Harnoncourt nach dem Neujahrskonzert über Superstars und Grimassen

Wien (OTS) - Ungewohnt offen und euphorisch meldet sich Nikolaus Harnoncourt nach seinem triumphalen Neujahrskonzert (es lukrierte schon vor Auslieferung anhand der Vorbestellungen Doppelplatin) in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe.

Dass der Verkaufserfolg etwas mit plötzlich erwachtem öffentlichem Qualitätsbewusstsein zu tun haben könnte, "wäre zu schön, als dass ich es zu denken wage. Aber irgendetwas wird schon dran sein. Ich treffe ständig Leute auf der Straße, die ich noch nie gesehen habe und die mich ansprechen, weil sie sich nicht mehr zurückhalten können. Das ist mir in meinem Leben noch nicht passiert.Ich denke, jeder, der an diesem Konzert beteiligt war, hat empfunden, dass wir in die Tiefe der Musik gegangen sind."

Über die Kritiker, die sein erstes Neujahrskonzert vor zwei Jahren besser fanden:" Wirklich? Ich hab’ das nicht gelesen. Außerdem bin ich ja nicht der Holofernes von Nestroy, der nicht weiß, wer stärker ist - er oder er."

Auf die Frage, ob er nicht stets ein Skeptiker der Superstar-Anbetung gewesen sei: "Das bin ich noch immer. Ich bin ziemlich gut in Physik und weiß, wie das mit dem Pendel ist. Und ich weiß, dass die Wucht beim Aufspringen abzüglich der Reibung in der Luft genau dieselbe ist wie beim Abspringen. Ich bin ganz außerstande, mich plötzlich aufzuplustern. Ich kauf mir jetzt auch keine anderen Sachen zum Anziehen als vorher. Alles, was mein Leben betroffen hat, ist immer sehr überraschend gekommen. Ich war immer neugierig, was um die nächste Ecke herum passiert. So bin ich auch jetzt überrascht. Aber da ich ohnehin schon bei jeder Ecke überrascht war und auch sehr bestimmte Vorstellungen habe, was ich gut und was ich nicht gut finde, hat mich auch der Erfolg nicht übermäßig überrascht."

Über seine exzessive Mimik beim Dirigieren: "Das Strenge und Grimmige, das man mir ständig nachsagt, hat mit meiner kabarettistischen Ader zu tun. Ich übe meine Mimik nicht ein. Ich habe einen fast gleich alten sehr guten Bekannten, der ein großer Künstler ist und jedes Grinsen, jedes Zähnefletschen, jedes Ohrenwackeln und jeden Gang ans Podium vor dem Spiegel geübt hat. Sie kennen ihn sehr gut, aber ich sage seinen Namen nicht. So etwas kenne ich nicht. Ich habe keinen Friseur, der hinter der Szene auf mich lauert, mir steckt keiner eine Zigarette in den Mund. Aber ich habe meine kabarettistische Ader."

Für Jänner vorgesehene Auftritte in Zürich hat Harnoncourt auf ärztlichen Rat abgesagt, um sich für ein extrem arbeitsames Jahr zu erholen: Der von ihm begründete Concentus Musicus wird 50, und mit den Wiener Philharmonikern bricht er, ganz gegen seine jahrelangen Gewohnheiten, zu einer USA-Tournee auf

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