Dirnberger fordert Ausweitung der Rezeptfreiheit auf EU-Niveau

Morgen 12. Dezember tagt die Rezeptpflichtkommission

Wien (OTS) - "Die Ausweitung der Rezeptfreiheit ist ein Gebot der Stunde", betont heute AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB-FCG-Fraktion) anlässlich der morgen stattfindenden Sitzung der Rezeptpflichtkommission. Statt z.B. weitere Selbstbehalte einzuführen, liegt in der Ausweitung der Rezeptfreiheit ein enormes Einsparungspotential bei den Gesundheitskosten in Hinblick auf die explodierenden Ausgaben der Krankenkassen bei den Medikamenten, unterstreicht Dirnberger seine Forderung nach Ausweitung der Rezeptfreiheit, die in Österreich knapp über 10 Prozent der Medikamente liegt, in Deutschland oder der Schweiz aber bei etwa 40 Prozent.

Die Rezeptfreiheit schafft nicht nur mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung für die Patienten, betont Dirnberger, sie spart der Volkswirtschaft nach Berechnungen von Experten der Uni Innsbruck bis zu 200 Millionen Euro jährlich. Nach einer Untersuchung von Univ.-Prof. Theurl vom Finanzwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck brächte dies alleine den Krankenkassen jährlich eine Einsparung von 140 Millionen Euro. Die Belastung des einzelnen Patienten hält sich dabei in Grenzen, da es sich vor allem um Medikamente handelt, die niedrige Preise haben und oft billiger sind, als die Rezeptgebühr (dzt. 4,14 Euro) beträgt. Dazu ist noch die Zeitersparnis, die sich für den Patienten durch den Wegfall des Arztbesuches ergibt, zu berücksichtigen.

Beratung beim Apotheker schafft Arzneimittelsicherheit

Dirnberger: "Die Wahlfreiheit, auch bei geringfügigen Befindlichkeitsstörungen den Arzt zu besuchen, besteht damit selbstverständlich weiter, denn auch bei einer Ausweitung der Rezeptfreiheit haben die Patienten wie bisher die Wahlfreiheit, sich das Medikament auf ein Kassenrezept vom Arzt verschreiben zu lassen. Denn rezeptfrei heißt nicht automatisch, dass das die Krankenkassen nicht mehr bezahlen. Die Patienten haben aber mit der Ausweitung der Rezeptfreiheit die Möglichkeit, sich das Medikament ohne Wartezeit beim Arzt, ohne Krankenscheingebühr und ohne Rezeptgebühr rasch in der Apotheke zu besorgen. Bei Fragen stehen den Patienten die Apotheker zur Verfügung, womit auch die Arzneimittelsicherheit gewährleistet ist. Wenn sich Patienten für den direkten Weg in die Apotheke entscheiden, liegt die Ersparnis für die Kassen darin, dass sie dem Arzt kein Honorar für die Rezeptverschreibung bezahlen müssen und sich auch die Bezahlung des Medikamentes samt dem dafür notwendigen bürokratischen Aufwand ersparen."

Selbstmedikation nur bei leichten Befindlichkeitsstörungen

Die Befürchtung, die Patienten müssten sich so besonders teure Medikamente selbst bezahlen, zerstreut Dirnberger mit dem Hinweis, dass mit diesem Argument vielmehr die Zielsetzung von mehr Rezeptfreiheit verkannt wird: Bei der Selbstmedikation geht es um Präparate, die man bei leichten Befindlichkeitsstörungen anwendet. Wenn man von den meist niedrigen Kosten dieser Präparate die Rezeptgebühr abzieht und die enorme Zeitersparnis eines Arztbesuches einrechnet, werden sich viele Patienten mit leichten Befindlichkeitsstörungen für den direkten Weg in die Apotheke entscheiden und damit den Krankenkassen enorme Kosten ersparen. Dirnberger: "Auch die Ärzte haben dadurch einen Vorteil: Sie haben mehr Zeit für ihre Patienten mit ernsthaften Erkrankungen, wenn sie vom Verschreiben derartiger Medikamente befreit werden."

Der AK-Vizepräsident fordert die im Gesundheitsministerium angesiedelte Rezeptpflichtkommission auf, endlich die Rezeptfreiheit der Medikamente dem europäischen Niveau anzugleichen.

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