"Neues Volksblatt" Kommentar: "Befindlichkeit" (Von Michael Kaltenberger)

Ausgabe vom 13. Jänner 2003

Linz (OTS) - Dass die SPÖ am Wahlsieg der ÖVP und am Verlust von Platz eins kiefelt, ist verständlich. Weniger verständlich ist, welchen Niederschlag die Befindlichkeit von Granden der SPÖ und Teilen der Parteibasis in den Medien findet. Da wird akzeptiert, dass Landesparteichefs gegen eine schwarz-rote Koalition opponieren, weil sie damit für ihre Landtagswahlkämpfe die Munition verlieren würden, und es wird akzeptiert, dass viele in der SPÖ im Schmollwinkel stehen und auf die ÖVP nur deshalb beleidigt sind, weil sie gewonnen hat. Doch niemand redet von der Befindlichkeit in der ÖVP. Das ist medial kein Thema und würde als Grund für Vorbehalte gegen Schwarz-Rot auch nie akzeptiert, obwohl die Genossen jeden Reformschritt als Sozialabbau, ja als soziales Verbrechen dargestellt hatten.
Auch hier gibt es Narben. Und so wie vielen in der SPÖ der Abschied von Rot-Grün schwer fällt, genauso fällt vielen in der ÖVP der mögliche Abschied von der schwarz-blauen Regierung schwer, die ihre Reformbereitschaft schon unter Beweis gestellt hat. Aber was soll man mit einer FPÖ, die jeden Augenblick zerbröseln kann?
Für Befindlichkeiten, für offene Rechnungen und das Schielen auf Wahltermine ist jetzt nicht die Zeit. Dafür warten zu große Brocken, von den Pensionen bis zur Staatsreform. Jetzt geht's um Österreich!

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