Nachfrageorientierte Qualifizierungen für Arbeitslose

Linz (OTS) - Obrovski: "Über die Zukunft des Arbeitsmarktes entscheiden keine Erwartungen, sondern Handlungen."

Das Arbeitsprogramm des AMS OÖ sieht für 2003 einen Fördermitteleinsatz von Euro 88,59 Mio. vor (2002: Euro 85,61 Mio.). Einen Schwerpunkt setzt das AMS OÖ durch die Forcierung von bedarfsgerechten Fachausbildungen für Arbeitslose. Trotz unsicherer Konjunkturaussichten geht das AMS OÖ davon aus, dass es 2003 zu keinem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt.

Das schwache Wirtschaftswachstum führte heuer zu einem unerwartet hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit sowohl im Bundesgebiet als auch in Oberösterreich. Für 2002 rechnet das AMS OÖ mit einem Jahresdurchschnittsbestand von 26.950 Arbeitslosen (2001: 22.875) und einer Quote von 4,8 % (2001: 4,1 %). 2003 wird die Arbeitslosigkeit vermutlich auf dem Niveau von 2002 verharren. Ein Zuwachs an Arbeitsplätzen ist vor allem in den Bereichen Wirtschaftsdienste, Gesundheit und Soziales sowie Handel und Reparatur zu erwarten. In drei von vier Fällen sind es zusätzliche Arbeitsplätze für Frauen. Mit Arbeitsplatzverlusten ist im Bauwesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung zu rechnen. Nach Qualifikationen betrachtet werden sich die Beschäftigungschancen für Personen mit Pflichtschulabschluss und mit Hochschulabschluss etwas verringern.

Knackpunkt Vormerkdauer

"Im freundlichsten Szenario prognostiziert ein Forschungsinstitut für Oberösterreich 400 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt weniger, im vorsichtigsten 1200 Arbeitslose mehr als heuer. Eine Prognose mit dieser Schwankungsbreite kann nicht fehlgehen. Statt sich an Vermutungen über das Kommende zu beruhigen oder sich davon nervös machen zu lassen ist es zweckmäßiger, energisch die Ziele zu verfolgen, die das AMS OÖ sich für 2003 gesetzt hat. Über die Zukunft des Arbeitsmarktes entscheiden keine Erwartungen, sondern Handlungen", umreißt Landesgeschäftsführer Roman Obrovski die Strategie des AMS OÖ. "Um unseren Beitrag zur bestmöglichen Entwicklung des Arbeitsmarktes in Oberösterreich auch im nächsten Jahr zu leisten, müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Wir setzen weiter am archimedischen Punkt der Arbeitsmarktpolitik an: an der Vormerkdauer."

Während die Vormerkdauer heuer erstmals wieder etwas anstieg (von 74 auf 80 Tage), blieb sie österreichweit auf dem gleichen (jedoch deutlich höheren) Niveau von 137 Tagen. Für 2003 peilt das AMS OÖ durch die gezielte Beschleunigung der Vermittlung eine Reduktion der Vormerkdauer an.

Bedarfsgerechte Fachausbildungen

Gemeinsam mit dem Land OÖ plant das AMS OÖ für 2003 u.a. bedarfsgerechte Fachausbildungen für 700 Arbeitslose. Die Angebote sind am Bedarf der Unternehmen ausgerichtet und setzen Schwerpunkte in den Bereichen

  • Gesundheit (AltenfachbetreuerInnen, HeimhelferInnen)
  • Tourismus (Grundkenntnisse in Küche, Service und Etage; Englisch, Italienisch)
  • Informations- und Kommunikationstechnologie (Level 3 und 4)
  • Metall (Weiterqualifizierungen nach Lehrabschluss; Grundausbildung für Hilfs- und Anlernkräfte)
  • Transport (Führerschein C und E; Zusatzqualifikationen)

Ein Teil dieser Förderungen wird über Implacement-Stiftungen ablaufen. "Die Ziele für 2003 sind ambitioniert, aber nicht unrealistisch", resümiert Obrovski. "Der Erfolg hängt nicht zuletzt vom zielorientierten Engagement jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters des AMS OÖ ab."

AK OÖ: Steigende Arbeitslosigkeit erfordert mehr Geld für Qualifizierung

Auch wenn Oberösterreich im Bundesländervergleich an der Spitze liegt, die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in unserem Bundesland war 2002 alles andere als erfreulich. 25.145 vorgemerkte Arbeitslose Ende November bedeuten im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um knapp 1700 Personen (+ 7,2 %). Gegenüber November 2000 hat sich die Zahl der Arbeitslosen sogar um 5333 erhöht (+ 26,9 %). Und auch für das kommende Jahr ist überschwänglicher Optimismus nicht angebracht.

Seit August 2001 hat dieser enorme Anstieg der Arbeitslosigkeit allein in Oberösterreich mehr als 40 Millionen Euro an zusätzlichem Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe gekostet - Mittel, die für Schulungsmaßnahmen wirkungsvoll verwendet hätten werden können.

Das oberösterreichische Förderbudget für aktive Arbeitsmarktpolitik wurde seit dem "Rekordjahr 1999" um ein Sechstel (rund 15,6 Millionen Euro) gekürzt. Massive Kürzungen bei Schulungsmaßnahmen und Beschäftigungsprojekten konnten mit Hilfe des Landes Oberösterreich verhindert werden. 2003 wird das Budget des AMS den Wert des Jahres 2000 erreichen, die Arbeitslosigkeit ist seither aber um über ein Viertel gestiegen.

Schon jetzt - in einer schwachen Konjunkturphase - ist es für die berufliche Wiedereingliederung notwendig, in die Höherqualifizierung der Arbeitslosen zu investieren. Damit es - wenn der Wirtschaftsmotor wieder anspringt und Betriebe wieder verstärkt Mitarbeiter suchen -möglichst keine Kluft zwischen den geforderten Qualifikationen und den verfügbaren Kenntnissen der Arbeitslosen gibt.

Rund 45 % der Arbeitslosen haben keine Ausbildung, die über die Pflichtschule hinaus geht. Bei dieser Zahl wird deutlich, welch großen Stellenwert das Nachholen eines Berufsabschlusses bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit hat. Handlungsbedarf besteht daher in Richtung Ausweitung des Qualifizierungsangebotes für Arbeitslose. Entscheidend ist auch, dass für die Zeit der Schulungen eine ausreichende existenzielle Absicherung sichergestellt ist. Nur so können sich weiterbildungswillige Arbeitslose die Teilnahme an länger dauernden Ausbildungskursen auch leisten.

Die Finanzierung einer Ausbildungsoffensive für Zehntausende Arbeitslose ist gesichert,

- wenn die Bundesregierung künftig davon Abstand nimmt, dem AMS Milliarden zur Finanzierung des Bundesbudgets zu entziehen,

- wenn die Mittel von reiner Finanzierung von Arbeitslosigkeit in Richtung aktiver Arbeitsmarktpolitik umgelenkt werden,

- wenn auf die geplante Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages (Lohnnebenkosten-Senkung) zugunsten einer Ausweitung von Qualifizierungsmaßnahmen verzichtet wird.

Davon profitieren nicht nur die betroffenen Arbeitslosen, sondern auch die Betriebe, die dann gut ausgebildete Fachkräfte bekommen, und auch der Finanzminister in Form höherer Steuern und Beiträge. Das vorliegende Arbeitsprogramm für 2003 passt zu dieser Zielrichtung. Wir brauchen aber mehr Rückenwind in den Segeln, um schneller voran zu kommen.

...WK OÖ: Rasche Vermittlung hat Vorrang

Auch wenn die Lage am Arbeitsmarkt gegenwärtig insgesamt nicht einfach ist, steht Oberösterreich vergleichsweise gut da: Unser Bundesland hat österreichweit gesehen die niedrigste Arbeitslosenquote, wobei die Bezirke Eferding, Rohrbach und Freistadt sogar bundesweit an der Spitze liegen. Dazu kommt noch, dass unser Bundesland auch in diesem Jahr wiederum einen realen Beschäftigtenzuwachs aufweisen kann. Aus der Sicht der Wirtschaft ist zu betonen, dass 70 % der Arbeitnehmer in gewerblichen Arbeitgeberbetrieben beschäftigt sind, womit sich der gewerbliche Mittelstand einmal mehr als das verlässliche Rückgrat der Beschäftigung erweist. Aus der Sicht der Wirtschaft ist es wichtig, nicht passiv auf den prognostizierten Aufschwung 2003 zu warten, sondern mit den Mitteln der aktiven Arbeitsmarktpolitik alles zu tun, um die Restarbeitslosigkeit zu reduzieren bzw. zukünftige Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Da das WIFO bis zum Jahre 2008 einen Arbeitskräftebedarf von 165.000 prognostiziert, wird es auch darum gehen, der Wirtschaft durch geeignete Maßnahmen die fehlenden Fachkräfte zuzuführen.

Die Wirtschaftskammer steht hinter dem Arbeitsprogramm 2003 des AMS OÖ mit seinen sehr ambitionierten Zielen. Hervorzuheben sind dabei vor allem jene Ziele und Maßnahmen, die ältere Arbeitslose sowie arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren möglichst rasch wieder in Beschäftigung bringen sollen. Dabei hat für die Wirtschaft grundsätzlich Vermittlung (= möglichst kurze Verweildauer in der Arbeitslosigkeit) Vorrang. Gleichzeitig muss dort - wo die Bereitschaft und Fähigkeit des Arbeitslosen dazu gegeben ist - auch die Qualifizierung eine wichtige Rolle spielen. Dies ist aber insbesondere arbeitsplatzbezogen und nicht abstrakt durchzuführen, wobei sich das Instrument der Implacementstiftung in der Vergangenheit als durchaus wirkungsvoll erwiesen hat. Weiters ist darauf zu achten, dass Arbeitslose nach Möglichkeit dem ersten Arbeitsmarkt zugeführt werden, wobei betriebliche Direktförderungen wie z.B. Eingliederungsbeihilfen erfahrungsgemäß die zielführendsten Hilfen sind. Wenn es um wirksames arbeitsmarktpolitisches Engagement geht, ist aus der Sicht der Wirtschaft insbesondere auch das Land Oberösterreich hervorzuheben: In keinem anderen Bundesland werden die arbeitsmarktpolitischen Ideen und Vorschläge des AMS und der Sozialpartner so unterstützt wie in Oberösterreich.

Abschließend sei noch auf das 9-Punkte-Programm der Wirtschaftskammer Oberösterreich verwiesen, mit dem in der Arbeitsmarkt- politik neue Wege bestritten werden sollen. Wir setzen auf eine Lockerung des Berufsschutzes und eine stärkere Sanktionierung jedes Sozialmissbrauchs. Hinsichtlich des AMS schlagen wir vor, jene AMS-Mitarbeiter, die bei der Vermittlung Arbeitsloser besonders erfolgreich sind, zu prämieren bzw. überhaupt den Vermittlungsbereich zu Lasten des administrativen Sektors zu stärken. Ebenso sollten die unmittelbaren Betriebskontakte der wichtigen AMS-Serviceeinheit 'Service für Unternehmen' forciert werden. Das zeigt sich nämlich sehr deutlich, dass direkte Betriebskontakte zu klar besseren Vermittlungsergebnissen und damit zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen.

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Sigrid.Prentner@400.ams.or.at bzw
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