Neues Buch: Über das wilde Leben freier Wissenschaftlerinnen

Wien (OTS) - Jenseits der Statistik, fern von Arbeitsmarktanalysen und aufmunternd-eintönigen "Wie finde ich meinen Traumjob"-Artikeln stellt sich dieses schmale Buch ein: Wissenschaftlerinnen aus ganz Österreich, 18 an der Zahl, berichten in autobiographischen Texten über ihren Werdegang bzw. darüber, wie es denn so ist, als freie Wissenschaftler in der Marktwirtschaft zu leben. Die (leider) anonymisierten Beiträge sind so schillernd, wie auch die gewählten Studien: Da gibt es die WU-Absolventin, die Frau Magister jus. ebenso, wie Absolventinnen diverser Umweltstudien. Natürlich, auch Sozial-, Kultur-, und Geisteswissenschaftlerinnen fehlen in diesem lesenwerten Band nicht, die satte Mehrheit machen sie aber ebenso wenig aus, wie sie das Klischee des "brotlosen" Studiums bestätigen wollen. Begibt man sich auf die Suche nach einem gemeinsamen Nenner, geht man fehl: Zu unterschiedlich, zu zufällig entwickelten sich die jeweiligen Werdegänge, deren Anfänge in großbäuerlichen Milieus ebenso zu finden sind, wie im (Klein)Bürgerlichen oder im Arbeitermilieu. Einzig die Schwierigkeiten nach Ende des Studiums, das sich mühselige Abarbeiten an ersten größeren Wissenschaftsprojekten, gepaart mit so manch bitterer Erfahrung, kommt in diesen auch stilistisch durchwegs individuell verfassten Rückblicken immer wieder vor. Ebenso wie die Erfahrung, dass das wissenschaftliche Milieu hierzulande noch weit von kollegialen angelsächsischen Gepflogenheiten entfernt ist: Der Herr Universitätsprofessor gilt zuerst nahezu immer als unhinterfragbare Respektsperson, deren Eigenwilligkeit die jungen Wissenschaftlerinnen erst im Laufe der Zeit zu lüften imstande gewesen sind. Wie gesagt, die Texte taugen nicht zur Werbebroschüre, die Lust macht, auf ein freies Leben als Wissenschaftlerin. Dafür sind sie zu reflektiert, fallen die Rückblicke zu gebrochen aus. Es ist nicht leicht, auf freiem Felde, jenseits oder nur peripher verbunden mit Universitätsinstituten beruflich zu bestehen, gänzlich ausgeredet wird diese berufliche Lebensführung von keinem einzigen Text. Einzig, dass sie eher einem "wilden", als einem wirklich "freien" Leben das Wort reden.

Annemarie Schweighofer-Brauer, Gabriela Schroffenegger, Andrea Gnaiger, Eva Fleischer (Hg.), "Eigentlich lief alles nach Plan, bis..." Biographische Texte zu freien Wissenschaftlerinnen in Österreich, Studienverlag (www.studienverlag.at) 2002, EUR 24. (Schluss) hch

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