"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Jung und krank" (von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 16.01.2003

Schwarzach (OTS) - Bundesbeamte sind länger krank als "normale" Angestellte, sie gehen öfter auf Kur und recht häufig krankheitshalber in Pension. Der Zusammenhang ist kein Zufall:
Weitblickende Personalvertreter raten ja den Staatsdienern schon seit Jahren, schon ab 40 möglichst oft Kuraufenthalte in Anspruch zu nehmen: Andernfalls könnten sie später beim Wunsch nach krankheitsbedingter Frühpensionierung in Argumentationsnotstand geraten.

Damit nicht genug, bietet Regierung ihren Mitarbeitern die "Chance 55": Mit vier Fünfteln des Gehalts schon im Alter von knackigen 55 Jahren spazieren zu gehen - das ist eine Gelegenheit, von der andere Berufsgruppen nur träumen können.

Betriebswirtschaftlich ist es eine richtige Entscheidung, Beamte auch offiziell in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen, wenn es für sie keine vernünftige Beschäftigung gibt. Volkswirtschaftlich ist es falsch, und politisch ist es vollends eine Schnapsidee.

Die Regierung verliert jede Glaubwürdigkeit, wenn sie jetzt -völlig zu Recht! - das tatsächliche Pensionsantrittsalter dem gesetzlichen angleichen will. Wer die Gleichbehandlung von Beamten und ASVGlern bei Pensionen und im Gesundheitsbereich auf die Fahnen schreibt, muss mit gutem Beispiel vorangehen statt den eigenen Mitarbeitern zu tausenden unverständliche Privilegien einzuräumen.

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