Dirnberger:Selbstbehalte führen zu Aufblähung der Krankenkassen-Verwaltung

Statt neuer Belastungen für ASVG-Versicherte Rezeptfreiheit endlich auf EU-Niveau ausweiten

Wien (OTS) - Auf strikte Ablehnung stößt der geplante 20-prozentige Selbstbehalt beim Arztbesuch bei AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB-FCG-Fraktion). Dirnberger nennt dafür 3 Gründe:

1. Das ist ein erneuter, krampfhafter, ja gerade zu krankhafter Versuch, die ASVG-Versicherten einseitig zu belasten. Die sollen neben vergleichsweise weniger Versicherungsleistungen zusätzlich noch mit einem weiteren Selbstbehalt bestraft werden.

2. Die Einhebung des Selbstbehaltes wird zu einer Analogie des Chaos bei der Ambulanzgebühr führen. Man muss sich vorstellen: Die Krankenkassen müssen österreichweit etwa 3 Millionen ASVG-Versicherten Abrechnungen samt Erlagschein zusenden, die Einzahlungen überwachen, nötigenfalls mahnen und im Endeffekt bei Nichtbezahlung sogar klagen. Das bedeutet eine enorme Aufblähung des Verwaltungsapparates der Gebietskrankenkassen. Zusätzlich droht den Ärzten eine neuerliche bürokratische Belastung.

Dirnberger verweist in diesem Zusammenhang auf die Gewerbliche Sozialversicherung, die schon derzeit von ihren Versicherten einen 20-prozentigen Selbstbehalt einhebt und deshalb den größten Anteil an Verwaltungskosten aller Krankenkassen hat. Dirnberger: Mich wundert nur, dass die Gesundheitspolitiker auf Bundesebene nicht aus ihren bisherigen Fehlern lernen und immer wieder in die Selbstbehaltsdebatte schlittern. Das Schlimme daran ist nur, dass für diese Versagen im Endeffekt die Bevölkerung zur Kasse gebeten wird!

3. Die Verteilung der Lasten der steigenden Kosten in der medizinischen Versorgung wird damit einseitig den Patienten aufgebürdet, die gerechte paritätische Verteilung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erneut einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer verschoben.

Dirnberger: Statt neue Belastungen für die ASVG-Versicherten zu erfinden, wären die Gesundheitspolitiker auf Bundesebene samt dem dafür zuständigen Sozialminister gut beraten, endlich die Rezeptfreiheit auszuweiten.Statt z.B. weitere Selbstbehalte einzuführen, liegt in der Ausweitung der Rezeptfreiheit ein enormes Einsparungspotential bei den Gesundheitskosten in Hinblick auf die explodierenden Ausgaben der Krankenkassen bei den Medikamenten, unterstreicht Dirnberger seine Forderung nach Ausweitung der Rezeptfreiheit, die in Österreich bei knapp über 10 Prozent der Medikamente liegt, in Deutschland oder der Schweiz aber bei etwa 40 Prozent.

Die Rezeptfreiheit schafft nicht nur mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung für die Patienten, betont Dirnberger, sie spart der Volkswirtschaft nach Berechnungen von Experten der Uni Innsbruck bis zu 200 Millionen Euro jährlich. Nach einer Untersuchung von Univ.-Prof. Theurl vom Finanzwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck brächte dies alleine den Krankenkassen jährlich eine Einsparung von 140 Millionen Euro. Die Belastung des einzelnen Patienten hält sich dabei in Grenzen, da es sich vor allem um Medikamente handelt, die niedrige Preise haben und oft billiger sind, als die Rezeptgebühr (dzt. 4,14 Euro) beträgt. Dazu ist noch die Zeitersparnis, die sich für den Patienten durch den Wegfall des Arztbesuches ergibt, zu berücksichtigen.

Beratung beim Apotheker schafft Arzneimittelsicherheit

Dirnberger: "Die Wahlfreiheit, auch bei geringfügigen Befindlichkeitsstörungen den Arzt zu besuchen, besteht damit selbstverständlich weiter, denn auch bei einer Ausweitung der Rezeptfreiheit haben die Patienten wie bisher die Wahlfreiheit, sich das Medikament auf ein Kassenrezept vom Arzt verschreiben zu lassen. Denn rezeptfrei heißt nicht automatisch, dass das die Krankenkassen nicht mehr bezahlen. Die Patienten haben aber mit der Ausweitung der Rezeptfreiheit die Möglichkeit, sich das Medikament ohne Wartezeit beim Arzt, ohne Krankenscheingebühr und ohne Rezeptgebühr rasch in der Apotheke zu besorgen. Bei Fragen stehen den Patienten die Apotheker zur Verfügung, womit auch die Arzneimittelsicherheit gewährleistet ist. Wenn sich Patienten für den direkten Weg in die Apotheke entscheiden, liegt die Ersparnis für die Kassen darin, dass sie dem Arzt kein Honorar für die Rezeptverschreibung bezahlen müssen und sich auch die Bezahlung des Medikamentes samt dem dafür notwendigen bürokratischen Aufwand ersparen."

Selbstmedikation nur bei leichten Befindlichkeitsstörungen

Die Befürchtung, die Patienten müssten sich so besonders teure Medikamente selbst bezahlen, zerstreut Dirnberger mit dem Hinweis, dass mit diesem Argument vielmehr die Zielsetzung von mehr Rezeptfreiheit verkannt wird: Bei der Selbstmedikation geht es um Präparate, die man bei leichten Befindlichkeitsstörungen anwendet. Wenn man von den meist niedrigen Kosten dieser Präparate die Rezeptgebühr abzieht und die enorme Zeitersparnis eines Arztbesuches einrechnet, werden sich viele Patienten mit leichten Befindlichkeitsstörungen für den direkten Weg in die Apotheke entscheiden und damit den Krankenkassen enorme Kosten ersparen. Dirnberger: "Auch die Ärzte haben dadurch einen Vorteil: Sie haben endlich jenes Mehr an Zeit für ihre Patienten mit ernsthaften Erkrankungen, das sie selbst immer wieder fordern."

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