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Bildband über den Wienerwald erschienen

Wien (OTS) - Ging man bis vor kurzem in eine Wiener Buchhandlung
und verlangte nach einem ansprechenden Bildband über den Wienerwald, wurde man schlecht, weil kaum bedient. Daher die an sich erfreuliche Nachricht: Mit dem von Anton Rieder verfassten Buch "Der Wienerwald" ist für dieses Waldgebiet, das heuer die 1000. Wiederkehr seiner namentlichen Erstnennung gefeiert hat, besagter unerquickliche Zustand zu einem Ende gekommen.

Viel Natur, wenig Gegenwart

Gute 350 Seiten stark ist diese bildreiche Annäherung an den Wald der Wiener und Niederösterreicher geworden, das Augenmerk Rieders liegt, als ausgewiesener Forstmann will man es ihm auf's Erste auch nicht verdenken, bei den Tieren und Pflanzen, die allesamt in wunderhübschen Porträtaufnahmen gezeigt werden. Mit den "Menschen" dürfte aber der Autor so seine Schwierigkeiten haben, kommt er doch nur ein einziges Mal vor, nämlich als Junge auf Seite 86, der gerade im Begriff ist, einen Rothirsch zwischen einem grobmaschigen Metallzaun zu füttern. Ganz im ernst: Öfters kommen wir Zeitgenossen auf zwei Beinen nicht vor. Gebannt, und gelöscht ist das Gegenwärtige, keine Spaziergänger, kein Liebespaar, keine rüstigen Wanderer, keine Schüler auf Ausflug, von Mountain-Bikern und Joggern ganz zu schweigen. Ja, auch die vielen neuen Wochenend- und Zweithäuser, die Staukolonnen am Sonntag Abend Richtung Wien, also all das, was wir von unseren eigenen Ausflügen und Aufenthalten in diesem wunderbaren Wald her kennen, findet in diesem Bildband keine Erwähnung. Der Wald gehört den Tieren und Pflanzen bzw. der Kulturgeschichte, die ebenfalls reichlich vorkommt.

Lücke geschlossen, Leere bleibt jedoch

Dieses Ausblenden von uns "Normalverbrauchern" nur "schade" zu nennen, käme einer Untertreibung bzw. einem Missverständnis gleich:
Dass hier der gegenwartslose Wald prolongiert wird, muss viel mehr scharf zurück gewiesen werden, das Ausblenden unserer heutigen Natur-Praktiken nachdrücklich bedauert werden. Dies nicht allein deswegen, weil auf diese Weise ein falsches, nämlich einsames Bild vom Wienerwald entsteht, sondern auch deswegen, weil dieser Wald seit weit mehr als 100 Jahren auf das Engste mit der Stadt und ihren durchwegs zwiespältigen Vorlieben verknüpft ist. Kann man den Wienerwald ohne seine unzähligen Schutzhütten, Heurigen und Gasthäuser zeigen? Ohne seine bunten Markierungstaferln, oder ohne seine vielen Vereine? Eigentlich nicht. Kann man den anhaltenden Drang, in einer der knapp 60 Wienerwald-Gemeinden zu leben, in einem aktuellen Buch völlig negieren? Nein, auch das geht nicht, wenn man um ein halbwegs realistisches Bild von dieser hügelweiten Kulturlandschaft bemüht sein möchte. Dazu kommt noch, dass der Text des Buches zwar viel Wissenswertes transportiert, auf sprachliche Eleganz jedoch kaum Wert legt.

Was bleibt also übrig? Mit dem "Wienerwald" ist dank Anton Rieder eine unerfreuliche Lücke im Bildband-Sektor Österreichs geschlossen worden, auch wenn die vormalige Leere noch immer etwas durchscheint.

Anton Rieder, Der Wienerwald. Natur, Geschichte und Kultur einer einzigartigen Landschaft, erschienen im Verlag Christian Brandstätter ( http://www.brandstaetter-verlag.at/ ), 367 Seiten, Wien 2002, 49.90 Euro. (Schluss) hch

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