Greenpeace: EU beschließt zahnlosen Kompromiß zu Tankersicherheit Utl: Durch Krisenkosmetik sind weitere Öltankerunfälle vorprogrammiert

Brüssel/Wien. Greenpeace ist enttäuscht über das heutige Ergebnis
des Treffens der EU-Transportminister in Brüssel zur Verbesserung der Schifffahrtssicherheit. Es wurden keine konkreten Sofortmaßnahmen zum Schutz der Weltmeere vor dem Transport gefährlicher Güter beschlossen. Die Forderungen der Umweltorganisation nach einer unbeschränkten verschuldensunabhängigen Haftung der Ölindustrie und das sofortige Verbot des generellen Gefahrengütertransports in Einhüllentankern wurden nicht erfüllt. Auch sollen die Tanker weiter durch ökologisch sensible Gebiete fahren dürfen. )Die EU hat sich in dieser Frage nur auf einen Minimalkonsens geeinigt, durch den weitere Tankerunfälle vorprogrammiert sind", sagte Greenpeace-Pressesprecher Franko Petri heute Abend in Brüssel.

Der Zeitrahmen, durch den die gefährlichen Einhüllentanker ersetzt
werden sollen, liegt weiterhin bei den EU-Mitgliedsstaaten. Auch soll lediglich der Transport von Schweröl in Einhüllentankern verboten werden, nicht jedoch andere Ölsorten oder sonstige Giftstoffe. ~Die EU hat zwei Jahre nach dem Unfall mit dem Tanker Erika vor der französischen Küste nach dem Sinken der Prestige wieder die Chance verpasst, solche Katastrophen zukünftig zu verhindern", sagte Petri. Die Umweltorganisation kritisiert, dass die EU reine Krisenkosmetik betreibt. Die früher beschlossenen Regeln vor zwei Jahren wären nicht ausreichend gewesen, selbst wenn sie für die Mitgliedsstaaten verpflichtend gewesen wären. Die Prestige-Katastrophe hätte auch dadurch nicht verhindert werden können.

Greenpeace hofft, dass die heute vorgelegten Maßnahmen auf dem EU-
Gipfel nächste Woche in Kopenhagen verschärft werden. 3Die Regierungschefs der EU hätten dort noch die Möglichkeit, weitere Katastrophen mit Öltankern zu verhindern", so Petri. Greenpeace fordert nach wie vor die volle unbeschränkte Haftung der Schiffs-und Öleigentümer, der Manager und Charterer von Tankern - unabhängig vom Verschuldensgrad. Auch sollen Einhüllentanker sofort vom Transport aller gefährlichen Güter ausgeschlossen werden. Ökologisch sensible Gebiete sollen nicht mehr von solchen Tankern befahren werden dürfen.

Die Umweltorganisation protestierte heute mit 40 Aktivisten aus
zehn
Ländern anläßlich des Treffens der EU-Minister für Transport, Telekommunikation und Energie in Brüssel. Vor dem EU-Ratsgebäude plazierten sie zwei Fässer mit etwa 300 Litern giftigen Schweröls aus Galizien Sie wollten dadurch vor den Augen der EU-Minister auf die Gefahr für Europas Küstengewässer aufmerksam machen. Auf Transparenten forderten sie die Minister der EU-Mitgliedsstaaten zum Handeln auf. ,Nur so kann dauerhaft garantiert werden, dass die Sicherheit von Menschen und Natur endlich über die Profitinteressen der Ölindustrie gestellt wird", appelliert Petri an die Regierungschefs der EU, nächste Woche Verantwortung für Europa zu beweisen.

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MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel.
0043-(0)676-5147246, in Brüssel
Nina Thüllen, Meeresexpertin Greenpeace,
0664-5484553

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