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Alternativer Nobelpreis 2002: Visionäre Antworten auf globale Herausforderungen

Auszeichnung für Friedensprojekt in Burundi Wien (OTS) - Bei einer Pressekonferenz in Stockholm wurden heute die Träger des Alternativen Nobelpreises 2002 vorgestellt. Der "Preis für herausragende Leistungen und Visionen im Dienste der Menschheit und des Planeten" geht unter anderem an das, auch von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützte Jugendzentrum Kamenge in Burundi. Der mit einer Gesamtsumme von umgerechnet 222.000 EUR (2 Mio. SEK) dotierte Alternative Nobelpreis wird am Montag, 9. Dezember im schwedischen Parlament durch den Stifter des Preises, Jakob von Uexküll, überreicht.

Auszeichnung für verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln

Der "Right Livelihood Award" wurde 1980 durch den deutsch-schwedischen Schriftsteller und ehemaligen Europa-Abgeordneten Jakob von Uexküll gestiftet mit dem Ziel, Menschen und Organisationen zu unterstützen, die Brücken zwischen Nord und Süd schlagen und nachhaltige Wege zur Bewältigung globaler Probleme aufzeigen. Der Preis, inzwischen weltbekannt als "Alternativer Nobelpreis" ist nicht nach Kategorien unterteilt und wird jährlich an zwei Organisationen und zwei Personen verliehen, die herausragende Leistungen für Frieden und Umweltschutz, für Entwicklung und die Stärkung von Benachteiligten, die Wahrung der Menschenrechte oder den Erhalt von kulturellen und spirituellen Werten erbracht haben. Unter den bisher Ausgezeichneten finden sich bekannte Persönlichkeiten wie der israelische Friedensaktivist Uri Avnery oder der Befreiungstheologe Leonardo Boff und Organisationen wie die Indigenen-Vereinigung COAMA aus Kolumbien, die - ebenfalls unterstützt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit - den Erhalt des Lebensraumes Regenwald sichert.

Einsatz für Versöhnung und Demokratie
Das Jugendzentrum Kamenge erhält den Alternativen Nobelpreis für seine Aktivitäten zur Versöhnung in Burundi, das nach neun Jahren Bürgerkrieg zwischen den ethnischen Gruppen der Hutus und Tutsis von bitterer Armut und hoher Gewaltbereitschaft gezeichnet ist. Gerade der Stadtteil Kamenge, im Norden der Hauptstadt Bujumbura, in dem das Jugendzentrum heute auch seine Versöhnungsarbeit leistet, war 1994/95 eines der Zentren der gewaltsamen Auseinandersetzungen. Hab und Gut der Bevölkerung wurde geplündert und die Mehrheit der Bewohner wurde vertrieben. Kamenge gilt seither als Synonym für die schrecklichen Folgen des blutigen Konflikts. In diesem verelendeten Stadtteil hat sich das Jugendzentrum während der letzten Jahre zu einem Modell für gemeinschaftliche Erziehung von Jugendlichen unterschiedlicher Ethnien entwickelt. Neben kulturellen und sportlichen Veranstaltungen bietet das Projekt den Jugendlichen auch Möglichkeiten zur Fortbildung (Bibliothek, Fremdsprachen, EDV) und vermittelt grundlegende Menschenrechtsstandards. Zusätzlich werden Aktivitäten zur Konfliktlösung organisiert, wie z.B. interethnische Veranstaltungen, und Sommercamps und Kampagnen zur AIDS-Aufklärung durchgeführt. Ausschlaggebend für die Zuerkennung des Alternativen Nobelpreises an das Jugendzentrum Kamenge war laut der internationalen Jury "der unbezähmbare Mut und Wille, mit dem die Kamenge-Mitarbeiter bewiesen haben, dass auch nach neun Jahren grausamen Bürgerkriegs ein friedliches Zusammenleben möglich ist."

Österreichisches Engagement in Burundi
Bei ihren Anstrengungen werden die Gründer des Kamenge-Zentrums, Marino Bettinsolli, Victor Ghirardi und Claudio Marano von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt. Seit 1998 engagiert sich Österreich für den Wiederaufbau und die Befriedung des von Krieg und Armut zerstörten Burundi, das ein Kooperationsland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist. Einen wesentlichen Beitrag für stabilere Verhältnisse in Burundi hat dabei der Leiter der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, Botschafter Dr. Georg Lennkh geleistet. Als Vorsitzender der Kommission für Wiederaufbau und Entwicklung war er im Rahmen der 1998 angelaufenen Friedensverhandlungen am Zustandekommen des Friedensvertrages von Arusha zwischen den Bürgerkriegsparteien beteiligt, der im August 2000 von den meisten Gruppierungen unterzeichnet wurde. Nach äußerst zähen Verhandlungen mit der burundischen Übergangsregierung hat nun am 3. Dezember 2002 eine der beiden großen noch aktiven Rebellengruppen in einen Waffenstillstand eingewilligt. Das Abkommen soll mit Ende des Jahres in Kraft treten. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit hat in Burundi den Wiederaufbau von Wasserversorgung und Schulen in zwei Provinzen finanziert, ein Projekt zur Verbesserung der Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung durchgeführt und arbeitet gemeinsam mit Partnern wie dem Jugendzentrum Kamenge an Projekten zur Versöhnung zwischen den Volksgruppen und zur Förderung der Menschenrechte.

Solidarische Antworten auf globale Herausforderungen
Entsprechend der ganzheitlichen Philosophie des Stifters stehen alle Träger des Alternativen Nobelpreises 2002 für umfassenden Einsatz im Dienste der Gesellschaft.

So wurde neben dem Kamenge Jugendzentrum die schwedische Frauenorganisation Kvinna till Kvinna für ihr Engagement gegen Menschenhandel und ihre Projekte zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation von Frauen in den Balkanstaaten ausgezeichnet. Der Jurist Martin Almada erhält den Preis für seinen Kampf gegen Diktatur, Menschenrechtsverletzungen und politische Gewalt in seiner Heimat Paraguay. Der Ehrenpreis ohne finanzielle Dotierung geht an den Australier Professor Martin Green für seine visionäre Forschungsleistung im Bereich der erneuerbaren Energiequellen.

Jakob von Uexküll sieht in der Auswahl aller dieser Preisträger eine Antwort auf globale Herausforderungen. "Die gegenwärtige Weltordnung ist auf Egoismus und Habgier aufgebaut und fördert Intoleranz und Gewalt. Damit eine funktionierende Weltgemeinschaft entstehen kann, brauchen wir eine Kultur, die auf Respekt vor dem Leben, auf Vielfalt und auf Gerechtigkeit ausgerichtet ist. Die Träger des Alternativen Nobelpreises legen mit ihrer Arbeit die Grundsteine dafür."

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Informationsbüro Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, Bettina Gusenbauer,
Tel. 01/524 43 00-46, mailto: bettina.gusenbauer@trimedia.at;
Weitere Informationen: www.bmaa.gv.at/eza und www.rightlivelihood.se

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