"Kleine Zeitung" Kommentar: "Versuchung" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 22.01.2003

Graz (OTS) - Ein schwarzer Tag für Österreich gestern in Brüssel:
Zunächst haben die EU-Parlamentarier im Verkehrsausschuss mit überwältigender Mehrheit kund getan, dass sie den Transitvertrag für einen Fetzen Papier halten. Dann kämpfte der Finanzminister ein Rückzugsgefecht bei der Zinsensteuer.

Zwar trifft es vorderhand nur die Ausländer, die ihr Kapital bei uns praktisch steuerfrei geparkt haben. Der Stempel im Sparbuch "Devisenausländer" sicherte bisher die Verschonung von der Kapitalertragssteuer.

Vor allem für die deutschen Nachbarn eine feine Sache und auch ein gutes Geschäft für die österreichischen Banken.

Das Paradies wird in Etappen geschlossen. Österreich und Luxemburg mussten sich dem Druck der EU-Partner beugen und einer Besteuerung der Zinserträge von Ausländern zustimmen.

Wenn sich Karl-Heinz Grasser brüstet, dafür habe er das Bankgeheimnis verteidigt, ist das nur die halbe Wahrheit. Die andere Seite der Medaille ist, dass ab 2010 die Kapitalertragssteuer EU-weit 35 Prozent betragen wird. Angeblich nur für Ausländer. Die Versuchung für den Fiskus, sie auch für Inländer von 25 auf 35 Prozent zu erhöhen, wird aber übermächtig sein. ****

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