DER STANDARD, Kommentar: "Das Problem Haider" - Von Michael Völker

Ausgabe vom 5.12.2002

Wien (OTS) - Die FPÖ möchte unbedingt in die Regierung. Für die ÖVP wären die Freiheitlichen ebenfalls der Wunschpartner. Gäbe es da nicht Jörg Haider. Seit Wochen übt die ÖVP teils ganz offen, teils unterschwellig Druck auf die ohnedies angeschlagenen Freiheitlichen aus: Haider muss von der bundespolitischen Bühne verschwinden. Am besten wäre es, er zöge sich ganz zurück, auch als Kärntner Landeshauptmann.

Diese Maximalforderung wird sich nicht umsetzen lassen, da kann weder die FPÖ mit und schon gar nicht Haider. Dass es aber besser wäre, den ehemaligen Parteichef tatsächlich in Kärnten zu verräumen, hat sich auch in der FPÖ herumgesprochen. Andernfalls bräuchte man über eine Regierungsbeteiligung erst gar nicht zu verhandeln beginnen.

Haider spielt dieses Spiel derzeit auch brav mit. Wieder einmal hat er sich zurückgezogen, will nur noch in Kärnten aktiv sein. Nicht einmal zum Sonderparteitag am Wochenende in Salzburg wird er erscheinen. Und bis zur Bildung einer Regierung wird er wohl Ruhe geben.

Die ÖVP aber will mehr. Sie will eine Garantie, dass Haider sich nicht mehr einmischt. Dass er nicht in den Kulissen wütet, erneut auf die Bühne stürzt, das Bühnenbild zertrümmert, die Protagonisten verjagt und so einen Abbruch der Vorstellung erzwingt. Diese Garantie kann die FPÖ aber nicht geben, am wenigsten Herbert Haupt, der von Haiders Gnaden eingesetzt ist.

Der Druck, den die ÖVP in dieser Frage aufbaut, wird aber dazu führen, dass die FPÖ in anderen Punkten kleinlaut nachgeben wird, nur um Haider nicht über die Klinge springen zu lassen. Um die Bändigung Haiders wird sich die ÖVP aber selbst kümmern müssen. Wolfgang Schüssel hat bereits gezeigt, dass er diesen Dressurakt mit Ambition anzulegen vermag.

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