• 08.01.2003, 11:05:42
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Pjeta zu Selbstbehalten: Vorsicht geboten

Ärztekammer: Genereller Selbstbehalt birgt Gefahr einer Zugangsbarriere- Sozialverträglichkeit muss gewährleistet sein

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) hat zu den
seitens der ÖVP vorgeschlagenen Selbstbehalten für alle Stellung
bezogen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Aussendung heißt es,
eine Harmonisierung der schon bestehenden Selbstbehalte sei
grundsätzlich sinnvoll, da es bisher einen Wildwuchs vieler
unterschiedlicher Regelungen gebe, was den Patienten die Übersicht
erschwere. Es sei jedoch prinzipiell zu klären, welches Ziel man mit
einem generellen Selbstbehalt verfolge. "Die ÖVP soll die Karten auf
den Tisch legen, ob damit eine zusätzliche Finanzierung und/oder
Lenkungseffekte erreicht werden sollen", forderte ÖÄK-Präsident Dr.
Otto Pjeta. Die Einführung eines generellen Selbstbehalts etwa nach
dem Muster der BVA bedeute jedenfalls das Ende der
Krankenscheingebühr. Das Modell bedeute auch, das die
ASVG-Versicherten im Rahmen der Gebietskrankenkassen ein völlig neues
Tarifsystem bekommen würden, womit jede medizinische Behandlung
zuzahlungspflichtig werde.

Ein Selbstbehalt für alle sei nur akzeptabel, wenn er eine soziale
Abfederung vorsehe und es Ausnahmen für chronisch kranke Patienten,
sowie sozial Bedürftige und Hochrisikopatienten gebe, so Pjeta.
Außerdem müsse eine jährliche Obergrenze eingeführt werden. Sonst
würden jene Patienten, die aufgrund ihres Krankheitsbildes häufiger
den Arzt aufsuchen müssen, indirekt für ihre Krankheit bestraft.

"Bei einem generellen Selbstbehalt für alle ist Vorsicht geboten,
denn eine Zuzahlung in dieser Form bedeutet tendenziell eine
Zugangsbarriere für notwendige medizinische Behandlungen", betonte
der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta.
"Aus medizinischer Sicht darf durch einen Selbstbehalt aber niemand
abgehalten werden, eine notwendige Behandlung in Anspruch zu nehmen
oder auf die lange Bank zu schieben. Denn auf diese Weise könnten
Krankheiten möglicherweise verschleppt werden und sich verschlimmern
oder überhaupt zu spät erkannt werden." (Schluss)

Rückfragehinweis: Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 512 44 86

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