OeNB - Die österreichische Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2002

Wien (OTS) - - Deutliche Verbesserung der österreichischen Leistungsbilanz vor dem Hintergrund des konjunkturell ungünstigen Umfeldes

- Weiterhin lebhafte österreichische Direktinvestitions-tätigkeit im Ausland; ausländische Direktinvestitionen in Österreich geringer

- Aktiv- und passivseitig höhere Wertpapiertransaktionen

Die Leistungsbilanz Österreichs auf Transaktionsbasis verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2002 ein Defizit von
0,8 Mrd. Euro gegenüber einem Defizit in Höhe von 3,6 Mrd. Euro
im Vergleichszeitraum 2001. Ausschlaggebend für diese
Entwicklung war der auf nahezu 2 Mrd. Euro angewachsene
Überschuss der Güter- und Dienstleistungs-bilanz einerseits
sowie die deutliche Verringerung des Defizits der
Einkommensbilanz andererseits.

Der Saldo der Güterbilanz, der im Vergleichszeitraum noch ein Passivum in der Höhe von 1,6 Mrd. Euro aufwies, drehte in den ersten drei Quartalen 2002 in einen Überschuss von
2,7 Mrd. Euro. Eine anhaltend schwache Binnennachfrage führte zu einem nominellen Rückgang der Güterimporte um rund 3,5 %. Die Exporte konnten hingegen trotz des konjunkturell ungünstigen Umfeldes um (nominell) rund 4 % gesteigert werden.

Der Reiseverkehr als bedeutendste Komponente der
Dienstleistungen wies mit 1,4 Mrd. Euro einen nahezu gleich
hohen Saldo wie im Vergleichszeitraum 2001 auf. Die von der Statistik ausgewiesenen Reiseverkehrsausgaben stiegen um rund
9 %, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass infolge einer statistischen Erfassungsänderung erst wieder für das Jahresergebnis mit geeigneten Vergleichswerten zu rechnen ist.
Die Zunahme der Reiseverkehrseinnahmen um 7 % auf 9,7 Mrd. Euro entspricht den tatsächlichen Gegebenheiten.

Eine Verbesserung konnte im Bereich der Einkommensbilanz
erzielt werden. Das Defizit des Vergleichszeitraumes verringerte sich um 1,2 Mrd. Euro auf - 1,4 Mrd. Euro. Diese Entwicklung ist überwiegend mit Einkommenszuwächsen aus dem kurzfristigen Kapitalverkehr zu erklären. Der negative Saldo der Einkommen aus Direktinvestitionen sowie aus Portfolioinvestitionen stagnierte
mit - 1,2 Mrd. Euro bzw. - 2,4 Mrd. Euro annähernd auf dem
Niveau der ersten drei Quartale 2001.

Die Bilanz der laufenden Transfers wies mit 1,3 Mrd. Euro ein
um 0,3 Mrd. Euro höheres Defizit aus als in den ersten drei Quartalen des Jahres 2001.

Die Bilanz der Vermögensübertragungen verzeichnete so wie im Vergleichszeitraum 2001 ein relativ geringes Defizit.

Im Bereich der Kapitalbilanz war in den ersten drei Quartalen 2002 gegenüber dem Ergebnis der Vergleichsperiode eine Drehung
von einem positiven in einen negativen Saldo festzustellen, der durch Kapitalabflüsse aus Direktinvestitionen, Portfolio-investitionen und Finanzderivaten sowie durch Kapitalzuflüsse
aus Sonstigen Investitionen verursacht wurde.

Österreichische Direktinvestoren tätigten in den ersten drei Quartalen 2002 mit netto 4,8 Mrd. Euro um 2 Mrd. Euro mehr -entgegen dem internationalen Trend - Direktinvestitionen im
Ausland als im Vergleichszeitraum des Jahres 2001. Rückläufig waren hingegen die ausländischen Direktinvestitionen in Österreich. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Jahres
2001 (rund 5 Mrd. Euro) betrug das Investitionsvolumen im Berichtszeitraum netto nur 1,2 Mrd. Euro. Damit verstärkte sich
die bereits im ersten Halbjahr 2002 feststellbare Abschwächung
der Investitionen von Ausländern in Österreich.

Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Portfolio-investitionen im Vergleich zum Jahr 2001 sowohl auf der Aktiv-
als auch auf der Passivseite. Der Erwerb von ausländischen Wertpapieren durch Inländer verdoppelte sich im Berichtszeitraum auf 22,4 Mrd. Euro. Hierbei betrug die Veranlagung in
ausländische Anteilspapiere 3,7 Mrd. Euro. Ausländische Rentenwerte wurden von inländischen Investoren im Ausmaß von
18,7 Mrd. Euro erworben (1.-3. Quartal 2001: 11,9 Mrd. Euro).
Beim Erwerb österreichischer Wertpapiere durch Ausländer war ein Zuwachs um 58 % auf 18,8 Mrd. Euro feststellbar (2001:
11,9 Mrd. Euro). Bemerkenswert ist, dass in den ersten neun
Monaten des Jahres 2002 inländische Anteilspapiere in der Höhe
von netto 1,7 Mrd. Euro durch ausländische Anleger gekauft
wurden. Im Vergleichszeitraum hatten ausländische Anleger österreichische Anteilspapiere in Höhe von 4,3 Mrd. Euro abgegeben.

Im Bereich der Sonstige Investitionen, der insbesondere
Kredite sowie Sicht- und Termineinlagen enthält, waren im Berichtszeitraum Kapitalzuflüsse in Höhe von 3,9 Mrd. Euro gegenüber Kapitalabflüssen von 1,5 Mrd. Euro im
Vergleichszeitraum 2001 festzustellen.

Eine ausführliche Beschreibung der Entwicklung der österreichischen Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen
2002 wird ab Mitte Februar auf der Homepage der
Oesterreichischen Nationalbank unter www2.oenb.at/zabil/sonstdat_p.htm und in der Folge in "Berichte
und Studien 1/2003" zur Verfügung stehen.

LEISTUNGSBILANZ ............. 95,5 99,0 -3,6 97,7 98,5 -0,8

1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

Weitere statistische Informationen unter
www.dieaktuellezahl.oenb.at

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