VP-Strobl: Für Reformen im Pensionssystem, aber gegen Sündenbockmentalität

Wien (ÖAAB Wien): "Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich", betonte ÖAAB-Klubobmann-Stellvertreter Prof. Walter Strobl zum Thema "Öffentlicher Dienst und Pensionsreform." Strobl drängt auf eine Versachlichung der Diskussion zur Pensionsreform. "Mit einseitigen und teilweise vollkommen falschen Interpretationen von Statistiken sollen offenbar Neidkomplexe gegenüber dem öffentlich Bediensteten geweckt werden."****

"Man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen", betonte Strobl. "Das Pensionssystem der öffentlich Bediensteten funktioniert eben anders als das der ASVG." Während das Pensionssystem der Beamten ein reines Umlageverfahren ist und alle Pensionsbeiträge, die vom Arbeitgeber Bund oder Länder und Gemeinden eingehoben werden, sofort und damit unverzinst wieder ausgegeben werden, weil sie nicht veranlagt sind, funktioniert das bei der ASVG eben anders. "Würde man die Pensionsbeiträge der Beamten ordentlich verzinsen, wäre natürlich auch hier ein viel höherer Deckungsgrad möglich," erläutert Strobl.

Vergleiche der beiden Pensionssysteme sind nur ganzheitlich sinnvoll!

Zudem gebe es noch weitere gravierende Unterschiede der Pensionssysteme. "Beamte erhalten keine Abfertigung, ASVG-Pensionisten hingegen schon!" betonte Strobl. Auch hinsichtlich der Akademikerquote gebe es Unterschiede. Fast 70% der österreichischen Akademiker finden sich im öffentlichen Dienst. Daher gebe es, so wie in allen Branchen ebenfalls, höhere Einkommen und in Folge höhere Pensionen. "Es geht um den Vergleich von Lebensverdienstsummen und um den zukünftigen Ausbau zu einem modernen Dreisäulenmodell für die Altersversorgung und um eine zukünftige, vorsichtige Zusammenführung und Vereinheitlichung der derzeit sehr unterschiedlichen Pensionssysteme", hob Strobl hervor.

Strobl bekräftigte seine Befürwortung der Pensionsreform. Auch könne er sich sehr gut ein einheitliches System vorstellen, doch eine derartige Änderung des Systems kann nur auf sachlicher Diskussionsebene erfolgen und muss alle Faktoren und Unterschiede berücksichtigen. "Ich lehne es ab, einen ganzen Berufsstand durch falsche Behauptungen quasi an den öffentlichen Pranger zu stellen und nach der alten und beliebten Methode, einfach auf Beamte hinzudreschen, vorzugehen", kritisierte Strobl.

Wenn einzelne Politiker den Abbau von 30.000 Bediensteten im öffentlichen Dienst fordern, dann sollen sie auch gleich dazu sagen, wo sie die zusätzlichen Arbeitsplätze hernehmen", zeigte sich Strobl verwundert. Abschließend warnte Strobl vor einer einseitigen und kurzsichtigen Diskussion im Vorfeld von Koalitionsgesprächen und forderte sowohl von Politikern und den teilweise selbsternannten Experten mehr Zurückhaltung und vor allem mehr Sachlichkeit.(Schluss)

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