"Neues Volksblatt" Kommentar: "Ängste" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 22. Jänner 2003

Wien (OTS) - =

Jüngste Umfragen bestätigen einer großen,
schwarz-roten Koalition breiten Zuspruch in der Bevölkerung. Unter SPÖ-Anhängern ist der Grad der Zustimmung sogar am höchsten. Warum tut sich die Parteiführung dann so schwer, endlich Ja zu Regierungsverhandlungen zu sagen? Ist es die Angst vor der Verantwortung? Die Angst vor dem Verhandlungsgeschick eines Wolfgang Schüssel? Die Angst, bei einem Scheitern der Verhandlungen den Schwarzen Peter auszufassen? Das alles mag mitspielen, ist aber letztlich nur ein Hinweis, wie sehr das Selbstbewusstsein der SPÖ angeschlagen ist. Die Enttäuschung, nach drei Jahren Opposition beim Sprung ins Kanzleramt so klar zu scheitern, sitzt tief. Nicht der politische Gegner ist daher das größte Problem der SPÖ, sondern ihre eigene Befindlichkeit. Natürlich ist der Ausgang von Verhandlungen offen und ein Scheitern nicht auszuschließen mit allen möglichen Konsequenzen für die SPÖ bis hin zu einer Obmanndiskussion. Nur sollte eine politische Partei dieser Größenordnung auch einmal in der Lage sein, selbstbewusst ein Risiko einzugehen und ein Ziel konsequent zu verfolgen, statt immer nur sorgenvoll auf den eigenen Nabel zu schauen. Vor lauter Befindlichkeit eine Chance nicht zu nutzen, wäre ein Zeichen der Schwäche.

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