NÖ Ärztekammer: Schließung kleiner Spitäler gefährdet Versorgungsstruktur

Aussagen Gleitsmanns eine "gefährliche Drohung" an die Patienten

Wien (OTS) - "Jemandem, der täglich die Vorzüge einer Großstadtstruktur in Anspruch nimmt, mag die Schließung von kleinen Spitälern ja leicht über die Lippen gehen. Für die Landbevölkerung mutet dies jedoch wie eine gefährliche Drohung und ein Anschlag auf ihre Gesundheitsversorgung an." so die heftige Kritik des Vizepräsidenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Harald Schlögel, Spitalsarzt im Krankenhaus St. Pölten.

Schlögel sieht in den Aussagen Gleitsmanns kleine Spitäler zu schließen das Endergebnis einer jahrelangen Spitalsdiskussion, die sich lediglich um ökonomische Bereiche gedreht hat, die medizinische Versorgungskomponente und den menschlichen Faktor jedoch außer Acht gelassen hat. "Wer glaubt, das Gesundheitswesen vorwiegend aus ökonomischer Sicht gestalten zu müssen, wird die Verantwortung dafür zu tragen haben, dass sich die Qualität in der Versorgung der Patienten verschlechtert. Die Aussagen Gleitsmanns beweisen einmal mehr, weshalb es durchaus sinnvoll erscheint, dass der Hauptverband der Sozialversicherungen sich vorwiegend um die Agenden des niedergelassenen Bereiches zu kümmern hat und jene der stationären Versorgung Berufeneren überlässt." so Schlögel weiter.

Auch der Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, der Tullner Chirurg Prim. Dr. Franz Stöger, hält die Aussagen Gleitsmanns für überzogen: "Wenn jemand in der Position des Hauptverbandspräsidenten behauptet, dass kleine Krankenhäuser bis zu einem gewissen Grad lebensgefährlich sind, so scheint mir diese Aussage mehr als bedenklich." Stöger vermutet, dass den Aussagen Gleitsmanns wenig fundiertes Basiswissen über die Aufgaben kleiner Spitäler in unserem Gesundheitswesen zu Grunde liegen muss. "Ich halte diese Aussagen für einen Affront gegen tausende Ärzte und Pflegebedienstete, die tagtäglich viele, viele Menschen medizinisch versorgen und tagtäglich auch Menschenleben retten. Darüber hinaus ist die Qualität in der medizinischen Versorgung durch Rasterzeugnisse und freiwillige (Fach)Arztprüfungen wohl besser kontrolliert als jene der meisten Berufszweige der westlichen Welt. Eine durchschnittlich beinahe zehnjährige Ausbildungszeit und die Verpflichtung zur permanenten Fortbildung sind Grundlagen, die jeder Arzt, egal ob er im kleinsten Spital oder an der Universitätsklinik tätig ist, zu erfüllen hat. Derartige Aussagen verunsichern die Patienten und Schaden dem Gesundheitswesen unzweifelhaft weit mehr, als sie ihm nützen." so Stöger abschließend.

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