FMA-Vorstand Professor Grünbichler: Basel II muss an die mittelständische Struktur Österreichs angepasst werden

Wien (OTS) - Universitätsprofessor Dr. Andreas Grünbichler, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), unterstrich heute bei einer Podiumsdiskussion in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) die Bedeutung von Basel II für die globalen Finanzmärkte. Grünbichler arbeitete jedoch exemplarisch drei, vor allem für die mittelständisch strukturierte österreichische Wirtschaft offene Problemfelder heraus:

Derzeit sind Unternehmenskredite bis eine Million Euro von der risikogewichteten Eigenkapitalunterlegung ausgenommen und können wie Privatkredite behandelt werden. Voraussetzung ist jedoch die so genannte "0,2-Prozent-Granularität": Das heißt, dass ein einzelner Kredit nicht mehr als 0,2 Prozent des gesamten Privatkunden-Kreditvolumens ausmachen darf. "Auf Österreich umgelegt hieße das aber," so Grünbichler, "dass nur rund 50 Banken insgesamt diese Regelungen überhaupt nutzen könnten." Der FMA-Vorstand plädiere daher für eine allgemeine Formulierung statt dieser numerisch festgelegten Grenze; etwa in der Form, dass "das Kreditrisiko ausreichend breit gestreut" sein müsse.

Obwohl bereits wesentliche Erleichterungen für Kredite an KMUs erreicht worden sind, seien aus österreichischer Sicht weitere Verbesserungen notwendig: unter anderem die Dynamisierung der Schwellenwerte, etwa indem deren Höhe automatisch an die Entwicklung eines Inflationsindex gebunden wird.

Es sei zwar wichtig, alle Finanzinstitutionen einem einheitlichen Regelwerk zu unterwerfen, die qualitative Überwachung habe sich jedoch am Risikopotenzial eines Institutes zu orientieren. Mit anderen Worten: Je größer ein Institut ist, je komplexer die Produkte sind, die es anbietet, je systemrelevanter es ist, desto intensiver und tiefer muss selbstverständlich die aufsichtsbehördliche Überprüfung ausfallen. Selbstverständlich ist auch höchste Aufmerksamkeit geboten, wenn bei einer Bank bereits Probleme aufgetaucht sind. Bei kleinen Banken und bei Instituten mit weniger komplexen Transaktionen sei dies in dieser Tiefe und Intensität jedoch in der Regel nicht erforderlich.

FMA-Vorstand Grünbichler stellte aber auch klar, dass "mit oder ohne Basel II die heimischen Banken verstärktes Augenmerk auf effizientes Risikomanagement und die Berücksichtigung des operationalen Risikos legen müssen."

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