"Neues Volksblatt" Kommentar: "Spiegelbilder" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 8. Jänner 2002

Linz (OTS) - =

Zum einen harsch, zum anderen relativ unaufgeregt:
Alfred Gusenbauers Reaktion auf das 10-Punkte-Programm der ÖVP glich gestern einem Wechselbad - mit nicht nur taktisch zu verstehenden Signalen in Richtung Reform- und Regierungsbeteiligungsbereitschaft. Die Indizien mehren sich, dass der bisherige Oppositions-Chef seiner Partei tatsächlich einen Reformkurs Marke Tony Blair verordnen und im Regierungsboot Platz nehmen möchte. Unverändert fraglich bleibt, ob die Partei bereit ist, ihrem Chef auf diesem Weg zu folgen. SPÖ-Länder- und Gewerkschaftsreaktionen sprechen deutlich dagegen. Dass Gusenbauer die vom Wähler nicht belohnten Wahlkampftöne der SPÖ nach dem Parteipräsidium aufs Tapet bringen musste, ist nicht zuletzt auf deren Handschrift zurückzuführen. Bei den Grünen hat die vergleichbare innerparteiliche Zerreißprobe zum Abbruch der Sondierungen mit der ÖVP geführt.
Die Option Schwarz-Blau legt angesichts der SPÖ-Widerstände wieder an Gewicht zu. Allerdings übernehmen in der FPÖ spiegelbildlich (und von vielen ÖVP-Politikern unvergessen) "Knittelfelder" und Kärnten die Rolle der Zerreißproben und Unsicherheitsfaktoren - bei allen "Bravheits-Gelübden" der Bundesspitze. Die Zeit der Klarstellungen ist rundum noch nicht abgelaufen.

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