"Neues Volksblatt" Kommentar: "Grüne Lust" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 7. Dezember 2002

LINZ (OTS) - Es ist das historische Verdienst der Grünen, den Umweltgedanken mit vielen Aktionen zum Politikum gemacht zu haben. Nur: Erfunden haben sie die Ökologie seinerzeit nicht. Sie haben sich nur geschickt draufgesetzt zu einer Zeit, als dem Menschen allmählich dämmerte, dass er sich selbst umbringt, wenn er weiter gegen die Natur lebt. Dieser wichtige Gedanke ist damals nachweislich auch anderen politischen Parteien gekommen, die Grünen haben ihn nur kämpferisch zu ihrem Programm gemacht. Erinnern sollte man sich auch, dass es einmal bürgerliche Grüne gab und heftige Richtungskämpfe im grünen Lager. Es ist also kein Wunder, dass die Farbe Grün heute viel Sympathie findet in bürgerlichen, auch katholischen Kreisen und eine schwarz-grüne Koalition als reizvoll gilt. Dass sie trotzdem wenig Chancen hat, liegt an den amtierenden Grünen selbst. Sie haben sich unsinnigerweise ausschließlich auf die rote Seite geschlagen ungeachtet der historischen Tatsache, dass einst die Gewerkschaften ihr Feindbild Nummer eins waren. Jetzt ist der Schwenk zurück ein langwieriger Prozess. Doch wenn man bedenkt, dass auch Blau und Rot noch viel Zeit brauchen, um sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen, haben die Grünen durchaus eine Chance. Ihr Chef verspürt ja bereits Lust dazu.

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