"Neues Volksblatt" Kommentar: "Doppeltöne" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 28. Dezember 2002

Linz (OTS) - =

Der Appell des obersten Christgewerkschafters, Fritz
Neugebauer, zur stärkeren Einbindung der Sozialpartner hat angesichts der vor der künftigen Regierung liegenden Herausforderungen einiges für sich: Reformen im Gesundheitswesen oder im Pensionssystem sind zweifellos leichter mit den Interessensvertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu machen als gegen sie. Ob sie nicht nur leichter, sondern auch besser zu machen sind, ist wiederum die große Herausforderung an die Sozialpartner selbst. Die Grundfrage dabei ist, wie diese ihr zweifellos vorhandenes Wissen über gesellschaftliche und budgetäre Realitäten nutzen: Nehmen sie den Kampf um die Zukunft aktiv auf, wird Österreich das jedenfalls gut tun. Verweigern sie dagegen deren Kenntnisnahme, begeben sie sich in ein starres Beschützen der viel zitierten wohl erworbenen Rechte -und vergessen, dass jene, die danach kommen, auch noch die Möglichkeit haben wollen, eines Tages auf "Wohlerworbenes" blicken zu können. Dass die SPÖ-Gewerkschaftsfraktion sich aus den Regierungssondierungen so betont heraushält, lässt diesbezüglich nicht unbedingt Positives erahnen. Neugebauers Appell muss daher in doppelter Hinsicht interpretiert werden: an die Regierung ebenso wie an seine Gewerkschaftskollegen.

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