Strukturpläne: Instrument für noch mehr BürgerInnenbeteiligung

EUROGATE rückt Realisierung einen gewaltigen Schritt näher -"mehrwert simmering" als Modell für Public Private Partnership

Wien (OTS) - Die Stadt Wien wächst weiter, allerdings nicht ins Umland, sondern - wie auch im Regierungsprogramm "100 Projekte für Wien" als Zielvorstellung enthalten - im innerstädtischen Gebiet. Wie bereits im Herbst angekündigt, liegen nunmehr die Grundlagen für die weitere Entwicklung zweier wesentlicher Projekte im Stadtentwicklungsgebiet "mais wien" rund um die Gasometer zur Beschlussfassung vor: Mit strategischen städtebaulichen Leitbildern für die Aspanggründe bzw. das südliche Gasometervorfeld werden die Rahmenbedingungen für die weitere Bebauung dieser Gebiete festgelegt. "Die Strukturpläne schaffen einen Rahmen für die künftige Entwicklung der Aspanggründe bzw. das Gasometervorfeld in geordneten Phasen. Unter Einbeziehung der ansässigen Bevölkerung wird damit ein Planungs- und Diskussionsprozess gestartet, um für die neu entstehenden Stadtteile eine Identität zu entwickeln. Durch Beschlussfassung im kommenden Gemeinderat soll so die zukünftige Entwicklung dieser Stadtentwicklungsgebiete auf Schiene gestellt werden", betonte Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker am Dienstag im Mediengespräch des Bürgermeisters.****

Vor allem für eine noch stärkere BürgerInnenbeteiligung sei die Erarbeitung von Strukturplänen ein besonders geeignetes Instrument, da dadurch nur Rahmenpläne vorgegeben würden, in die konkrete Detailplanung letztendlich die AnrainerInnen noch intensiver als bisher einbezogen werden können, unterstrich Schicker.

Bei der Umsetzung ist zudem den Prinzipen und Grundsätzen des "Public Private Partnership" Rechnung zu tragen. Vor allem für das südliche Gasometervorfeld soll durch ein spezielles PPP-Modell neben dem architektonischen "Mehrwert" für dieses Gebiet auch ein wirtschaftlicher "Mehrwert" erzielt werden, der sowohl der öffentlichen Hand als auch dem privaten Sektor und der Erhaltung der stadträumlichen Qualität zugute kommt. Jeder Investor leistet einen Beitrag von 145 Euro/m2 als Schenkung an die Stadt Wien, der zweckgewidmet für infrastrukturelle Maßnahmen und Einrichtungen eingesetzt wird. Dadurch ist auch eine Gleichbehandlung aller Investoren gewährleistet.

"EUROGATE" - Realisierung in mehreren Entwicklungsschritten

Die Aspanggründe in der Landstraße werden auf Basis der Entwürfe des international renommierten Stararchitekten Lord Norman Foster neu bebaut. 1999 wurde seitens der Arbeitsgemeinschaft EUROGATE unter Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem 3. Bezirk und den Fachdienststellen des Magistrats der Architekt Foster (Foster&Partners) mit der Erstellung eines Masterplanungsentwurfs beauftragt. Seit der Beauftragung von Arch. Foster haben sich jedoch die Rahmenbedingungen in einigen wesentlichen Punkten - vor allem auf dem Verkehrssektor - verändert. Aus diesem Grund wurde der Masterplanungsentwurf von Foster in aktualisierter und adaptierter Form von der MA 21A als Strukturplan Aspanggründe erstellt.

Der Strukturplan Aspanggründe gibt die wesentlichsten Gestaltungselemente und Flächennutzungen sowie den Rahmen für die Umsetzung in einzelnen Entwicklungsphasen vor. Geplanter Zeithorizont ist 2016. Für einen ersten Entwicklungsschritt (Phase 1a) wird eine Konkretisierung der städtebaulichen Planung im Ausmaß von 98.000m² Geschossfläche im unmittelbaren Einzugsbereich der zukünftigen S7-Station St. Marx empfohlen.

Je nach dem künftigen Ausbaustand der öffentlichen Verkehrsmittel sind insgesamt 350.000 bis maximal 450.000m² Geschossfläche vorgesehen, von denen rund 70% für Wohnen genutzt werden sollen. In der Endausbauphase werden somit 1.600 bis 2.000 Wohnungen für rund 5.000 EinwohnerInnen sowie bis zu 8.300 Arbeitsplätze geschaffen.

Besonderheiten dieses neuen Stadtteils sind neben der selbstverständlichen Errichtung der sozialen (Schulen und Kindergärten) und der technischen Infrastruktur (Straßen, Kanäle, Versorgungsleitungen), auch zwei Schnellbahnstationen, eine davon St.Marx-Ziakplatz an der Flughafenschnellbahn S7 sowie optional eine an der Schnellbahnstammstrecke/Landstraßer Gürtel. Zudem ist auch eine mögliche Verlängerung der U2 vom Karlsplatz zum Areal des künftigen Zentralbahnhofes eingeplant.

Auch die Grünausstattung kommt nicht zu kurz: ein Grünkeil mit der charakteristischen Wasserfläche nimmt 20% der Fläche ein und wird das Bild des neuen Stadtteils bestimmen. Die Grünraumvernetzung zum Umfeld der Aspanggründe ist gewährleistet.

Die Verkehrserschließung ist so ausgelegt, dass sie zu keinen negativen Effekten im Umfeld führt. Dabei wurde dem öffentlichen Verkehr sowie der primär fußläufigen inneren Erschließung Priorität eingeräumt.

Eine wesentliche Verkehrsmaßnahme stellt die Neugestaltung und Niveaufreimachung der Abfahrt der A 23 auf den Gürtel (Wildgansplatz) dar. Diese soll künftig bis zur Höhe der Fa. Lutz unterirdisch geführt werden. Dadurch werden nicht nur die Verkehrsströme am oberirdischen Kreuzungsplateau entflochten, sondern auch die Straßenbahnlinie 18 von den Autos "befreit" und somit beschleunigt. Zusätzlich wird es dann auch möglich sein, von der Schlachthausgasse links auf die A 23 abzubiegen. Neue, verbesserte Ampelschaltungen werden zusätzlich für eine optimale Bewältigung des Verkehrsaufkommens sorgen. Das Projekt wird seitens der ASFINAG realisiert, die Umsetzung soll parallel mit der Siedlungsentwicklung auf den Aspanggründen erfolgen.

Städtebauliches Leitbild "mehrwert simmering"

Die U3 trägt zusehend zur städtebaulichen Entwicklung des 11. Bezirks bei. Neben der heftigen Neubautätigkeit an der Endstation und entlang der Simmeringer Hauptstraße, die als Impuls des U-Bahnbaus anzusehen ist, bringt sie jetzt auch Bewegung in das Gebiet südlich der Gasometer. Für eine geregelte Entwicklung des südlichen Gasometervorfeldes als bislang offener Stadtrand zwischen Gasometer und Simmering wurde im Auftrag der MA 21A das städtebauliche Leitbild "mehrwert simmering" erarbeitet. Dieses Leitbild ist das Ergebnis eines mehrjährigen, interdisziplinären Planungsprozesses, Grundlage dafür war das Siegerprojekt eines städtebaulichen Wettbewerbs von Architekt Mag. Peter Lorenz (Raumplanung: DI Indrak, Verkehr: Dr. Snizek). Durch den Strukturplan werden die möglichen künftigen Strukturen, Funktionen und Nutzungen in einem Etappenplan festgelegt und soll eine "Verklammerung" zwischen Gasometer und Simmering entstehen.

Zentraler Park als Erholungslandschaft

Durch qualitätsvolle Projekte wird somit eine noch stärkere Integration und Verbindung der Gasometer mit Simmering entstehen. Mit qualitativ hochwertiger Architektur, ausreichender sozialer Infrastruktur, einem zentralen Park mit einem großzügig angelegten Teich als Kernstück der Freizeit- und Erholungslandschaft, Fuß- und Radwegen, einer den Bedürfnissen entsprechenden Verkehrsorganisation und -erschließung sowie kultureller und freizeitbezogener Einrichtungen soll ein neuer Bezirksteil entstehen, der für die bereits ansässigen BewohnerInnen als auch für neu zuziehende Menschen ein attraktives Lebens- und Arbeitsumfeld sowie neues Naherholungsgebiet schafft.

Vorgesehen sind:

o ein "städtebauliches Rückgrat" zwischen den U3-Stationen "Gasometer" und "Zippererstraße" mit einer boulevardartigen Geschäftsstraße. Qualitative Architektur und hochwertige Wohnungen, Sicht- und Merkpunkte, freie Blickbeziehungen sollen für ein urbanes Lebensgefühl mit hoher Lebensqualität sorgen
o die Errichtung eines zentralen Parks mit einem großzügig angelegten Teich als Kernstück der Freizeit- und Erholungslandschaft. Fuß- und Radwege (z.B. ein "Panoramaweg") sollen bestehende (Hyblerpark...) mit den neuen Grün- und Sportflächen (z.B. Gasometerpark, neue Sportanlage Gaswerk etc.) verbinden.
o eine neue Verkehrsorganisation und -erschließung: U.a. soll die vormals geplante Trassenführung der B228 neu überdacht werden und die nunmehr vorgeschlagene Trasse ("Nussbaumallee")
vorrangig eine Erschließungs- und Sammelfunktion (und nicht Durchzugsfunktion) wahrnehmen.
o ergänzt wird der neue Stadtteil durch bildungsbezogene, kulturelle und freizeitbezogene Einrichtungen (z.B. Kunstdepot "Artex)

Die einzelnen Entwicklungsschritte müssen jedenfalls in Abstimmung mit der Realisierung der sozialen Infrastruktur sowie der Grün- und Erholungsflächen passieren. Im Vollausbau sollen hier Wohnungen für rund 1.600 Menschen sowie über 6.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die erst Phase wird als Impulsprojekt die Entwicklung von rd. 71.000 m2 Bruttogeschossfläche im Einzugsbereich der U3-Station Zippererstraße empfohlen. (Schluss) gb

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