Pjeta zum Jahreswechsel: Hoch betagte und mehrfach kranke Menschen nicht vergessen!

Solidarität der neuen Regierung eingefordert - Vordringliches Problem der nächsten Legislaturperiode

Wien (OTS) - Eine gesundheits- und sozialpolitische Zeitbombe
sieht der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, im stark wachsenden Anteil hoch betagter und mehrfach kranker Menschen in Österreich. "Ich halte die medizinische Versorgung und Pflege dieser Leute für eines der vordringlichsten Probleme, die Gegenstand der laufenden Verhandlung zur Bildung einer neuen Regierung sein müssen", so der höchste Ärztevertreter am Freitag in einer Aussendung anlässlich des bevorstehenden Jahreswechsels.

Eine Lösung zeichnet sich nach Ansicht Pjetas zur Zeit nicht ab, da der Politik "entweder die Brisanz dieser Frage nicht gänzlich bewusst ist, oder dieses Thema beiseite geschoben wird". Dabei hänge die Betreuung multimorbider, hilfsbedürftiger Senioren über 80 Jahre völlig in der Luft, da sie aufgrund ihres Befindens weder ins Spital, noch notwendigerweise in ein Pflegeheim gehören. Pjeta fordert österreichweit professionelle Kooperationen zur Versorgung dieser alten Menschen. Dadurch sollten pflegerische, medizinische und soziale Bedürfnisse im häuslichen Umfeld zusammen mit den Angehörigen abgedeckt werden. Der Kammerpräsident: "Die alten Mitbürger haben ein Recht auf verständnisvolle und solidarische Unterstützung der Gesellschaft." Im Gegensatz dazu hat der Ärztepolitiker den Eindruck, dass das Anliegen dieser hoch betagten Menschen von der Politik aus Finanzierungsgründen vernachlässigt werde. Pjeta verweist in diesem Zusammenhang auf ein "finanzielles und organisatorisches Defizit", in dem sich die medizinische Hauskrankenpflege befinde. Die Ärzte wollten sich, so Pjeta, verstärkt für die Senioren einbringen, wenn auch von sozialen Einrichtungen, etwa den Krankenkassen, diesem Vorhaben entsprechendes Gewicht beigemessen werde.

Starker Anstieg bei sehr alten Menschen

Um den Sachverhalt zu verdeutlichen, bezieht sich der Ärztepräsident auf die jüngsten Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Demnach errechnet die Statistik Österreich eine Zunahme der über 80-Jährigen von 1,8 Prozent im Jahre 1960 auf 3,8 Prozent im Jahr 2002. Pjeta: "Ich erwarte, dass sich dieser Trend deutlich beschleunigt, sodass in den nächsten zwei Jahrzehnten mit einem Anteil von fast zehn Prozent an über 80-Jährigen in der Bevölkerung zu rechnen ist." Bemerkenswert ist auch die Entwicklung der über 60-Jährigen: 1960 waren es 18,46 Prozent, 2002 21,2 Prozent, 2015 werden es 24,9 und 2030 32,2 Prozent sein.

Angesichts dieser Entwicklung fordert Pjeta ein "ausgeprägtes Problembewusstsein" bei den laufenden Regierungsverhandlungen, das sich in einer entsprechenden Wertung dieses Kapitels in der Politik der kommenden Legislaturperiode nachdrücklich niederschlagen müsse. (Schluss)

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