Spitalsärzte gegen Selbstbehalt für alle

Kogelbauer: Selbstbehalte haben keinen Lenkungseffekt - bestehendes Selbstbehaltsystem muss durchforstet werden - mehr Kostenbewusstsein durch Rechnungen für jeden Patienten

Wien (OTS) - Die Obfrau der österreichischen Spitalsärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Gabriele Kogelbauer, hat sich ablehnend zum Vorschlag der Einführung genereller Selbstbehalte geäußert. Die Hoffnung, dass durch Selbstbehalte Patientenströme gelenkt werden könnten, sei verfehlt und durch die Ambulanzgebühr auch schon mit einem praktischen Beispiel widerlegt worden, sagte Kogelbauer in einer Aussendung am Montag. "Die jetzt angedachte Zusatzzahlung ist daher nicht effektiv und erzeugt nur einen Wust an neuer Bürokratie", warnte die Spitalsärztevertreterin. Stattdessen müsse der schon bestehende Dschungel an Selbstbehalten durchforstet und für den einzelnen übersichtlicher werden. Generell müsse mehr Kostenbewusstsein der Patienten durch die Versendung von Abrechnungen gefördert werden. "Jeder Patient soll eine Abrechnung über die erhaltenen Leistungen bekommen. Dann wird er auch bewusster mit den Ressourcen umgehen", so Kogelbauer. "Ich freue mich daher über die Ankündigung von Hauptverbands-Präsident Gleitsmann, dass jeder Patient ab 2004 eine Abrechnung erhalten soll. Für den Spitalsbereich fordern wir dies ja schon seit langem."

Was die jüngst entfachte Diskussion über Krankenhausbetten anlangt, warnte Kogelbauer vor einer "einseitigen und einäugigen Diskussion" und "Sparen nach dem Rasenmäherprinzip". "Es ist durchaus in Ordnung im Gesundheitssystem auch über die Kosten zu sprechen. Es geht aber nicht an, als Maßstab der Dinge im Spitalswesen nur noch über die Zahl der Betten zu diskutieren, ohne zuvor das Thema Qualität anzusprechen", so die Spitalsärztevertreterin. "Was wir brauchen ist zuerst eine Diskussion über die gebotene Qualität und deren Sicherung für die Patientenversorgung. Die zentrale Frage ist:
Welche Leistungen sollen in welchem Bereich in welcher gebotenen Qualität angeboten werden. Erst nach Klärung dieses Kernthemas, kann man auch über ökonomische Fragen sprechen." (Schluss)

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