ÖAMTC präsentiert Segway (HT) in Österreich

Was der innovative People-Mover kann, wo er fahren darf und welche Zukunftsperspektiven er hat

Wien (ÖAMTC-Presse) - Mit der Präsentation des Prototyps vom Segway Human Transporter (kurz HT) stellt der ÖAMTC einmal mehr unter Beweis, dass er in Sachen Mobilitätsentwicklung die Nase vorne hat. Segway ist batteriebetrieben, verfügt über zwei Räder und kann sogar auf der Stelle drehen. Dazu braucht der sogenannte People-Mover aus den USA kaum mehr Platz als der Mensch selbst. Sein Prinzip basiert rein auf dem Gleichgewichtssinn: "Vorwärts lehnen, vorwärts fahren" lautet die Devise.

Nach Meinung seiner Erfinder könnte Segway zur Transportmittel-Alternative und Ergänzung zum Auto in staugeplagten Städten werden. Außerdem soll Segway in Forschungs- und Industriebetrieben zum Einsatz kommen, etwa bei der Arbeit in Pharmafirmen oder Flughafenhallen. Bei Großveranstaltungen haben sich beispielsweise Notärzte schon die Wendigkeit des Gefährts zu Nutze gemacht, um bei einem Notfall samt schwerer Ausrüstung rascher am Einsatzort zu sein.

"Segway ist ein Beispiel aus Forschung und Entwicklung moderner Mobilität, worin der Club für Koordination und Controlling mehrfach tätig ist", sagt ÖAMTC-Testexperte Willy Matzke, der für den Club einen Prototypen zu Testzwecken organisiert hat. Die Techniker und Rechtsexperten des Clubs absolvierten etliche Segway-Runden, um das Gefährt auf Herz und Nieren zu testen. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Technologie mit Zukunftspotenzial handelt, wurde gründlich untersucht. Im Vordergrund: Die Sicht des Konsumenten.

Einachsig, mehrspurig und viel Balance erfordernd

Segway ist ein einachsiges Zweirad. Für den Antrieb sorgt pro Rad ein Elektromotor über ein Untersetzungsgetriebe im Verhältnis 1:24. Die beiden Räder sind über eine Trittfläche miteinander verbunden, an der eine Haltestange fixiert ist.

Segway-Fahren selbst ist einfach, vorausgesetzt man hält die Balance. "Das Gerät wird durch das Aufsteigen auf die mit Sensoren versehene Trittfläche aktiviert. Das Vorwärts- oder Rückwärtsfahren wird mittels Gewichtsverlagerung gesteuert, ebenso der Bremsvorgang. Für eine Richtungsänderung genügt ein Dreh am Lenkungsgriff", beschreibt ÖAMTC-Techniker Franz Peleska das schlichte Prinzip. Die Balance am Stand, aber auch während der Fahrt wird mittels elektronischer Gleichgewichts-Sensoren sichergestellt. Diese schicken ihre Signale in ein elektronisches Steuergerät, das den Motor permanent gegen ein nach vorne oder nach hinten Fallen des Lenkers ansteuert. Alle Systeme sind redundant, das heißt bei Ausfall eines Systems springt sofort ein anderes ein.

"Lehnt man sich beispielsweise auf dem Segway stehend zu weit nach vorne, dann beschleunigt der Motor in Fahrtrichtung, sodass ein nach vorne Kippen des Fahrers verhindert wird", so Peleska weiter.

Um diese sensible Steuerung sicher zu stellen, ist die Bereifung und damit der Kontakt zur Fahrbahn einer der Entwicklungsschwerpunkte gewesen. So wurde sogar eine eigene Bereifung von Michelin für Segway entwickelt, die extrem hohe Haftfähigkeit zur Fahrbahn gewährleistet:
Dank eines völlig neuen Mischungsverfahrens ermöglicht der Reifen "BalAnce" hohen Grip, keine schwarzen Striche im Abrieb und äußerst geringen Rollwiderstand. "Es wird ein Herstellungsverfahren aus der Forschung verwendet, das es für Alltagsreifen noch nicht gibt", erläutert Testexperte Willy Matzke.

Segway ist für Schnee und Eis ungeeignet, an speziellen "Winterreifen" wird derzeit gearbeitet. Da es auch kein Reserverad gibt, wird ebenso an der Weiterentwicklung eines Runflat-Reifens gearbeitet.

Wo er fahren darf, hängt davon ab, was er ist

In den USA hat der People-Mover bereits eine heftige Debatte ausgelöst, die auch hierzulande nicht ausbleiben dürfte: Für den Gehsteig zu gefährlich, für die Fahrbahn unzweckmäßig - Wo soll Segway fahren? Um diese Frage zu klären, bedarf es zunächst der rechtlichen Beurteilung des Fahrzeugs.

"Kraftfahrzeug ist er jedenfalls keines, am ehesten ist Segway rechtlich als Fahrrad einzustufen", sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Denn Fahrzeuge, die elektrisch angetrieben sind, nicht mehr als 400 Watt Leistung aufweisen und nicht mehr als 20 km/h auf ebener Fahrbahn erreichen, gelten als Fahrräder. Da die Räder des Segway nicht hintereinander, sondern nebeneinander liegen, kann das Gefährt als mehrspuriges Fahrrad bezeichnet werden. "Dementsprechend muss er auch ausgestattet sein", so Hoffer auf die seit Mai 2001 geltende Fahrradverordnung hinweisend.

Das heißt: Jedenfalls müssten entsprechende Reflektoren (weiß nach vorne, rot nach hinten) angebracht werden. Gelbe Pedal- und Speichenreflektoren sind zwar mangels solcher Vorrichtungen nicht möglich, sinnvoll wären aber zumindest entsprechend reflektierende gelbe Streifen, die an der Seite bzw. an den Reifen angebracht sind. Bei Dunkelheit und schlechter Sicht muss weißes Licht nach vorne leuchten, rotes nach hinten. "Jeder Segway müsste laut Fahrradverordnung außerdem eine Vorrichtung zur Abgabe akustischer Warnzeichen - sprich Klingel oder Hupe - haben", führt der ÖAMTC-Jurist zur Ausstattung aus.

Jedes Fahrrad muss über zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsvorrichtungen verfügen. "Bei Segway eine Interpretationsfrage", wie Hoffer meint. Beide Räder werden von eigenständig wirkenden Motoren beschleunigt und gebremst. Dass die beiden Bremsvorrichtungen auch unabhängig voneinander bedient werden können, verlangt die Fahrradverordnung nicht.

Es besteht zwar keine Sturzhelm-Pflicht, der ÖAMTC empfiehlt aber jedenfalls einen umfassenden Körperschutz, bestehend aus Helm, Knie-und Ellenbogenschützern.

Setzt sich die Rechtsmeinung durch, wonach der Segway ein mehrspuriges Fahrrad ist, dürfte - die notwendige Ausstattung vorausgesetzt - nur die Fahrbahn benutzt werden. Das hält Hoffer allerdings für wenig sinnvoll: "Besser wäre es, den Radweg zu öffnen, so wie es für einspurige Fahrräder mit maximal 80 cm breitem Anhänger erlaubt ist. Der Segway misst in der Breite lediglich 64 cm. Eine Radweg-Nutzung wäre also durchaus denkbar, der Gesetzgeber könnte einer solchen Anpassung mit ruhigem Gewissen zustimmen."

Was problematisch werden könnte, ist die Zeichengebung. "Ein Handzeichen mit der linken Hand führt dazu, dass bei der uns zur Verfügung stehenden Ausführung nicht gelenkt werden kann", macht Hoffer aufmerksam. Hier sind von Herstellerseite noch Verbesserungen ausständig.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Club-Techniker Peleska: "Es gibt immer einen Unterschied zwischen Prototyp und Serienfahrzeug. Segway ist solide gebaut, aber vor allem die Steuerung ist noch verbesserungsfähig."

Ausgeliefert wird Segway derzeit nur in den USA, über die Website http:///www.amazon.com/ werden die Vorreservierungen der amerikanischen Kunden angenommen. Eine Abgabe an Personen unter 16 Jahren ist nicht vorgesehen.

So sieht der ÖAMTC die Zukunft vom Segway

Beim ÖAMTC gibt man sich Segway gegenüber aufgeschlossen, aber nicht euphorisch: "Er wird wahrscheinlich kein Massenphänomen werden, Segway hat aber durchaus das Potenzial, für Sondereinsätze als Personentransportmittel zu dienen. Umweltbewusste Ideen im Dienste der Mobilitätsentwicklung finden im Club jedenfalls immer Unterstützung", so Peleska zusammenfassend.

Nähere Informationen zum Segway (HT) finden sich auch auf der ÖAMTC-Homepage unter http://www.oeamtc.at/. Der Text mit den einschlägigen Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung und der Fahrradverordnung kann im neuen ÖAMTC-Fachbuch "Verkehrsrecht, Band I, StVO" (erhältlich in den ÖAMTC-Shops) nachgelesen werden.

Aviso an die Redaktionen:
Fotomaterial vom Segway (HT) finden Sie im ÖAMTC-Foto-Service, das Sie im Internet unter http://www.oeamtc.at/presse/ abrufen können. Ein Interview mit ÖAMTC-Techniker Franz Peleska und ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer ist via APA-Audio-Plattform abrufbar.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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