Wie soll die Gesundheitsversorgung finanziert werden?

Spitzenmedizin und gute Versorgung sind Thema der neuen Ausgabe von wien.at

Wien (OTS) - Drei Viertel der WienerInnen beurteilen die
Versorgung mit ÄrztInnen und Krankenhäusern in Wien mit gut bis sehr gut. Das zeigte eine IFES-Umfrage vom August 2002. Auch die Wiener Gesundheitspolitik bekommt von der Hälfte der Befragten ein "Gut" bis "Sehr gut". In Wien stehen 28 Spitäler mit 11.700 Betten zur Verfügung, davon gehören 15 zum Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien. Er hat rund 30.000 MitarbeiterInnen, davon rund 3.000 ÄrztInnen, und verwaltet jährlich 2,2 Milliarden Euro. In den KAV-Spitälern und den Geriatriezentren werden jedes Jahr rund 380.000 Menschen stationär versorgt bzw. betreut. Und erfreulicherweise werden wir immer älter, zwischen 1950 und 1999 stieg die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich um 13 Jahre. Es steigen aber auch die Ausgaben für den Gesundheitsbereich - die medizinische Versorgung älterer Menschen kostet wesentlich mehr als die der Jungen, außerdem gibt es zahlreiche Servicedienste wie etwa Heimhilfe und "Essen auf Rädern". Mit der Frage der Finanzierung der Gesundheitsversorgung beschäftigt sich die aktuelle Dezember-Ausgabe der Stadt-Wien-Publikation wien.at.****

Und das meinen VertreterInnen der vier im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien dazu:

Pittermann: Spitzenmedizin für alle Menschen

Die erstklassige medizinische und pflegerische Versorgung der Wiener Bevölkerung muss langfristig gesichert sein. Den Fortschritt der Medizin muss die Solidargemeinschaft finanzieren, konstatiert Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SPÖ): "Ich lehne es entschieden ab, kranke Menschen noch zusätzlich zu ihrem emotionalen Leid mit Selbstbehalten zu belasten. Gesundheitliche Versorgung auf höchstem Niveau darf keine Frage des Einkommens sein."

Um sicherzustellen, dass alle Menschen in den Genuss des medizinischen Fortschritts kommen, müsse mehr Geld ins Gesundheitswesen fliessen, meint die Stadträtin, denn derzeit würden die Krankenversicherungbeiträge einzig von den Einkommen aus Erwerbstätigkeit berechnet. Pittermann will alle volkswirtschaftlichen Finanzströme, auch Aktiengewinne und Stiftungsgewinne, in die Finanzierung des Gesundheitssystems einbeziehen. Denkbar sei auch eine höhere Besteuerung krank machender Stoffe, wie Alkohol und Nikotin, die zweckgebunden dem Gesundheitssystem zugute kommen soll.

Landauer: Tatsächlichen Bedarf ermitteln

"Neue Anforderungen an die Gesundheitsversorgung gibt es vor allem im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung. Generell muss das "Recht auf Gesundheit und Rehabilitation" unabhängig vom Einkommen garantiert werden", sagt Stadträtin Karin Landauer (FPÖ).

Neben der Erhaltung der technischen Spitzenmedizin müsse die wohnortnahe, serviceorientierte Medizin im niedergelassenen Bereich etwa durch Gruppenpraxen sowie Kooperationen zwischen Ärzten und Pflegepersonal verstärkt ausgebaut werden, um damit zeitgerecht den direkten Weg zum Patienten zu finden. Dafür sei, so Landauer, die Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs mit dem Ziel der Effizienzsteigerung, der Abbau organisatorischer Barrieren sowie die koordinierte Vernetzung niedergelassener Ärzte mit Spitälern notwendig.

Hahn: Bessere Koordinierung

Mehr Gestaltungswille sei notwendig, um das Wiener Gesundheitswesen auf hohem Niveau halten zu können und den Gesundheitszustand der WienerInnen zu verbessern, unterstreicht Gemeinderat Johannes Hahn (ÖVP). Das sei auch der Auftrag an die Politik. Gefordert seien bessere Schnittstellen zwischen den niedergelassenen Ärzten, dem Spital und den Pflegeinstitutionen. Kürzere Wartezeiten bei dringenden Operationen seien eine Frage besserer Organisation.

"Tatsache ist, dass Wien von allen Bundesländern das Schlusslicht bei der Gesundenuntersuchungen ist. Einzelveranstaltungen wie Herztage sind ein "Tropfen auf den heißen Stein". Nicht alles ist eine Frage des Geldes, sondern von besserer Koordinierung und mehr Information", erklärt Hahn.

Pilz: Geld falsch eingesetzt

"Gegenwärtig gibt es genug Geld im Wiener Gesundheitswesen - es ist nur leider vielerorts falsch eingesetzt! Einerseits gibt es teure Überversorgung durch unnötige Untersuchungen, Operationen und Krankenhausaufenthalte. Andererseits bestehen erhebliche Versorgungsmängel in der Rehabilitation, bei Pflegeheimen und in der psychotherapeutischen Versorgung", kritisiert Gemeinderätin Sigrid Pilz (Grüne).

Eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung in Wien benötige einen Ausbau der Gesundheitsförderung, Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle, gemeinsame Leistungsangebotsplanung für Spitäler und endlich eine Stadträtin mit gesundheitspolitischem Veränderungswillen, Konzepten und Durchsetzungskraft, fordert Pilz.

Gesundheitsinfos im Internet

Infos über die Einrichtungen und Servicestellen des Gesundheitswesens der Stadt Wien findet man im Internet unter http://www.wien.gv.at/ma15/ . Mehr über den KAV:
http://www.wienkav.at/kav/ .
(Schluss) hrs

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Helga Ruzicka-Stanzel
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