Raunzer-Zone Salzburg

Von Anneliese Rohrer

Wien (OTS) - Die Reaktionen in Österreich auf die Verlegung des Europagipfels des Weltwirtschaftsforums von Salzburg nach Dublin enthalten viel unfreiwillig Komisches.
So muß etwa gerade anhand des Salzburger Beispiels die Werbewirtschaft zur Kenntnis nehmen, daß ihre Investition in die Kampagne "Nicht-Raunzer-Zone", mit welcher die Wirtschaft via verstärkter Werbung belebt werden sollte, in den Sand gesetzt wurde. Denn laut Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden war es gerade die Raunzerei der Salzburger Wirtschaft, die die Organisatoren über die Meere nach Dublin getrieben haben.
Dies wäre also die erste Groteske: Ein Sozialdemokrat beschuldigt die Wirtschaft der Wirtschaftsfeindlichkeit. Die Vertreter dieser Wirtschaft wiederum finden sich bei diesem Thema in der Gesellschaft der österreichischen Kommunisten wieder, die von ihrer politischen Position unterhalb der Wahrnehmungsgrenze aufgetaucht sind und der Vertreibung der Gäste applaudiert haben.
Die zweite Groteske: Die Freiheitlichen, die auf anderen politischen Feldern leicht für das Verdrängen von Akteuren zu haben sind, protestieren diesmal gegen das "Vergraulen des Gipfels". Sie nehmen aber auch gleich die Gelegenheit wahr, dem Bürgermeister, der eben noch auf ihrer Linie war, für die "Flucht" der Wirtschaftsgrößen verantwortlich zu machen. Die Stadt habe jene Vereine subventioniert, die durch ihre Proteste Salzburg während des Gipfels ungemütlich gemacht haben.
Und schließlich, Groteske Nummer Drei, werden diese Proteste als Grund für die Verlegung des Gipfels genannt, weil sie die Stadt für wenige Tage zur "Festung" machten. In einer Stadt, die von und unter einer "Festung" lebt?
Hier endet der Spaß: Seit sechs Jahren konnte Salzburg international für die Gipfel-Tage die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und nun versandet der Werbe-, Wirtschaft-, Außenpolitik-Effekt in einem ur-österreichischem Was-brauch-ma-des? Selbst wenn Salzburg die Werbung nicht nötig hat und mit den diversen Festspielen ohnehin gut bedient ist, außenpolitisch hat sich Österreich mit der Verlegung des Gipfels eine Schramme geholt.

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