Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Jugendverbot fürs Lottospiel (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 11. Jan. 2003

Klagenfurt (OTS) - Die Absicht des Salzburger Landtages, Jugendlichen unter 18 Jahren per Gesetz zu verbieten, Lotto, Toto zu spielen und Brief- oder Rubbellose zu kaufen, ist nicht so sehr aus Gründen der Suchtprävention zu begrüßen, sondern schlicht als Maßnahme gegen kollektive Verblödung. So besehen ist lediglich zu fragen, warum die Politik nicht auch das Alter vor Dummheit schützen will?

Wahrscheinlich deshalb, weil ein permanent rubbelndes Volk im Jackpot-Fieber nicht mehr mitbekommt, wer ihm eigentlich die höchsten Selbstbehalte und Abgaben für uneinlösbare Glücksversprechen einbrockt. Es ist der selbe Staat, der es angesichts Tausender suchtkranker Jugendlicher, verstrickt in der Schuldenfalle, mit einer Art schlechtem Gewissen zu tun bekommt. Zuerst leistet er dem Glücksspiel Vorschub, verbietet dann dessen Ausübung, im Wissen darum, dass das Verbot nicht exekutierbar sein wird.

Der ehrliche Weg wäre, als Spielmacher abzutreten. Alles andere ist Scheinmoral. Der bevorstehende Salzburger Beschluss birgt aber auch eine große Chance in sich. Das Jugendverbot fürs Rubbeln und Tippen ist ein derartiges Reizthema, dass es geeignet erscheint, einen österreichweiten ernsthaften Diskurs auszulösen. Kommt es zu einem solchen, dann hat der Salzburger Landtag sein Ziel erreicht.

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