Lebensversicherung treibt Tischler in den finanziellen Ruin!

AKNÖ-Konsumentenschützer warnen vor Angeboten, die hohe Gewinne versprechen.

Wien (AKNÖ) - Das Geschäft mit der privaten Pensionsvorsorge boomt. Vermögensberater und private Finanzdienstleister bieten mehr denn je ihre gewinnbringenden Produkte an. Die Folge: In der Konsumentenschutzabteilung der Niederösterreichischen Arbeiterkammer (AKNÖ) laufen die Telefone heiß. Gefragt wird zum Beispiel nach verschiedenen Produkten oder ob der Finanzberater seriös ist.

65 Prozent der ÖsterreicherInnen gehen davon aus, dass sie zusätzlich zur staatlichen Pension eine private Vorsorge treffen müssen. So auch ein 56 jähriger Tischler, der sich in seiner Not an die AKNÖ-Konsumentenschützer wandte. Er wurde von dem Vermögens- und Betriebsberater, Mag. Johannes Steiner, einem langjährigen "Bekannten" der Konsumentenschützer nicht zu seinem Vorteilberaten. Was war passiert?

14.500 Schilling für Lebensversicherung bei 15.000 Schilling Verdienst Der betroffene Konsument, Vater von Kindern verdiente Anfang der 90er Jahre durchschnittlich rund 15.000 Schilling netto. Von dem Vermögensberater wurden ihm verschiedene, fremdfinanzierte langfristige Lebensversicherungen mit einer monatlichen Prämie von ca. 14.500 Schilling aufgeschwatzt. Gleichzeitig wurden dem Tischler auch entsprechende Privatkredite vermittelt. Darauf eingelassen hatte sich der Mann, weil ihm Vermögensberater Steiner erklärt hatte, dass nur die Zinsen, nicht aber das Kapital zu bezahlen wäre. Schon nach 2 Jahren war dieses "einzigartige" System für den Tischler nicht mehr finanzierbar. Die Versicherungsverträge wurden "prämienfrei" gestellt, was einen hohen Vermögensnachteil zur Folge hatte. Dazu Mag. Manfred Neubauer, AKNÖ-Finanzexperte: "Unsere Berechnungen haben ergeben, dass jedes Sparbuch mit einer mehrjährigen Bindefrist die gleiche Rendite erbringt. Für uns ergibt sich der Verdacht, dass bei diesem "einzigartigen" Vermögenssystem nicht der Anleger, sondern ausschließlich Mag. Steiner verdiente!"

Vergleich ohne Angaben von Gründen zurückgezogen Der Tischler wandte sich an einen Anwalt, der in seinem Auftrag intervenierte. Ein durchaus schwieriges und langwieriges Unterfangen wie sich herausstellen sollte. Denn nach Meinung des Vermögensberaters gäbe es zahlreiche zufriedene Kunden. Schließlich wurden die AK-Experten mit der Angelegenheit betraut. Endlich konnte mit der Versicherung, deren Produkte Herr Mag, Steiner vertrieb, ein Vergleich erreicht werden. Der 56 jährige Tischler war erleichtert. Doch die Erleichterung war nur von kurzer Dauer: Zwei Tage später zog die Versicherung den vereinbarten Vergleich ohne Angaben von Gründen zurück! "Das ist ein Skandal, der seinesgleichen sucht", ist Günther La Garde, der Leiter der AKNÖ-Konsumentenberatung, empört. La Garde weiter: "Bei der Versicherung handelt es sich um ein großes österreichisches Unternehmen. Was mich am meisten erschüttert, ist erstens die Tatsache, dass hier mit menschlichen Schicksalen gespielt wird und zweitens der Umstand, dass ein Vergleich - auch wenn mündlich ausgesprochen - anscheinend nichts mehr wert ist."

Die AKNÖ-Experten befürchten, dass auf Grund der geschickten Werbetätigkeit des Vermögensberaters viele Verbraucher in finanzielle Probleme geraten sind. Die Konsumentenschützer warnen davor, leichtgläubig auf die Versprechungen von diversen Finanzberatern zu vertrauen. Sollte es Unsicherheiten geben, dann stehen die Spezialisten der NÖ Arbeiterkammer mit Rat und Tat zur Verfügung.

Wichtige Tipps Wie Sie einen schlechten oder gar unseriösen Berater erkennen? Die AKNÖ-Konsumentenschützer haben einige Hinweise für Sie zusammengestellt:

· Ruft Sie jemand unaufgefordert an, um Ihnen ein Geschäft anzubieten?
Gehen Sie auf keinen Fall darauf ein. Solche Anrufe sind verboten. Seriöse Anbieter rufen nicht unaufgefordert an.

· Werden ungewöhnlich hohe Renditen versprochen?
Weit über dem Marktüblichen liegende Renditeversprechen weisen auf unseriöse Angebote hin. Je höher die versprochene Rendite, desto höher das Risiko, dass Sie Geld verlieren. Welche Renditen marktüblich sind, können Sie der Tageszeitung entnehmen.

· Lockt der Anbieter mit einem exklusiven Geschäft?
Dies ist häufig nur ein billiger Trick. Gehen Sie darauf nicht ein.

· Hat der Anbieter Schwierigkeiten, seine Produkte zu erklären? Kaufen Sie nie die Katze im Sack. Erst informieren, dann entscheiden.

· Werden Sie unter Zeitdruck gesetzt?
Lassen Sie sich nie drängen. Seriöse Angebote gelten nicht nur heute, sondern auch morgen. Auch hier gilt: Erst informieren, dann entscheiden.

· Sollen Sie Geld ins Ausland überweisen?
Seien Sie besonders vorsichtig. Schon viele Anleger haben bei diesen Transaktionen ihr Geld verloren.

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