Landau wünscht sich "Mutinjektion für künftige Regierung"

Qualitätsoffensive bei den Asylbehörden, Staatssekretariat für Integration, Familienzusammenführung ohne Quote

Wien, 11.12.2002, (OTS) "Um der Menschen und der Menschenrechte willen" erwartet sich der Wiener Caritasdirektor Michael Landau "eine Qualitätsoffensive bei den Asylbehörden". Als Festredner bei der Benefizgala zum Zehn Jahres Jubiläum von "SOS Mitmensch" im Burgtheater wünschte sich Landau auch eine "Mutinjektion für jede künftige Regierung im Bereich Integration". Der Caritasdirektor erinnerte in diesem Zusammenhang an grundsätzliche Anliegen wie die Einsetzung eines Integrationsbeauftragten bei der Österreichischen, an die vollständige Harmonisierung von Aufenthalts- und Beschäftigungsrecht und forderte erneut die Familienzusammenführung aus der Quotenpflicht zu nehmen. "Weil Menschenrechte einfach nicht quotenfähig sind."

Kürzere Asylverfahren und Grundversorgung für mittellose AsylwerberInnen

Noch immer sei es Tatsache, so Landau, dass nur etwa ein Drittel der Flüchtlinge, die in einem Asylverfahren in Österreich sind, in Bundesbetreuung untergebracht werden. "Die anderen wären der Obdachlosigkeit ausgesetzt, würden nicht Organisationen wie Caritas, Diakonie und andere oder auch Landsleute einspringen", schilderte der Caritasdirektor den Alltag und stellte auch einmal mehr fest:
"Ohne Meldeadresse ist kein faires Verfahren möglich! Die Parkbank ist keine Zustelladresse für Bescheide und auch nicht der Platz unter der Brücke!"
Die neue Richtlinie des Innenministeriums, nach der Menschen aus verschiedenen Ländern von der Bundesbetreuung ausgeschlossen werden, habe die Situation dramatisch verschärft, machte Landau klar. "Ich appelliere hier an das Innenministerium einmal mehr, zum Gespräch zurückzukehren!" Und Landau weiter: "Wir können, dürfen und werden uns aber nicht damit abfinden, dass Menschen bei laufendem Asylverfahren in die Obdachlosigkeit und damit vielfach in die Illegalität gedrängt werden! Unser Platz muss in dieser Situation an der Seite der Betroffenen sein."

Österreich und Europa müssen teilen

Es gelte aber auch mehr dafür zu tun, dass viel mehr in den armen Regionen der Welt den Menschen direkt geholfen werden könne, führte der Caritasdirektor aus.
Für Landau gilt es hier auch der internationalen Verantwortung gerecht zu werden. "Die uneinnehmbare Wohlstandsfestung Europa ist eine Illusion! Wohlstandsinseln in einem Meer von Armut sind nicht auf Dauer stabil!" Landau hält eine sofortige Verdoppelung der Mittel für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit "für ein Gebot der Stunde. Und von jeder künftigen Regierung, wie auch immer sie aussieht, erwarte ich mir ein Stufenkonzept, um bis 2010 zu den paktierten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Entwicklungszusammenarbeit zu kommen."

Und Landau zitierte Kardinal Franz König: "Durch das Mensch-Sein gehören wir zusammen!" und "das Ringen um gegenseitiges Verstehen dient dem Frieden und der Verständigung, im Kleinen wie im Großen." Für Landau ein Auftrag auch für die Gesellschaft. "Bis heute geht es um eine ‚Allianz der Vernunft’, die eine neue Politik möglich machen soll! Und bis heute trifft zu: Politische Brandstiftung löst und beseitigt keine Probleme!"

SOS Mitmensch hat zurecht einen guten Namen

"SOS Mitmensch hat zurecht einen guten Namen und hat einen klaren Auftrag im Einsatz für Menschen", so der Wiener Caritasdirektor. Er dankte den Mitwirkenden und den Besuchern der Gala im Burgtheater für ihre Unterstützung eines neuen Projektes für Asylwerberinnen, das denen hilft, die ohne diese Hilfe auf der Straße stünden.

Mut zum Blick nach vorne

Landau ermunterte aber auch zum Blick nach vorne. "Sie und ich, wir dürfen uns dabei eines immer wieder auch gegenseitig durchaus ermunternd, mutmachend, manchmal auch aufrüttelnd bewusst machen: Es liegt nicht nur, es liegt aber sehr wohl auch an uns, wie die Welt aussieht, in der wir leben und wie es weitergeht, auch hier in Österreich. Wir können etwas ändern und wir sollen es auch. Oder wie Joseph Beuys es einmal gesagt hat: ‚Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen’. Gestalten wir also die Zukunft die wir wollen! Die Aufgabe lohnt sich! Danke und alles Gute zum 10. Geburtstag!" (ENDE)

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