Schenner: Euro kein "Teuro" im österreichischen Gastgewerbe

"Die politischen Weichen müssen jetzt gestellt werden" - Ennemoser: "Basel II Existenzfrage für viele heimische Tourismusunternehmen"

Wien (PWK006) - Dem heimischen Gastgewerbe wurde und wird im Zuge der "Euro-Teuro"-Diskussion von mancher Seite gerne der "schwarze Peter" zugeschoben. Dass die Branche, von einigen Ausnahmefällen abgesehen, in Wirklichkeit jedoch beachtliche Preisdisziplin bewahrt, unterstreicht eine dieser Tage veröffentlichte Analyse der Bank Austria-Creditanstalt.

Nach dieser Studie hat die Einführung des Euro in Österreich, im Vergleich zur Entwicklung im "Nicht-Euro-Europa", seit dem Herbst des Jahres 2000 sogar einen Preisdämpfungseffekt von minus 1,8 Prozent ausgelöst. "Wenn man immer wieder und oft unverdient am Pranger steht, so ist dieses Ergebnis sicher eine wohltuende Nachricht", stellte der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Komm.Rat Johann Schenner, Mittwoch Abend im Rahmen einer Presseveranstaltung im Hotel Sacher in Wien fest.

Die bei den Gastbetrieben seit Herbst 2000 erfolgten Preisanpassungen von durchschnittlich weniger als sechs Prozent waren nicht durch den Euro verursacht, sondern waren kostenbedingt und betriebswirtschaftlich notwendig, führte Schenner weiter aus. Ohne Euro wären die Preisänderungen um knapp zwei Prozent höher ausgefallen.

Laut Analyse der BA-CA-Volkswirte ist der Euro-Preiseffekt allerdings nicht in allen Euroländern so gering ausgefallen wie in Österreich. So beträgt z.B. die Euro-bedingte Preissteigerung in Italien im Durchschnitt mehr als sieben Prozent. In Irland, Griechenland und Portugal erreicht sie mehr als zwei Prozent. Im gesamten Euroraum liegt der Preiseffekt durch die neue Gemeinschaftswährung bei rund drei Viertelprozent. Nach Meinung der Ökonomen resultiert die weitverbreitete Skepsis gegenüber den Euro-Preiseffekten aus der Tatsache, dass es in manchen Bereichen aus anderen Gründen teils deutliche Preissteigerungen gab. So stiegen in Österreich etwa die Kosten für Bücher und Zeitungen um fast neun Prozent, für Reparaturen von Haushaltsgeräten um acht, für den Friseur um sieben und für den Gasthausbesuch eben um sechs Prozent. "Dies sind alles Preissteigerungen, die im täglichen Leben stark spürbar sind, auch wenn sie weniger als die Hälfte der Haushaltsausgaben ausmachen".

Mit Deviseneinnahmen von 1.403 Euro pro Kopf der Bevölkerung liegt der österreichische Tourismus an der Weltspitze. "Er ist ein wirtschaftspolitisches Schwergewicht. Die politische Vertretung muss in einer neuen Regierung gesichert sein", deponierte Schenner. Die Wachstumsbranche brauche entsprechende Rahmenbedingungen, um ihre Spitzenposition auch in Zukunft wahren zu können. "Jetzt müssen die politischen Weichen gestellt werden. Ob ein starkes Staatssekretariat oder ein Ministerium für Tourismus, Sport und Kultur - der Tourismus braucht kompetente Ansprechpartner und Vertreter in der Politik", betonte der Sprecher der Tourismuswirtschaft.

Obmann-Stellvertreter Dr. Klaus Ennemoser wies darauf hin, dass "Basel II" für viele heimische Tourismusunternehmer zu einer Existenzfrage geworden sei. Angesichts der bevorstehenden Basel II-Regelungen benötigten die heimischen Tourismusbetriebe daher dringend Ergebnisverbesserungen in den Bilanzen, um eine Fremdfinanzierung durch Kreditinstitute möglich zu machen. Steuerliche Entlastungen zur Förderung der Eigenkapitalbildung seien daher, so Ennemoser, ein Gebot der Stunde. Wie Schenner ergänzte, werde jetzt darüber entschieden, ob der Konjunkturmotor Tourismus in den nächsten Jahren zu "stottern" beginne oder nicht. (hp)

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