- 20.12.2002, 22:12:06
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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Das System kippt" (Von Claus Reitan)
Innsbruck (OTS) - ensionsreform: Dahinter verbirgt sich nicht
weniger als die Schicksalsfrage der Gesellschaft. Und ob die
Pensionsreform gelingt, wird das Maß jeglicher Koalitionsregierung
sein. Denn das System droht zu kippen.
Die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft diktiert der Politik
geradezu die Notwendigkeit einer Reform von Renten und Pensionen. Die
Lebenserwartung der Österreicher ist in den letzten fünfzig Jahren
von 64 auf 78 gestiegen. Da das gesetzliche Pensionsantrittsalter nur
geringfügig angehoben wurde, sind wir alle länger in Pension. Da
zugleich die Erfordernisse und Möglichkeiten von Bildung und
Ausbildung zunahmen, gehen junge Leute heute erst später in das
Erwerbsleben als etwa vor fünfzig Jahren. Nach dem Motto: Nicht nach
Lehre oder Matura beginnt das Berufsleben und Beitragszahlen, sondern
nach Uni oder Fachhochschule. Wie soll es sich ausgehen, bei einer
Lebenserwartung von achtzig Jahren nach nur 35 Jahren an
Pflichtversicherung in Pension zu gehen? Da lebt jemand länger von
der Leistung anderer als von der eigenen. Das untergräbt den
Generationenvertrag, den Ausgleich zwischen Zahlern und Empfängern.
Die Veränderung in der Bevölkerungsstruktur diktiert zugleich das
enorme Tempo, unter dem Pensionsreform stattzufinden hat. Derzeit
kommen auf 1000 Versicherte 619 Pensionen, ohne Änderung des Systems
bis 2050 schon 862 Pensionen. Da erhält nahezu ein Aktiver einen
Rentner. Auf das wenig freundliche Miteinander der Generationen
können wir uns, unterbleiben Reformen, schon jetzt einstellen. Denn
bereits heute entfallen in den EU-Staaten 45 Prozent der gesamten
Sozialausgaben auf Leistungen wegen Alters oder an Hinterbliebene.
Alleine in den Dokumentationen der Brüsseler Kommission findet sich
ein halbes Dutzend aktueller Papiere zu den Pensionen in Europa.
Diese sprechen auch für Österreich eine klare Sprache: "Das hohe
Niveau der Aufwendungen für Renten und der zu erwartende bedeutende
Anstieg der Ausgaben stellt die öffentlichen Finanzen vor erhebliche
Herausforderungen."
Höflich, wie Experten sein können, begrüßen diese die angekündigten
Reformabsichten der österreichischen Regierung. Wir auch.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 12/53 54, DW 601
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