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LHStv. Liese Prokop übergibt Pflegepreis 2002 an Silvia Bigler als Dank für vier Jahre aufopfernde Pflege zu Hause im Familienverband

Wien (OTS) - Der Pflegepreis wird 2002 zum ersten Mal in seiner fünfjährigen Geschichte an zwei Niederösterreicherinnen übergeben. Hedwig Fuchs ist 83 Jahre und lebt nahe der Grenze zur Slowakei, Silvia Bigler (38) ist an der Grenze zu Oberösterreich zu Hause. Es trennen sie 45 Jahre und 200 Kilometer, vereint werden sie durch ihren Einsatz, ihre Hingabe und die liebevolle Pflege eines Familienmitglieds. Willibald Fuchs (46 Jahre) und Ing. Markus Bigler (41 Jahre) erlitten schwerste Verletzungen bei einem Wegunfall und leben in einem Wachkoma. Die bewundernswerte Art, wie sie das Schicksal ihrer Familie in die Hand genommen haben und für ihr Wohl kämpfen, hat die Jury bewogen, 2002 erstmals beide Kandidatinnen auszuzeichnen.

Die Preisverleihung an Silvia Bigler fand am Donnerstag, dem 5. Dezember 2002, um 15 Uhr im St. Leopoldsaal des Niederösterreichischen Landhauses statt. Landeshauptmann-Stellvertreterin Liese Prokop, Dr. Christoph Lechner, Arbeiterkammer Niederösterreich und Dir. Johann Kaiser, AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) Landesstelle Wien, nahmen die Ehrung vor. Um Hedwig Fuchs die lange Anfahrt von Niederabsdorf nach St. Pölten zu ersparen, wird sie am Montag, dem 9. Dezember, um 14 Uhr im Gemeindeamt Ringelsdorf von Abgeordneten Bürgermeister Herbert Nowohradsky, Mag. Friederike Bucher (Arbeiterkammer NÖ) und Direktor Ing. Johann Kaiser (AUVA Landesstelle Wien) geehrt werden.

Zu den Gratulanten am 5. Dezember zählten Mitglieder und Freunde der Familie Bigler, Landesrätin Christa Kranzl, Dr. Christoph Lechner (Arbeiterkammer NÖ), Dr. Gerald Bachinger (NÖ. Patienten- und Pflegeanwalt), Dr. Karl Weichinger (Hausarzt), Mag. Therese Malat (NÖN und Jurymitglied), Manfred Miessner (Bürgermeister St. Valentin), Johann Lischka (Vizebürgermeister St. Valentin), Leopold Aschauer (Vizebürgermeister St. Valentin), Rudolf Silvan (Gewerkschaft Bau-Holz und Mitglied des Rehabilitationsausschusses), Karl Ziegler (Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Wien), Dipl.-Ing. Peter Vavken (Direktor-Stellvertreter der AUVA-Landesstelle Wien), Chefarzt Dr. Djawad Lessan (AUVA-Landesstelle Wien), Hermine Ebner, (Pflegedienstleiterin des UKH-Meidling), Peter Müller (Leiter der Leistungsabteilung der AUVA-Landesstelle Wien), Peter Winkler (Leiter der AUVA-Aussenstelle St. Pölten).

Ing. Markus Bigler baute gerade den Vertrieb eines deutschen Lackerzeugers in Österreich auf, als er im November 1997 nur fünf Minuten von zu Hause in St. Valentin einen Verkehrsunfall hatte. Ein Jahr nach seinem Unfall kam Ing. Markus Bigler als Apalliker (Wachkoma) wieder nach Hause. Er ist in Pflegestufe 7 und völlig auf fremde Hilfe angewiesen. Das Haus musste umgebaut werden.

Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der zuständigen Landesstelle der AUVA (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt). Er steht unter der Patronanz des Landeshauptmannes von Niederösterreich und wird vom Präsidenten der Arbeiterkammer Niederösterreich unterstützt. Im Jahre 2002 wird er zum fünften Mal für die aufopfernde Pflege im Familienverband vergeben.

Neben einer Urkunde und dem Relief "Sonnenstiege" von Prof. Horst Aschermann besteht der Preis aus einem vierzehntägigen Erholungsurlaub im generalüberholten AK-Hotel Hirschwang für zwei Personen, der vom Präsidenten der Arbeiterkammer Niederösterreich, Josef Staudinger, zur Verfügung gestellt wird. In dieser Zeit wird Ing. Bigler in einem Rehabzentrum der AUVA betreut. Brigitte Höllerschmid, die Preisträgerin 2001, hat den Umbau des AK-Seminarhotels in Hirschwang abgewartet und wird dort 2003 ausspannen.

Von den rund 7.300 auf Grund eines Arbeitsunfalls Schwerstversehrten Österreichs leben rund 3.000 in den drei östlichen Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland. In Niederösterreich fallen zwölf Versicherte in die höchste Pflegestufe (7, Wachkoma), drei in Pflegestufe 6 und 39 in Pflegestufe 5 (schwere Querschnittlähmung). Erfreulicherweise werden in Niederösterreich rund zehn Versicherte der höchsten Pflegestufe zu Hause gepflegt.

Die AUVA hat den behindertengerechten Umbau des Hauses und die Versorgung mit Hilfs- und Heilmittel bisher mit insgesamt rund 90.000 Euro unterstützt.

Silvia Bigler am Weg zum Pflege-Vollprofi

Vierzehn Tage im Jahr bringt Silvia Bigler ihren Mann den weiten Weg nach Wien ins auf Schädel- und Hirnverletzungen spezialisierte Rehabilitationszentrum Meidling der AUVA. Silvia Bigler: "Wir fliegen dann weg - nur so kann ich entspannen, Batterien aufladen und Zeit für meine drei Töchter haben. Zu Hause ist bei drei Kindern immer etwas los". Nicht zu vergessen die zwei Pferde, zwei Katzen und den Hund.

Silvia Bigler erzählt stolz von ihren Mädchen, die moralische Unterstützung sind und sehr brav lernen. Elisa ist 16 Jahre und besucht die HBLA für Produktmanagement in Linz. Im Sommer steht die passionierte Reiterin um 6 Uhr auf, um ihre zwei Kleinpferde zu versorgen. Die Ponys sind im Winter im nahen Reitstall eingestellt. Die 14-jährige Tina geht in die HAK für Informationstechnologie und Nesthäkchen Viktoria in die 4. Klasse Volksschule. Im Moment will die Neunjährige Krankenschwester werden. Auslöser für diesen Wunsch war ein Unfall, der sie ans Spitalsbett fesselte. Ein Autofahrer hatte abbremsende Autos überholt und Viktoria auf dem Zebrastreifen angefahren - ihrer Freundin ist nichts passiert.

"Manchmal ist man froh, wenn das Schicksal Pause macht und nicht noch Eins draufsetzt", meint Silvia Bigler, um kurz darauf für mehr Rehabilitationszentren, in denen aktive Therapie gemacht wird, und für mehr mobile Rehabilitationsleistungen zu Hause für Apalliker einzutreten, egal ob nach einem Arbeits- oder Freizeitunfall. "Bei uns gibt es außerdem viel zuwenig mobile Therapeuten - und die sind heillos überlastet." Es wäre nicht Silvia Bigler, wenn sie dieses Problem nicht selbst in die Hand nimmt. Sie besucht Pflegetechnikschulungen zum Beispiel für Logopädie und "Basale Stimulation", die in der modernen Spitalspflege bei Intensivpatienten sehr erfolgreich eingesetzt wird.

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