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Oberösterreichische Nachrichten 6. Dez. 2002 "Billigeres Geld, was hilft's?" von Gerald Mandlbauer

Die gestrige Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) ist saftig ausgefallen. Geld wird billiger. Weil jedoch Europa nicht alleine an zu hohen Zinssätzen krankt, wird deswegen nicht der erhoffte Ruck durch die Länder der Euro-Zone gehen.
Alleine darüber, dass die Realzinsen zu hoch sind, lässt sich trefflich streiten. Für Deutschland und auch Österreich, wo die Realzinsen (Differenz von Nominal-Zinssatz und Inflation) um zwei Prozentpunkte über dem Zinsniveau der USA liegen, trifft diese Expertise wohl zu. In diesen Hochzinsländern ist die gestrige Zinsreduktion hochwillkommen. Zu teures Geld lähmt die Investitionsbereitschaft.
Andererseits gibt es Mitglieder der Euro-Zone, die mit der gestrigen Reduktion der Leitzinsen gar keine Freude haben können. Spanien, Portugal und allen voran die Irländer weisen hohe Inflationsraten auf 1 die Zinssätze sind in Relation dazu zu niedrig gewesen, nach der gestrigen Senkung erst recht.
Die Europäische Zentralbank steckt als Vertreter aller Euroländer im Dilemma, es nicht jedem recht machen zu können. Eine Schwachstelle der Euro-Architektur: Staaten, deren Wirtschaftsstrukturen sich nicht gleichen, die unterschiedliche Gehaltsstrukturen, Steuersätze aufweisen, deren Geldentwertung durch Inflation sich unterscheidet, benötigen differenzierte Zinsniveaus. Die EZB muss sich trotzdem auf einen Nenner einigen. Noch sind wir keine Vereinigten Staaten von Europa, deren ökonomische Schalter zentral umgelegt werden. Fehlender Zusammenhalt hat seinen Preis.
Trotzdem konnte die EZB gestern nicht anders, als die Zinsen nach einjähriger Fix-Phase zu senken. Die Probleme, die das Schwergewicht Deutschland hat, wirtschaftlich Tritt zu fassen, gaben den Ausschlag.
Die US-Notenbank ist es vorgehoppelt, wie dank vieler Zinsschritte Geld verbilligt und damit in den Kreislauf gepumpt werden kann. Hätten sich die Frankfurter Zentralbanker gestern neuerlich geweigert, die Zügel zu lockern, Europas Politiker wären über sie hergefallen. Insofern ist die EZB politischem Druck gefolgt, indem sie ihm ausgewichen ist.

Die wesentliche Frage nun wird sein, in welchem Ausmaß es der EZB gelingt, die miese Stimmung in Deutschland aufzuhellen. Zweifel daran sind angebracht. Unternehmer, die mangels Zuversicht nicht bereit sind, zu investieren, werden diese Investitionen auch dann nicht vornehmen, wenn die dazu notwendigen Kredite günstiger werden. Es fehlt dazu die Perspektive. Es mangelt an Verbraucherzuversicht, damit an Konsum.
Schließlich sind niedrige Zinssätze noch lange keine Garantie, dass Geld dorthin fließt, wo es gebraucht wird. Die maroden deutschen Banken stehen auf der Kreditbremse, weil sie weitere Kreditausfälle fürchten.
Gefragt sind eindeutige klare politische Signale: Steuerentlastung, Aufbrechen der verkrusteten Strukturen in Schröder-Land. Vorhaben, zu denen der geschwächten Regierung derzeit Mut und Kraft fehlen.

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