"Neues Volksblatt" Kommentar: "Harmonien" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 10. Jänner 2003

Linz (OTS) - Man kann es als überaus ehrlich werten, die Debatte über die Reform des Gesundheitssystems mit der Aussicht auf Selbstbehalte für alle zu eröffnen, oder als mäßig geschickt. Zugleich kann eine so naturgemäß unpopuläre Forderung aber auch Lackmustest für die Reformbereitschaft potenzieller Regierungspartner - und damit als taktischer Schachzug im Koalitionsringen - sein. Zweifellos hat das Argument von mehr Kostenbewusstsein durch Selbstbehalte etwas für sich. Ebenso klar ist, dass es für chronisch Kranke und sozial Schwache, die sonst überproportional belastet würden, Ausnahmen geben muss.
Soll das Gesundheitssystem aber wirklich harmonisiert werden, geht das über die Selbstbehalt-Debatte weit hinaus. Denn da gilt es auch die Leistungen, die die Versicherten für ihre Beiträge bekommen, einzubeziehen - und die Strukturen im Bereich der Versicherungsträger, gesellschaftlicher Wandel inklusive.
Dieser führt auch im Pensionssystem die reine Argumentation nur mit Deckungsgraden ad absurdum, etwa bei den Bauern.
Konsequent fortgedacht kann Harmonisierung nicht ohne einem Komplett-Umbau bei Strukturen und Leistungen auskommen. Hier steckt die große Polit-Brisanz im Hintergrund der laufenden Debatte.

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