universität Wien - Abteilung für Kardiologie, Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie) entwickeln neue Implantate (intrakoronare Stents) für koronare Herzerkrankungen. Das Besondere ist die Verwendung spezieller Materialien, die spezifische Medikamente freisetzen, um so den Heilungserfolg zu verbessern und langfristig sicherzustellen. Die Jury bedachte das Team mit einem Sonderpreis für hervorragende wissenschaftliche Forschung.

"The Siesta Group" von Prof. Georg Dorffner (Firmensitz am Institut für Hirnforschung der Universität Wien) beschäftigt sich mit der automatisierten Analyse von medizinischen Schlafaufzeichnungen mithilfe eines eigens entwickelten Algorithmus und bietet insbesondere Schlaflabors - neben der Automatisierung der Standardauswertung - neuartige Methoden an. Das Service erstreckt sich aber auch auf die Unterstützung bei der Entwicklung neuer Medikamente und die Untersuchung derartiger Therapeutika in Bezug auf ihre Auswirkungen auf den Schlaf. Im Rahmen klinischer Studien begleitet die "Siesta Group" pharmazeutische Unternehmen mit ihrer Expertise. Die Gruppe erhielt einen Sonderpreis für besondere Fortschritte im Bereich E-Health.

Erfolgreich mit neuem Konzept

In seiner Neuauflage wurde "BOB" von drei Phasen auf eine reduziert: Aus dem Businessplan-Wettbewerb wurde ein Business-Konzept-Wettbewerb. LISA wollte die Workshops der Phase 2 , die zur Ausarbeitung der Businesspläne dienten, auch für nicht teilnehmende Interessenten öffnen. Daher wurde der SeminarCircle ins Leben gerufen, der neben fachspezifischem Grundwissen auch Basics zu Patentanmeldung und Produktion, aber vor allem wirtschaftliches Know-how vermittelt. Geblieben ist die Phase 1, die der Formulierung von Business-Ideen gewidmet ist. Diese Geschäftsideen können von Life Science Austria unter optimaler Ausnutzung der Kapazitäten und der budgetären Mittel sehr gezielt gefördert und weiterentwickelt werden.

In ihrem Resümee zu "Best of Biotech" zeigte sich Sonja Hammerschmid zufrieden mit den Ergebnissen: "Durch diesen Wettbewerb bekommt die Life-Science-Szene immer wieder neue Impulse. Für uns ist wichtig, dass innovative Ideen identifiziert und in Start-ups umgesetzt werden. 24 neue Business-Ideen innerhalb eines Jahres beweisen, dass wir mit BOB als Start-up-Initiative absolut richtig liegen."

Detaillierte Infos zum Wettbewerb und den Preisträgern gibt es unter http://www.bestofbiotech.at sowie unter der BOB-Hotline +43-1-216 52 93-366 und der BOB-Hotmail bob@bestofbiotech.at

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