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Versorgungssicherheit ist Thema höchster Prioriät

Beirat Versorgungssicherheit - Gemeinsame Stellungnahme des Beirates und der E-Control zum Thema Versorgungssicherheit

Wien (OTS) - Die Sicherheit und die Qualität der Versorgung mit elektrischer Energie sind im liberalisierten Energiemarkt Bereiche von höchster Priorität. "Die E-Control beschäftigt sich seit Monaten sehr intensiv mit Fragen der Versorgungssicherheit, und hat deshalb im April auch einen eigenen Versorgungssicherheitsbeirat gegründet.", ist sich der Geschäftsführer der Energie-Control GmbH, DI Walter Boltz, der Wichtigkeit des Themas bewusst. Der Beirat, dem Wissenschafter aus den Bereichen Wirtschaft und Technik angehören, hat gemeinsam mit der E-Control bereits eine Stellungnahme zur Problematik der Versorgungssicherheit erstellt. "In dieser Stellungnahme wird vor allem auch dem Sonderfall Steiermark ein breiter Raum gegeben.", so Walter Boltz.

Die Stellungnahme des Beirates für die Versorgungssicherheit in Österreich

Die EU-Binnenmarkt-Richtlinie zur Liberalisierung des europäischen Strommarktes fordert eine weitgehende kommerzielle Trennung von Netz und Erzeugung. Das Netz verbleibt weiterhin als Monopol in einem regulierten Bereich. Die Erzeugung elektrischer Energie gemeinsam mit dem Vertrieb dieser Energie ist der Bereich des freien Wettbewerbs.

Physikalisch und elektrotechnisch bilden allerdings Netz, Erzeugung und Verbraucher nach wie vor eine Einheit. Die Versorgungssicherheit in einem Land wird von allen drei Elementen bestimmt und kann auch nur in einer Zusammenschau dieser Elemente bewertet werden.

Die Versorgungssicherheit wird sowohl durch das ElWOG 2000 als auch durch das Energielenkungsgesetz als Ziel festgehalten. Der Regulierungsbehörde E-Control kommt dabei eine wesentliche Aufgabe in der ständigen Überwachung der Versorgungssicherheit und Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit zu.

E-Control hat daher im April 2002 im Rahmen eines Beirates für Versorgungssicherheit führende nationale und internationale Energieexperten versammelt. Ziel dieses Gremiums ist es, die E-Control in ihrer Tätigkeit zu beraten, aber auch Stellungnahmen zu spezifischen Themenschwerpunkten abzugeben.

Die derzeitige Lage der Versorgungssicherheit in Österreich

Die installierten österreichischen Kraftwerkskapazitäten erzeugen in ausreichendem Maße die heimischen Spitzenlasten, sodass davon auszugehen ist, dass zumindest für die nächsten Jahren mit keinen generellen Erzeugungsengpässen zu rechnen ist. Die Versorgungssicherheit in Österreich wird auch - und sogar in sehr wesentlichem Maße - durch die Leitungsverbindungen mit dem benachbarten Ausland gesichert. Sollte es zu Ausfällen von Kraftwerkskapazitäten in Österreich kommen (wie z.B. im Rahmen der Hochwasserkatastrophe im heurigen Jahr), so müssen die notwendigen Energiemengen am internationalen Markt beschafft werden. Das europäische Verbundsystem ist damit ein wesentliches Element nationaler Versorgungssicherheit.

Die Problematik der Steiermark

Genauso wie auf europäischer Ebene hängt aber auch die regionale Versorgungssicherheit von der regionalen Erzeugung sowie der Netzanbindung an das übergeordnete Leitungsnetz ab. Insbesondere in größeren Teilen der Steiermark hat sich die Lage in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. Es ist davon auszugehen, dass in einem Gesamtbild von Erzeugung, Netzausbau und Verbrauchern diese Region nur noch eine bedingte Versorgungssicherheit aufgrund von Netzengpässen hat, wobei in Zukunft der steigende Bedarf an elektrischer Energie zusätzlich zu berücksichtigen ist.

Ausfälle von regionalen Erzeugungskapazitäten deren Leistung zur Netzstützung beiträgt, können somit in der jetzigen Situation in Teilen der Steiermark zu Versorgungsproblemen führen. So kann der Ausfall eines größeren Kraftwerkes in dieser Situation bereits dazu führen, dass Sondermaßnahmen zu setzen sind. Üblicherweise bestehen derartige Maßnahmen darin, dass andere teurere Kraftwerke kurzfristig angefahren werden müssen. Die Mehrkosten werden dann über die Netzgebühren sozialisiert. Diese so genannten Engpassmanagement-Maßnahmen sind kurzfristige Notbehelfe, die allerdings mittel- und langfristig die Situation keineswegs verbessern. Insbesondere stellen sie einen wesentlichen Eingriff in das Funktionieren des freien Wettbewerbs auf dem Elektrizitätsmarkt dar und belasten damit die regionale bzw. nationale Volkswirtschaft.

Eine derartige Situation, speziell in der Steiermark, führt aber nicht nur dazu, dass Sondermaßnahmen im Bedarfsfall ergriffen werden müssen, sondern auch, dass auch die regionale Wirtschaftspolitik in ihren Möglichkeiten eingeschränkt wird. Neue Betriebsansiedlungen und Betriebserweiterungen dürften sich vor diesem Hintergrund schwieriger als in der Vergangenheit gestalten, da sie die Situation noch verschärfen und im Extremfall vom Netzbetreiber ein Anschluss dieser Anlagen nur mehr nach Können und Vermögen durchgeführt werden kann, da die Netzsicherheit nicht mehr gegeben ist. Engpassmanagementmaßnahmen betreffen dann aber alle an das Netz angeschlossene Kunden.

Die E-Control wird auch in Zukunft im Rahmen ihrer Verpflichtung zur laufenden Beobachtung und Gewährleistung der Versorgungssicherheit in enger Kooperation mit den Erzeugern, Netzbetreibern und Verbrauchern, unabhängigen Experten und den politischen Entscheidungsträgern die Öffentlichkeit laufend über die aktuelle Situation informieren und alle erforderlichen Maßnahmen setzen, damit Österreich auch in Zukunft über eine sichere Versorgung mit Elektrizität verfügt.

Rückfragen & Kontakt:

E-Control
Mag. Bettina Ometzberger
Tel.: 01-24 7 24-202

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