Föhrenbergkreis befragt Parteien zu systemischen Behinderungen im Unternehmen Österreich

Föhrenbergkreis nimmt Parteien im Sinne von gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit in die Pflicht: "Ritual des Schutzes 'wohlerworbener Rechte' in den Interessenvertretungen"

Der Föhrenbergkreis nützt die inhaltliche Sensibilisierung der Parteien in der Phase der Regierungsverhandlungen, indem er von allen Parteichefs konkrete Positionierungen zu 30 diagnostizierten "systemischen Behinderungen im Unternehmen Österreich" einfordert. Damit soll ein Anstoß zu einem Regierungsprogramm im Geist gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit gegeben werden.

Die 30 in Form einer "Checklist" genannten "systemischen Behinderungen" gliedern sich in die Bereiche
1. "Die Barrieren im politischen System",
2. "Die Barrieren im Verwaltungssystem",
3. "Die Barrieren im Wirtschaftssystem",
4. "Die Barrieren im Umweltsystem",
5. "Systemische Behinderungen quer über die vorherigen Barrieren -die Fragen der Werte".

In dem Papier wird etwa darauf aufmerksam gemacht, dass "das politische System nicht mehr Abbild der organischen gesellschaftlichen Realität ist". Immer mehr Bürger fühlten sich von den Parteien und Interessenvertretungen nicht vertreten. Aufgezeigt werden auch die "Rituale des Schutzes 'wohlerworbener Rechte'", die in den auf Pflichtmitgliedschaft beruhenden Interessenvertretungen herrschten. Die Widrigkeiten aufgrund von Verquickungen zwischen Legislative und Exekutive werden erwähnt und das Verwaltungssystem wird analysiert: "Es ist nicht lösungs- und zusammenhangsorientiert. Es ist nicht bürger-, prozess- und output-orientiert, sondern tätigkeits- und verfahrensorientiert. Hausverstand ('Buon Senso') ist verpönt."

Hinsichtlich des Wirtschaftssystems wird auf das Problem eingegangen, dass sich die Kapitalbewegungen auf den Finanzmerkten immer mehr von den Prozessen der Wertschöpfung entfernen: "Börsen entfremden sich immer mehr von Plätzen der Beteiligung an Unternehmen hin zu Spekulationscasinos", heißt es in dem Papier. Der Schluss daraus sei, dass die Transmission der Mittel der Finanzwirtschaft zum Schaffen von Arbeit und damit konkreter Werte nicht mehr funktioniere. In der "Checklist" wird auch aufgeräumt mit der Vorstellung von einem Sozialstaat, der gesellschaftliche Solidarität ersetzen könnte: "Je stärker der Wohlfahrtsstaat, desto geringer die Solidarität", wird geschlossen. Die Idee des Sozialstaats verliere ihre Legitimation, wenn der Stellenwert persönlich empfundener und gelebter Solidarität abnehme.

Schließlich wird in dem Föhrenbergkreis-Papier ausgesprochen, dass "Verkehr, Energie und Entsorgung nicht mit richtigen Preisen versehen" würden. Der Schutz der Ressourcen werde zu wenig incentiviert. Das resümierende Postulat ist klar: "Dies wird zu einer neuen Kultur des Teilens führen müssen: Teilen von Arbeit, zwischen den Generationen, Teilen zwischen Nord und Süd, Frauen und Männern, Familien und Singles..."

Dr. Kurt Engleitner und Dr. Helmut F. Karner vom Föhrenbergkreis treten an die Pareichefs heran und ersuchen sie um Antwort, wie sie die formulierten Themen und Vorschläge behandeln oder behandeln werden. "Wir erwarten diese Antworten innerhalb einer angemessenen Frist, da es sich hier um die entscheidenden Zukunftsfragen unseres Landes innerhalb einer globalisierten Welt handelt", so Föhrenberkreis-Sprecher Dr. Kurt Engleitner. Die Antworten der Parteien werden am 9. Jänner 2003, 19:00 Uhr, im Rahmen der Veranstaltung "Spurensuche nach einem neuen Staat" im Haus der Industrie (Schwarzenbergplatz 4, 1010 Wien) präsentiert und diskutiert.

Der Föhrenbergkreis ist eine Runde von offenen, kritischen Unternehmern, Führungskräften, Politikern verschiedener Parteien, Freiberuflern und Universitätslehrern. Er ist parteiunabhängig und politisch engagiert. Seit seiner Gründung 1992 hat er durch zahlreiche Publikationen, Veranstaltungen und öffentlich gestellte Fragen, die "auf Problembewusstsein treffen", aufmerksam gemacht.

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