"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Auf gutem Weg" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 8. Jänner 2003

Innsbruck (OTS) - Nach gewonnener Wahl formuliert es sich allemal leichter und forscher als im Buhlen um Stimmen. Die Debatte über eine langfristige Sicherung des Pensionssystems hat mit den jüngsten ÖVP-Forderungen neuen Schwung bekommen. Taugliche Voraussetzungen, um in absehbarer Zeit in die Zielgerade überfälliger Entscheidungen zu kommen? Die Zweifel bleiben erheblich. Schnellschüsse, um lange Aufgeschobenes zu entschärfen, Reformwillen zu zeigen, das Problem aber nicht grundsätzlich zu lösen?
Pensionisten Sicherheit bieten, war bisher hoch gehaltenes Motiv. Nach Lage der Dinge wäre es mindestens so wichtig, den jüngeren, noch im Arbeitsleben Stehenden klare Perspektiven über Mögliches und Notwendiges zu geben. Wieviele Säulen werden es tatsächlich sein müssen, um der Generation der heute Dreißigjährigen dereinst das Auskommen im Alter zu sichern?
Der aus dem Budget finanzierte staatliche Pensionszuschuss wird ohne Gegensteuern von derzeit 10 bis 11 Mrd. Euro bis 2010 um 58 Prozent auf 16 bis 17 Mrd. Euro anwachsen. Die Fakten in einer zur Kinderlosigkeit tendierenden Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung sind in ihrer ganzen Brisanz hinlänglich bekannt. Um grundlegende Konsequenzen aber hat die Politik hierzulande bisher einen weiten Bogen gemacht. Auch das auf seinen Reformwillen so stolze ÖVP/FPÖ-Tandem kam über kleine Schritte nicht hinaus. Und es dominiert immer wieder die einseitige Bestandsaufnahme. Gebetsmühlenartig wird auch in der aktuellen Debatte wiederholt, dass die Österreicher zu früh ihren Ruhestand antreten. In den allermeisten derartigen Analysen wird aber kommentarlos ausgeklammert, wie lange es schon schlechter Brauch von Staat und Unternehmen ist, ältere Arbeitnehmer auf diese Weise mit beträchtlichen Kosten für die Allgemeinheit zu "entsorgen".

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