OÖNachrichten 20. Dez. 2002 "Ohne Messer geht es nicht" von Dietmar Mascher

Wer will alle Jahre eine Pensionsreform-Diskussion? Niemand. Und wenn sie aber kommt? Dann laufen wir davon. Flüchten uns in Beteuerungen, dass eh alles sicher ist. Oder versuchen zu beteuern, dass man mit dem Drehen an ein paar Rädchen alles richten kann. Ein wenig länger arbeiten, ein bisschen weniger Pension und bei den Beiträgen müsste sich auch noch etwas nach oben bewegen. Und alles wird gut!
Klingt nach Leni Riefenstahl, die zum 100. Geburtstag versucht, mit etwas Rouge wieder eine pfirsichglatte Gesichtshaut zu bekommen. Tatsächlich muss beim Pensionssystem nicht das Gesicht ausgewechselt werden, aber das Chirurgenmesser wird wohl Verwendung finden müssen. Die Statistiker des Landes Oberösterreich führen eindrucksvoll vor Augen, dass es nicht lukrativ ist, bis zum Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters (65 und nicht 61,5 Jahre, wie viele glauben) arbeiten zu gehen, sondern früher aufzuhören. Lesen Sie bitte dazu auch den Bericht auf Seite 3. Wer früher in Pension geht, bekommt zwar monatlich weniger Pension, aber dafür durchschnittlich viel länger.

Es muss also gelingen, wirkliche Anreize zu schaffen, länger zu arbeiten. Dann kann man sich die Diskussion um die Anhebung des Pensionsantrittsalters ersparen. Wer früher geht, bekommt deutlich weniger. Wer länger arbeitet G etwa bis 70 s soll deutlich mehr bekommen. Das lässt sich sehr genau berechnen. Soziale Härten kann man dabei immer noch ausgleichen. Wie viel dem Gesetzgeber Kindererziehung oder die Pflege älterer Angehöriger wert ist, lässt sich auch in einem solchen System darstellen.
Was die DEs wird schon irgendwie gehen9-Verharmloser immer
tunlichst verschweigen: Auch wenn die Beiträge gleich bleiben, würde der Bundesbeitrag zur Absicherung des Umlagesystems bis 2030 um mehr als 150 Prozent steigen.

Wer nach Anamnese und Diagnose im Fall Pensionssystem zum Schnitt ansetzt, muss freilich zwei sehr wesentliche Dinge berücksichtigen. Zum einen die Stellung der Frauen. Rein versicherungsmathematisch und damit objektiv betrachtet, Y müsste ihre monatliche Bruttopension niedriger sein als jene der Männer. Schließlich leben sie statistisch länger, gehen aber dafür früher in Pension. Es ist anzunehmen, dass die Politik dies anders regeln will. Das wäre etwa möglich, wenn man eine allgemeine Lebenserwartung errechnet. Zweiter Punkt ist das Lebenseinkommen. Ändert sich nichts daran, dass ältere Arbeitnehmer im Vergleich zu anderen außerordentlich teuer bleiben, werden Arbeitgeber weiterhin dazu verleitet, sich von ihnen zu trennen. Dann werden Arbeiter und Angestellte eben nicht in Frühpension oder Arbeitslosigkeit geschickt, sondern in eine Rente mit außerordentlich hohen Abschlägen.
Da sich aber mittelfristig ein Arbeitskräftebedarf ergibt, wird eine längere Arbeitsdauer ohnehin wahrscheinlicher.

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