OeNB - Gesamtwirtschaftliche Prognose der Oesterreichischen Nationalbank für die Jahre 2002 - 2004

OeNB Vize-Gouverneurin Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell sieht Konkunkturaufschwung Mitte 2003

Wien (OTS) - "Wir erwarten eine spürbare Belebung der
ökonomischen Aktivität in Österreich erst um die Jahresmitte 2003, was auf die nach wie vor schleppende Erholung der internationalen Konjunktur und die schwache inländische
Nachfrage zurückzuführen ist", sagte Vize-Gouverneurin
Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell bei der Präsentation der Herbstprognose 2002 der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). "Nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich im
Jahr 2002 voraussichtlich um 0,8% wachsen wird, kann für die
Jahre 2003 und 2004 mit einem Wachstum von 1,6% und 2,2%
gerechnet werden", fügte sie hinzu.

Der Preisauftrieb hat sich im Jahr 2002 verlangsamt. Der
Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex beträgt voraussichtlich 1,8% nach 2,3% im Jahr 2001. Diese Entwicklung
ist auf die sinkenden Energiepreise und auf geringere Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln zurückzuführen. Für den Rest des Prognosezeitraums wird eine weiter leicht nachlassende Teuerung vorausgesagt (2003: 1,8%, 2004: 1,6%).

Die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich war im ersten Halbjahr 2002 durch die anhaltende internationale und heimische Konjunkturschwäche geprägt. Weder die Binnen- noch die Exportnachfrage konnte die Wirtschaftsleistung steigern. Das
geringe Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Höhe von
0,4% (im Jahresabstand) wurde nur durch den positiven Beitrag
der Nettoexporte auf Grund der starken Importrückgänge
erreicht. Für die zweite Jahreshälfte 2002 und das erste
Quartal 2003 sind weder vom Außenhandel noch von der
inländischen Nachfrage nennenswerte Konjunkturimpulse zu
erwarten.

Ab dem zweiten Quartal 2003 rechnet Tumpel-Gugerell mit
einer Festigung der internationalen Konjunktur, sodass ein
Anstieg der österreichischen Ausfuhren erwartet werden kann.
Die realen Exporte von Gütern und Dienstleistungen werden im
Jahr 2002 voraussichtlich stagnieren. Für die Jahre 2003 und
2004 wird ein reales Exportwachstum von 4,6% bzw. 6,3%
vorhergesagt. Moderate Lohnerhöhungen und eine rückläufige Beschäftigung führen dazu, dass die nominellen
Haushaltseinkommen 2002 nur im Ausmaß der Inflation steigen.
Das prognostizierte Wachstum des privaten Konsums von real 0,7%
ist daher nur durch einen weiteren Rückgang der Sparquote
möglich. 2003 wird der private Konsum dank zunehmender Beschäftigung und einer verbesserten Kaufkraft auf Grund
sinkender Inflationsraten wieder an Schwung gewinnen und voraussichtlich um 1,3% steigen. Für 2004 wird eine weitere Beschleunigung auf 2,0% erwartet.

Im Jahr 2001 (-2,2%) und im bisherigen Verlauf des Jahres
2002 war ein ausgeprägter Rückgang der Bruttoanlage-
investitionen zu beobachten. Da auch für den Rest des Jahres
2002 noch nicht mit einem Anspringen der Investitionstätigkeit gerechnet werden kann, erwartet die OeNB für das Gesamtjahr
einen nochmaligen kräftigen Rückgang (-3,3%). Darauf weisen
auch die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen, allen voran
die Auftragserwartungen, hin.

Ab Mitte 2003 wird die erwartete Verbesserung der Exporte
auch die Investitionstätigkeit stimulieren. Mit weiteren
Impulsen kann durch Investitionsprämien und durch die Ersatzinvestitionen in Folge des Hochwassers gerechnet werden.
Für die Jahre 2003 und 2004 wird ein Wachstum der Investitionen
von 2,5% und 4,2% erwartet.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt war im Jahr 2002, so die
OeNB Vize-Gouverneurin, durch rückläufige Beschäftigtenzahlen (-0,4%) und durch eine steigende Arbeitslosenquote (4,1% nach
3,6% im Jahr 2001) gekennzeichnet. Eine spürbare Verbesserung
der Situation am Arbeitsmarkt ist erst in der zweiten
Jahreshälfte 2003 zu erwarten. Die OeNB prognostiziert einen Anstieg der Gesamtbeschäftigung um 0,3% im Jahr 2003 und um
0,8% im Jahr 2004. Der erwartete parallele Anstieg des Arbeitskräfteangebots lässt die Arbeitslosenquote im Jahr 2003 allerdings stagnieren. Erst 2004 wird wieder mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,0% gerechnet.

Der Saldo der Leistungsbilanz hat sich als Folge der rückläufigen Importentwicklung im Jahr 2002 auf -1,8% des nominellen BIP verbessert, nachdem bereits im Jahr 2001 eine spürbare Verbesserung um 0,5 Prozentpunkte auf -2,2% stattfand.
Da im Zuge des Aufschwungs auch die Importe wieder kräftiger wachsen werden (2003 um 4,4% und 2004 um 6,8% nach -1,9% im
Jahr 2002), wird sich das Leistungsbilanzdefizit in diesen
beiden Jahren wieder etwas ausweiten und bis 2004 2,1% des BIP erreichen.

Hauptergebnisse der OeNB-Herbstprognose 2002

2001 2002 2003 2004 --------------------------------------------------------------- Wirtschaftliche Aktivität Veränderung zum VJ in% (real) Bruttoinlandsprodukt ............ +0,7 +0,8 +1,6 +2,2 Importe insgesamt ............... +5,9 -1,9 +4,4 +6,8 Exporte insgesamt ............... +7,4 -0,1 +4,6 +6,3 Privater Konsum ................. +1,5 +0,7 +1,3 +2,0 Öffentlicher Konsum ............. -0,5 +0,3 +0,8 +0,8 Bruttoanlageinvestitionen ....... -2,2 -3,3 +2,5 +4,2

in % des nominellen BIP Leistungsbilanzsaldo ............ -2,2 -1,8 -1,9 -2,1

Wachstumsbeiträge zum realen BIP in Prozentpunkten
Privater Konsum ................. +0,8 +0,4 +0,7 +1,1 Öffentlicher Konsum ............. -0,1 +0,1 +0,2 +0,1 Bruttoanlageinvestitionen ....... -0,5 -0,8 +0,5 +0,9 Inlandsnachfrage(exkl.Lagerveränd.)+0,2 -0,3 +1,4 +2,2 Nettoexporte .................... +0,8 +0,9 +0,2 -0,1 Lagerveränd.(inkl.stat.Diskrepanz) -0,3 +0,2 +0,0 +0,1

Preise Veränderung zum Vorjahr in % Harmon.Verbraucherpreisindex .... +2,3 +1,8 +1,8 +1,6 Deflator des privaten Konsums ... +2,0 +1,7 +1,5 +1,6 Deflator d.Bruttoinlandsprodukts +1,6 +0,8 +1,1 +1,3 Lohnstückk.i.d.Gesamtwirtschaft . +2,6 +0,8 +1,0 +1,3 Arbeitnehmerentgelte je
Arbeitnehmer (z.laufenden Preisen) +3,1 +2,1 +2,3 +2,7 Produktivität i.d.Gesamtwirtschaft +0,5 +1,2 +1,3 +1,4 Arbeitnehmerentgelte je
Arbeitnehmer (zu Preisen von 1995) +1,1 +0,4 +0,8 +1,1 Importpreise .................... -0,2 +0,4 +0,6 +1,3 Exportpreise .................... -0,4 +0,0 -0,1 +1,4 Terms of Trade .................. -0,2 -0,3 -0,7 +0,0

Arbeitsmarkt in % Arbeitslosenquote lt. EUROSTAT .. 3,6 4,1 4,1 4,0 Veränderung zum Vorjahr in % Unselbstständig Beschäftigte .... +0,5 -0,2 +0,6 +1,0 --------------------------------------------------------------- Quelle: 2001: Statistik Austria (inkl. VGR-Revision vom Oktober 2002), 2002 bis 2004: OeNB-Prognose vom Herbst 2002 (basierend auf unrevidierten Daten).

Die Langfassung steht im Internet (http://www.oenb.at/) zur Verfügung (pdf-Dokument).

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