"Konsument"-Test: Ethikfonds

Meist gute Voraussetzungen für ein verantwortungsvolles Investment. Wirtschaftlicher Erfolg wegen der noch zu kurzen Auflagedauer schwer abschätzbar.

Wien (OTS) - Nachdem das Testmagazin "Konsument" im letzten Jahr
18 Ökofonds unter die Lupe nahm, werden in der aktuellen Ausgabe zehn Ethikfonds und ihre Anlagestrategien bewertet. Die Standards, die sich in den letzten Jahren zum Thema Ethik herausgebildet haben, sind: Verantwortung gegenüber der Umwelt, soziale Verantwortung und Informationsoffenheit. Nur der "Prime Value Mix"-Fonds erreichte im Test die Note "Sehr gut", weitere sechs Fonds erfüllen die gestellten Anforderungen recht gut. Ein Fonds entzieht sich jeder Beurteilung:
Die Fondsgesellschaft des AXA World Funds II - Global Ethical Equities hat trotz mehrerer Versuche nähere Informationen verweigert.

Konkret bewertete "Konsument" die ethische Ambitioniertheit nach sieben Kriterien, die zeigen, ob das Fondsmanagement ethisch kontroverse Geschäftsbereiche und Verhaltensweisen der Unternehmen genügend berücksichtigt. In Österreich herrscht weitgehend Konsens darüber, welche Kriterien und Geschäftsfelder ethisch kontrovers sind. Diese "Ausschlusskriterien", bei deren Vorliegen von einem Investment im jeweiligen Unternehmen Abstand genommen werden sollte, sind: Atomenergie, Rüstungsgüter, Missachtung von Menschenrechten, Gentechnik in der Landwirtschaft, Beitrag zum Klimawandel, Erzeugung langlebiger organischer Schadstoffe und Embryonenforschung.

Nur der Fonds "Prime Value Mix" von der Kapitalanlagegesellschaft Gutmann berücksichtigt alle Kriterien. Ein wichtiger Punkt bei der Beurteilung war auch die Klarheit der Abgrenzung der einzelnen Kriterien. Bei den Fonds "Espa Stock Ethik" und "Invesco Fair Invest Balance" beanstandet "Konsument" diesbezüglich mangelnde Trennschärfe. Wenig erfreulich ist auch, dass in puncto Ausschließungsgrad in vielen Fällen ein Auge zugedrückt wird:
Unternehmen werden erst ausgeschlossen, wenn mehr als fünf oder sogar zehn Prozent des Umsatzes in "schmutzigen" Geschäftsbereichen getätigt werden. Nur die Fonds von Raiffeisen und s-Ethik Aktien der Sparkasse Oberösterreich lassen keinerlei Ausnahmen zu. Die Kontrolle der Unternehmensauswahl scheint ebenso wie die Überprüfung der Einhaltung der ethischen Grundsätze bei den meisten Fonds gewährleistet zu sein. Die Informationspolitik ist bei ethischen Fonds ähnlich wie bei herkömmlichen. Die Berichterstattung der Kapitalanlagegesellschaften beschränkt sich zumeist auf das Nötigste.

Da die meisten Ethikfonds erst vor kurzem aufgelegt wurden, lässt sich über den wirtschaftlichen Erfolg noch nicht viel sagen. Beim Renditevergleich schneiden "Prime Value Mix" (Fondsbeginn 1995) und "Superior 3" (Fondsbeginn 1991) am besten ab. Der Gesamtertrag in fünf Jahren beläuft sich beim ersten Fonds auf 28,61 und bei letzterem auf 21,45 Prozent. Der Rest der Fonds ist noch zu jung, um langfristige Ertragsergebnisse zu präsentieren. Wie bei jedem Aktien-oder Anleihenfonds gilt auch hier: ausführlich informieren und nur einen Teil des Vermögens investieren. Als kurzfristige Geldanlage sind diese Fonds nicht geeignet.

"Konsument" legt Wert darauf, dass mit dem Ethikfonds-Test keinerlei Aussagen über die einzelnen Unternehmen, die in die Fonds investieren, gemacht werden. Es wurde ausschließlich die Anlagepolitik der Fonds bewertet, die Aufschluß über Voraussetzungen gibt, ob ein Fonds ethisch einwandfreie Investitionen tätigt. Insgesamt ergibt sich in der Bewertung der Ethikfonds ein homogeneres Bild als bei den Ökofonds. Ausschlaggebend dafür ist die einheitlichere Anlagestrategie der ethischen Fonds.

Detaillierte Ergebnisse zu Anlagestrategien, Ambitioniertheit, Kontrolle und Informationspolitik der zehn Ethikfonds präsentiert die Februar-Ausgabe von "Konsument".

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