Mitterlehner: "68 % der Betriebe fühlen sich über Abfertigung Neu gut informiert"

Studie der Wirtschaftskammer zeigt Informationsbedarf bei Angeboten der Mitarbeitervorsorgekassen - Entscheidungen müssen nicht übereilt getroffen werden

Wien (PWK922) - "Von übereilten Entscheidungen ist abzuraten", fasste heute, Dienstag, Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär-Stv. der Wirtschaftskammer Österreich, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Karl Bruckner, Vorsitzender des Fachsenats für Steuerrecht der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, den Vorbereitungsstand zur Abfertigung Neu zusammen. "Auch wenn sich bis heute erst 18 % entschieden haben, welche Mitarbeitervorsorgekasse sie wählen, sind unsere Unternehmen auf die Abfertigung Neu gut vorbereitet", bezog sich Mitterlehner auf die Ergebnisse einer im Auftrag der Wirtschaftskammer erstellten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts market, wonach 68 % der befragten Unternehmen angaben, über die Neuregelungen sehr gut bis gut informiert zu sein. Auf die Fristen für Entscheidungen angesprochen hielt Bruckner fest: "Eine Kasse muss erst ausgewählt sein, wenn neue Mitarbeiter eingestellt werden oder bestehende Arbeitsverhältnisse wechseln. Da der erste Monat beitragsfrei ist, ist ein Beitrag erstmalig am 15. März fällig." Und sollte auch bis dahin keine Lösung gefunden worden sein, so wird das Geld auf dem Konto der Gebietskrankenkasse zwischengeparkt. Bruckner weiters: "Auch die Entscheidung zur steuerfreien Auflösung von Abfertigungs-Rückstellungen muss erst bei Abgabe der Steuererklärung erfolgen. Das kann für das Jahr 2002 bis März 2004 erfolgen." Nachbesserungsbedarf sieht Mitterlehner für die Aktienquote beim Zukunftsvorsorgemodell für Unternehmer. "Sie soll auf 40 % gesenkt werden, um die Performance auch in Zeiten stagnierender Aktienkurse erzielen zu können."

Laut Umfrage der Wirtschaftskammer ist die Akzeptanz für die Neuregelung unter den heimischen Betrieben stark gestiegen. 47 % sehen heute positive Effekte in der Abfertigung Neu, im Jahr 2001 waren es erst 31 %. Knapp zwei Drittel (61 %) sind mit der Neuregelung zufrieden. Dennoch herrscht derzeit eher geringe Bereitschaft für den Wechsel ins neue Abfertigungssystem. Mitterlehner: "Nur ein Fünftel plant derzeit den Umstieg. Doch hochgerechnet und unter Berücksichtigung der jährlich rund 400.000 neuen Dienstverhältnisse, werden bis Ende 2004 die Hälfte der Dienstverhältnisse, sprich rund 1,5 Mio. Arbeitnehmer im neuen System sein."

Was die Form des Wechsels in das neue System betrifft, bevorzugen die Unternehmen derzeit die Übertragungsvariante. Mitterlehner: "50 % der wechselbereiten Unternehmen wollen die Variante des Vollübertritts wählen. Nur 25 % entscheiden sich derzeit für das Einfrieren der Alt-Anwartschaften." Die Wirtschaftskammer sieht darin eine Bestätigung für den hohen Flexibilitätsgrad der Neuregelung, da mit dem Vollübertritt alle Verpflichtungen des Unternehmens erfüllt sind.

Für eine sorgfältige Prüfung der Option des Auflösens von Abfertigungs-Rückstellungen sprach sich Bruckner aus. Derzeit tendieren einige Betriebe zum Nicht-Auflösen, ein Großteil ist noch unentschieden. Als Faustregel für die steuerfreie Auflösung nennt Bruckner zwei Kriterien: "Die Auflösung empfiehlt sich wenn im Folgejahr viele Übertragungen geplant sind oder wenn im Betrieb hohe Fluktuation besteht." Die Möglichkeit zur steuerfreien Auflösung der gesamten Abfertigungsrückstellungen besteht für die Wirtschaftsjahre 2002 und 2003 und muss in den jeweiligen Steuererklärungen geltend gemacht werden. (AB)

Die geringe Entscheidung für eine Mitarbeitervorsorgekasse führt Mitterlehner auch auf die wettbewerbsbedingten wechselnden Konditionen zurück. "Hier appellieren wir an die Mitarbeitervorsorgekassen die heute günstigeren Konditionen auch jenen Unternehmen zukommen zu lassen, die sich schon sehr früh für eine Kasse entschieden haben. Für Neuabschlüsse empfehlen wir unseren Mitgliedsbetrieben eine entsprechende ‚Bestklausel‘ in ihren Vertrag aufzunehmen."

Dass sich 68% der Unternehmen generell über die Bestimmungen informiert fühlen, führen Mitterlehner und Bruckner auch auf die intensive Kooperation zwischen Wirtschaftskammer und Kammer der Wirtschaftstreuhänder im Informationsbereich zurück. Als neuestes Informationsprodukt präsentierte Mitterlehner ein Programm das als Entscheidungshilfe für den Umstieg ins neue System dient. Die CD-ROM kann via Internet unter wko.at/abfertigungneu oder direkt bei der Wirtschaftskammer Österreich (Tel. 0800221220) bestellt werden.

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Dr. Alexander Biach
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